Zitat:
Zitat von jcd
Was hast du gegen das Bild. Ist doch eine schöne Leitline was da die ITTF als annähernd senkrecht ansieht. Vom reinen Text würde ich das anders auslegen.
Oder meintest du, das das zu lasch ausgelegt wird, auf dem Bild ?
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Letzteres.
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Zitat von Matthias1234
Da ja auch sagst, dass meist "gepöbelt" wird, implizierst du, dass die meisten Spieler bewusst falsch aufschlagen. Das sehe ich absolut anders. Ich glaube nicht, dass sich ein Spieler beim Aufschläge üben denkt: Ich werfe den jetzt bewusst zu flach oder bewusst extrem schräg, damit ich einen regelwidrigen Vorteil habe. Ich glaube eher die Spieler machen sich keine Gedanken darüber. Sie werfen den Ball hoch und versuchen dann maximal effizient aufzuschlagen.
Ich glaube ich kenne kaum einen Spieler der absichtlich verkehrt aufschlägt. Damit er das könnte, müsste er ja vorher mal zumindest ermahnt worden sein. Das ist sehr selten gegeben (Gründe dafür sind ja mal irrelevant).
Ich kenne 2 Spieler, die das bewusst machen. Den einen habe ich schon ein paar mal darauf hingewiesen und trotzdem macht er bei engen Spielständen bewusst diese Aufschläge. Der andere bin ich selbst, wenn ich die Aufschläge meines Gegners reklamiert habe und nichts passiert. Dann mache ich bewusst den Aufschlag auf die selbe Weise falsch wie mein Gegner.
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Das ist praxisfremd. Entweder bist Du in zu niedrigen Spielklassen unterwegs oder Du sprichst zu wenig mit anderen Spielern. Zumindest darüber.
Jeder, den ich kenne, der regelwidrige Aufschläge spielt, macht das entweder absichtlich (ab einer gewissen Liga ist Unwissenheit ausgeschlossen) oder mit dem Bewusstsein, dass die Aufschläge "eventuell nicht ganz korrekt sind", sie aber keine Lust haben, regelkonforme Aufschläge zu spielen bzw. zu lernen.
Die einzigen Ausnahmen sind im Nachwuchsbereich zu finden, dort herrscht oft und lange Unwissenheit, manchmal werden ihnen leider auch bewusst regelwidrige Aufschläge beigebracht mit entsprechender Begründung, selbst schon erlebt.
Zitat:
Zitat von Matthias1234
Ich sehe in dem Verlust eines Aufschlages schon einen Nachteil. Wenn du heute 10 Profis fragst, ob sie lieber einen ganzen Satz aufschlagen wollen oder rückschlagen wollen, bin ich sicher, dass mindestens 9 sagen, dass sie aufschlagen wollen, weil Aufschlag zu haben eben ein Vorteil ist.
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Keine Frage. Aber dann frag sie mal, ob sie bei einer 50:50-Chance für die Ahndung eines regelwidrigen Aufschlags diesen eher bei Punktverlust oder bei Aufschlagverlust versuchen.
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Zitat von Matthias1234
Ich bleibe dabei: Meiner Meinung nach wären die Pöbeleien kleiner, wenn ein falscher Aufschlag nicht einen Punkt am grünen Tisch bringt.
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Gehen wir einen Schritt weiter:
Es wird ganz sicher gar keinen Pöbeleien mehr geben (ist doch Dein Ziel?), wenn man die Aufschlagregel nur noch darauf reduzieren würde, dass der Ball einmal auf der eigenen und einmal auf der gegnerischen Seite aufspringen muss. Wäre das nichts für Dich?
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Zitat von Matthias1234
Gutes Beispiel ist mal wieder Fußball. Über Elfmeterentscheidungen und Rote Karten wird nahezu immer diskutiert (auch im Nachgang). Über ein simples Foulspiel oder einen Eckball nicht. Warum? Weil die Folge geringer ist.
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Das ist nicht ganz korrekt. Für ein grobes Foulspiel wird die rote Karte gezückt.
Noch mal: Sanktionen grober Regelverstöße, und in diese Kategorie gehören regelwidrige Aufschläge, einzig mit dem Gedanken aufzuweichen, Pöbeleien zu reduzieren, ist der falsche Weg und wird erst recht dafür sorgen, dass regelwidrige Aufschläge vermehrt praktiziert werden. Wo ist denn die abschreckende Wirkung, wenn die Sanktion abgeschwächt wird? Wenn der Dieb z.B. nur mit Hausverbot bestraft wird statt mit Geldstrafe / Knast?
