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Alt 09.11.2021, 19:39
Snape Snape ist offline
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Snape kommt allgemein ganz gut an (Renommeepunkte mindestens +60)
AW: Dauerbrenner: Falsche Aufschläge - verdeckt, aus der Hand ...

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ich habe doch nur geschildert, warum es mir schwerfällt, die Aufschlagsregeln zu bewerten. Ich habe auch gesagt, es fällt mir schwer, nicht, dass es mir nicht möglich ist.
Also nur ein persönliches Problem, kein Regelproblem. Nur weil man etwas nicht immer genau und präzise beurteilen kann, hat man dennoch nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Und wie in diesem unklaren Fall zu handeln ist, gibt das Regelwerk zumindest bei Aufschlägen her.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Beim Ballwurf ist das anders. Hier muss ich entscheiden, was nahezu gerade ist und was eben nicht. Ich habe aber keinerlei Anhaltspunkte, warum das für mich so ist. Ich setze da quasi selber eine Grenze.
Die setzt Du doch immer. Wurfhöhe, Wurfwinkel, Schläger auf dem Tisch ablegen / werfen etc. pp. Das ist doch genau der Job des Schiedsrichters. Es gibt zu Recht keinen Katalog
Schläger werfen = Gelb / Gelb-Rot
Auf den Boden spucken = Gelb / Gelb-Rot
etc., weil er nie vollständig wäre und jede Situation individuell zu beurteilen ist. War der Schlägerwurf zu heftig für eine verbale Verwarnung? Der Tritt gegen den Tisch zu feste? War der Fluch im Eifer des Gefechts noch akzeptabel?

