Einzelnen Beitrag anzeigen
  #879  
Alt 09.11.2021, 13:22
Snape Snape ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 4000
 
Registriert seit: 16.12.2008
Beiträge: 4.545
Snape kommt allgemein ganz gut an (Renommeepunkte mindestens +60)
AW: Dauerbrenner: Falsche Aufschläge - verdeckt, aus der Hand ...

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Also für mich ist es schwierig das zu entscheiden, ob ein Aufschlag korrekt ist. Zunächst einmal habe ich kein Maßband in meiner Linse, welches mir erlaubt genau zu messen, ob der Ball nun hoch genug geworfen wurde. Dann sagt die Regel "nahezu senkrecht". Das muss ich nun auch wieder irgendwie bewerten und lässt viel Spielraum. Zuletzt hindert mich, wie du gesagt hattest, meine Position als Schiedsrichter gut zu beurteilen, ob ein Aufschlag verdeckt war oder nicht.
Dann verrate ich Dir mal ein Geheimnis:
Es gibt nicht wenige Regeln, die aus verständlichen Gründen keine Werte vorgeben und trotzdem eingehalten und darauf auch beurteilt werden können und müssen! Dafür muss man als SR nicht messen. Wenn man als SR nicht sicher ist, ob der Ballwurf 15, 16, 17 cm hoch war, hat der Spieler dafür zu sorgen, dass es eindeutig und klar ist, dass der Aufschlag korrekt ist.
Gleiches bei annähernd senkrecht. Der SR muss nicht messen (wäre mangels Winkelvorgabe auch sinnfrei), mit welchem Winkel der Ballwurf erfolgte, das kann man auch so erkennen, ob er eher annähernd senkrecht oder schräg zur Seite bzw. nach hinten erfolgte. Für Grenzfälle siehe unten.
Wie ist es bei Kantenbällen? Kannst Du Deinem Einwand entsprechend auch nicht beurteilen.
Wie soll das auch anders gehen? Willst Du jede Regel mit Werten belegen? Dann werden Dir User wie Fastest die Messmethode und die Genauigkeit des Messgeräts um die Ohren hauen und wir haben maximale Praxisferne erreicht.
Deshalb muss es Regeln geben, die nicht messbar sind / sein dürfen und damit vom Schiedsrichter beurteilt werden müssen. Egal ob Kantenball oder Aufschlag.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Im Übrigen ist es schon so, dass ein falscher Aufschlag sofort als Punktgewinn für den Gegner zu werten ist. Das von dir erwähnte Ermahnen darf der Schiedsrichter nur, wenn er sich nicht sicher ist, ob ein Aufschlag korrekt war. Allein, dass es so einen Passus gibt, zeigt doch, dass es schwierig ist zu beurteilen, ob ein Aufschlag korrekt war oder nicht.
Noch mal:
Im Zweifel gegen den Aufschläger, weil er dafür verantwortlich ist, dass der Aufschlag so ausgeführt wird, dass der Schiedsrichter von der Korrektheit überzeugt ist. Werfe ich den Ball nur 17 cm hoch, bin ich selbst schuld, ich könnte ihn auch einen halben Meter hoch werfen, dann ist die Situation klar.
In der Praxis werden sehr selten regelwidrige Aufschläge sofort weggezählt, auch diese werden idR mit Let unterbrochen. Um eben nicht sofort zu eskalieren.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ob nun eine Folgenminderung dazu führt, dass mehr falsche Aufschläge gemacht werden, kann man nur spekulieren.
Natürlich, rein logisch und aus der bisherigen Praxis betrachtet ist es jedoch das wahrscheinlichste Szenario.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ich glaube jedenfalls, dass es vielen Schiedsrichter schwerfällt etwas gegen Aufschläge zu unternehmen, weil die Regel viel Diskussionsspielraum gibt und deshalb die Spieler sich auch immer aufregen können. Wäre die Folge kleiner würden meiner Meinung nach weniger Spieler protestieren, was es den Schiedsrichtern leichter macht.
Wer regt sich denn auf? Am lautesten die Spieler mit den regelwidrigen Aufschlägen, nachdem sie darauf hingewiesen wurden. Das ist der Grund, warum viele Schiedsrichter lieber die Klappe halten: Weil sie kein Bock auf diese Pöbelei Diskussion haben, die es zu 99,9% gibt, nur in wenigen Fällen nehmen die Spieler die Entscheidung hin.
Gut für die Aufschlagsbetrüger (egal ob absichtlich oder nicht), schlecht für ihre Gegner. Und wenn die Aufschlagsbetrüger nur sehr schwache Konsequenzen zu fürchten haben (z.B. Aufschlagwechsel im Vergleich zum Punktverlust), sinkt der Anreiz für regelkonforme Aufschläge ja noch weiter.
Nein, die Sanktionen sollten nicht abgeschwächt, sondern verschärft werden.
Im TT gibt es sowieso schon die weichsten und meisten Eskalationsstufen bei Fehlverhalten:

1. Ermahnung
2. Gelbe Karte
3. Gelb-Rote Karte, Punkt für den Gegner
4. Gelb-Rote Karte, zwei Punkte für den Gegner
5. Rote Karte

In welcher anderen Sportart gibt es derart viele Eskalationsstufen?

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ob sich wirklich 99% sich zu Unrecht aufregen, wenn ihr Aufschlag reklamiert wird, weiß ich nicht.
Ich habe dazu keine Zahlen und Statistiken erhoben. Ich kenne nur einen einzigen Fall, in dem ein Aufschlag zu unrecht reklamiert wurde, bei einem internationalen Turnier mit Hawkeye.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Aber zumindest meiner Erfahrung nach, wird sich auch oft über korrekte Aufschläge aufgeregt, einfach weil sie den Aufschlag nicht retournieren können. Klassiker sind hier der Tomahawk Aufschlag und der gestoßene Aufschlag.
Was ist ein gestoßener Aufschlag? Rollaufschlag?
Tomahawk kann wegen des Ballwurfs problematisch sein. Entweder nicht hoch genug oder zu schräg.

Bist Du sicher, dass die reklamierten Aufschläge tatsächlich korrekt sind? Normale Spieler, ungeprüfte Schiedsrichter können das idR nicht wirklich beurteilen, weil ihnen nicht alle Kriterien bekannt sind und sie sich oftmals auch in einer Position befinden, aus der man das nicht gut beurteilen kann.

Sorry, Du bist zu sehr auf Linie der Täter und willst ihnen auch noch den roten Teppich ausbreiten. Das ist kontraproduktiv.
Mit Zitat antworten