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Deshalb wird es, wenn ich mich hierauf berufe immer Diskussionen geben, weil es eben zurecht andere Leute anders sehen können.
Das ist deren Problem. Diejenigen, die absichtlich regelwidrig aufschlagen, pöbeln herum, um Dich zu verunsichern und doch damit durchzukommen. Diejenigen, die es unabsichtlich machen, bewahrt es dennoch nicht vor Sanktion. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Die Regel, dass der Aufschläger verantwortlich ist, gibt es und würde mir immer rechtens die Möglichkeit geben einen Aufschlag abzuzählen. Aber sie widerspricht eben einer Norm, die im alltäglichen Leben gibt und den meisten Menschen auch beigebracht wird: "Im Zweifel für den Angeklagten." Deshalb ist es psychologisch betrachtet nur logisch, dass Schiedsrichter zögern es durchzusetzen.
Im Grunde richtig, aber die Schiedsrichter handeln oft nicht wegen der zu erwartenden Pöbeleien. Sie kennen die Regeln, und wenn sie diese nicht durchsetzen, sind sie leider fehl am Platz. So einfach ist das, auch wenn es schroff klingt. Wenn sie unsicher sind, ob der Aufschlag regelkonform ist, sehen die TT-Regeln konkret vor, wie zu verfahren ist. Hält man sich als Schiedsrichter nicht daran, warum macht man dann den Job? Umklappen kann auch ein 10jähriger.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Richtig. Normalerweise führt eine geringere Sanktion zu mehr Verstößen. Allerdings nur wenn die Sanktion konsequent durchgesetzt wird, was sie hier nicht wird, auch wegen der hohen Sanktion meiner Meinung nach.
Geht an der Realität vorbei und die Sanktion ist de facto immer eine Ermahnung bzw. Verwarnung. Das ist die gleiche unnötige Diskussion wie bei einer gelben Karte. In beiden Fällen hat der Betroffene noch keinen einzigen Nachteil erfahren. Kein Punkt weg, auch keine zwei, keine Disqualifikation, dennoch ein Theater wie bei einem Weltuntergang.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Wie beschrieben, kann ich als Schiedsrichter nicht immer eindeutig und diskussionsfrei (bsp. Wurfwinkel) sagen ein Aufschlag wäre falsch, wodurch es mir schwerfällt eine harte, evtl. spielentscheidende, Entscheidung zu treffen. Da hilft es mir nicht, dass ich mich auf einen Absatz berufen kann, der einem der Grundsätze eines Rechtsstaates, in welchen die Schiedsrichter leben, widerspricht.
Das Ganze ist ein psychologischer Konflikt, welcher evtl. eben entschärft werden könnte.
Die Schwere der Sanktion ändert doch nichts an der Beurteilung der Situation, ob der Aufschlag korrekt war oder nicht.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Das ist ein allgemeines Problem leider. Dieses Problem haben andere Sportarten aber leider auch. Beim Fußball und Tennis wird ja auch regelmäßig diskutiert.
Die werden dort aber selten so heftig geführt wie beim TT und die dortigen Schiedsrichter bekommen die Situation deutlich schneller gelöst. Meckern = gelbe Karte und es ist sofort Ruhe (Fußball), davon kann man beim TT nur träumen.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Weshalb wurde denn dieser Aufschlag abgezählt bzw. warum war es deiner Meinung nach zu Unrecht?
Nein, die Intervention der Schiedsrichterin war unberechtigt. Bezog sich auf die Wurfhöhe bei Boll, wenn ich mich recht erinnere.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ja ich bin mir sicher. Ich kenne die Aufschlagregeln und hätte diese dir, wenn du mich irgendwas nachts geweckt hättest auch aufsagen können. Ich bin einer der wenigen Spieler, der sich die Tischtennisregeln wirklich mal durchgelesen hat und auch zum Beispiel die WO. Auch kenne ich sogar das Schaubild der ITTF, das es zumindest mal gab, welches helfen sollte zu beurteilen, wann ein Aufschlag nahezu gerade hochgeworfen wurde und wann nicht.
Ok, außergewöhnlich vorbildlich!
Von dem Schaubild halte ich übrigens nichts.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ich bin keinesfalls auf Seiten von Spielern, die irregulär aufschlagen. Ich schildere nur meine Meinung, warum die Aufschlagsregel nicht öfter durchgesetzt wird.
Frag mal nach der ehrlichen Antwort derjenigen, die regelwidrige Aufschläge durchgehen ließen, obwohl sie die als regelwidrig oder zumindest zweifelhaft erkannt haben.
Die Wahrheit ist: Sie wollen keinen Streit.
Der Vorwand ist: Sie sind angeblich unsicher, ob der Aufschlag wirklich regelwidrig war. Zu blöd, dass das Regelwerk genau dafür eine Vorgehensweise enthält.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Aber wenn du eben keine Probleme hast, so knallhart deine Meinung und die Regel durchzusetzen, dann ab mit dir auf den Schiedsrichtertisch
Nein danke, wenn schon dann Schiedsrichterstuhl.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ich kann das zumindest nicht, weil ich zum Beispiel die Diskussionen nicht abkönnte, die kommen würden, wenn ich bei einem großen Turnier konsequent einem Spieler den Aufschlag reklamiere/"abzähle".
Siehst Du, Du hast auch Angst vor den Diskussionen bzw. Pöbeleien und sorgst damit dafür, dass diese Aufschläger mit ihren meist bewussten Regelverstößen durchkommen. Du wärst damit kein guter Schiedsrichter, weil Du Deinen Job nicht erledigen würdest.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
So wäre ich nicht gern die Schiedsrichterin gewesen, die Ding Ning(glaube ich) gegen Li Xiaoxia den Aufschlag "abgezählt" hatte, angesichts der Diskussionen hier im Forum, ob diese Entscheidung richtig war oder nicht.
Da muss man einfach mal die Kirche im Dorf lassen.
Die Diskussionen hier im Forum sind fast immer völlig daneben. Niemand hier saß auf dem Schiedsrichterstuhl und hat vor Ort aus ihrer Perspektive die Situation beurteilt. Natürlich kann eine Entscheidung auch mal falsch sein. Als Schiedsrichter hat man keine zigfache Wiederholung aus verschiedenen Perspektiven in Zeitlupe, um sich ein klares Bild zu verschaffen, sondern nur den kurzen Moment, in dem mehrere Kriterien beachtet werden müssen.

Zitat:
Zitat von Matthias1234 Beitrag anzeigen
Ich bin deswegen froh, dass ich nur Schiedsrichter in den Spielen meiner Mannschaft machen muss in einer Amateurliga, in welchen der Aufschlag nur selten zum Thema wird.
Weil sich fast alle damit abgefunden haben. Inzwischen auch in höheren Ligen mit offiziellen Schiedsrichtern am Tisch. Das sagt weniger über die Aufschlagregel als mehr über die Spieler aus.
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