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Zitat von Matthias1234
Im Übrigen sieht man auch im Fußball mögliche Diskussionen durch eine Entscheidung Einfluss nehmen auf die Entscheidung von Schiedsrichtern. Oft geht bei einem Zweikampf ein Spieler zu Boden. Zunächst pfeift der Schiedsrichter nicht. Sieht er dann aber, dass die gegnerische Mannschaft einen außsichtsreichen Angriff hat, pfeift er doch noch. Warum?
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Das nennt sich Vorteil. Warum soll der Schiedsrichter eingreifen, wenn trotz des Fouls die betreffende Mannschaft einen aussichtsreichen Angriff fortführen kann? Ist mit Tischtennis allerdings nicht zu vergleichen.
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Zitat von Matthias1234
Schau dir mal an wie heftig Tennisspieler diskutieren, wenn sie sich benachteiligt fühlen. Sie diskutieren zum Teil sogar sehr heftig, wenn der Schiedsrichter messbar richtig handelt zum Beispiel beim Überschreiten der Aufschlagsuhr.
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Das sind alles keine Probleme der Regeln, sondern der Spieler (Charakterfrage). Und teilweise der Schiedsrichter, die nicht souverän mit den Situationen umgehen.
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Zitat von Matthias1234
Beim Fußball wird doch oftmals nach fast jeder Situation erst einmal mit dem Schiedsrichter diskutiert.
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Ein guter Schiedsrichter löst diese Diskussion binnen weniger Sekunden.
Noch mal: Mit keiner Regel oder Sanktion wirst Du Diskussionen und Pöbeleien unterbinden. Nur mit Konsequenz und Rückendeckung drastisch reduzieren. An beidem mangelt es massiv.
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Zitat von Matthias1234
Kann mich auch nicht daran erinnern, dass mal einer der Profis all zu heftig war, als etwas gegen sein Aufschlag gesagt wurde. Weder von Ma Long, noch von Ding Ning. Die beiden Fälle, an die ich mich direkt erinnern kann.
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Dann begib Dich mal auf die Ebene Landesliga bis 1. Bundesliga.
Bei den Damen und Herren.
Spoiler: Die Männer regen sich eindeutig öfter auf und pöbeln auch öfter.
Liegt es also an den Regeln?
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Zitat von Matthias1234
Das ist deine Meinung, dass es unberechtigt war, obwohl es doch wohl regelkonform von der Schiedsrichterin war zu ermahnen. Denn sie hätte ja wohl nicht ermahnt, wenn sie nicht zumindest Zweifel an der ausreichenden Wurfhöhe gehabt hätte, womit sie mit der Ermahnung regelkonform gehandelt hatte.
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Irgendwie reden wir hier aneinander vorbei.
Dass der Aufschlag zu unrecht reklamiert wurde, zeigte nur das Hawkeye.
Prinzipiell hat die Schiedsrichterin korrekt gehandelt, was auch das Hawkeye nicht revidiert. Denn es war eine so knappe Entscheidung, die man mit menschlichem Auge nicht präzise vornehmen kann. Und für diesen Fall, ich wiederhole mich auch hierzu, hat der Schiedsrichter entsprechend zu handeln. Ist der Aufschlag nicht als eindeutig regelkonform zu beurteilen, gibt es Handlungsbedarf. Handelt der Schiedsrichter nicht, macht er seinen Job nicht gut und könnte zu Hause bleiben.
Zitat:
Zitat von Matthias1234
Merkst du jetzt wie problematisch das Ganze ist. Denn, obwohl der Schiedsrichter durch den von dir oftmals erwähnten Absatz regelkonform handelt, kann es unzählige Menschen geben, die entsprechende Entscheidungen anders sehen und als falsch betrachten(eben weil viel Ermessen in der Entscheidung über einen Aufschlag steckt). Dem Ganzen muss sich ein Schiedsrichter dann stellen und das ist schwierig.
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Überhaupt nicht, siehe oben. Wenn der Ballwurf nicht hoch genug ist, dass ich ihn als mindestens 16 cm beurteile, dann entscheide und vertrete ich das auch. Wo ist das schwierig oder ein Problem? Ich muss nicht beweisen, dass es weniger als 16 cm waren, was aus naheliegenden Gründen weder möglich noch gewollt ist.
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Zitat von Matthias1234
Bei den Profis mag das anders sein. Die kennen sicherlich die Aufschlagsregeln. Aber nahezu senkrecht ist zum Beispiel eben schwammig. Deswegen sagen sie sich sicherlich: Solange das kein Schiedsrichter reklamiert, ist mein bewusst schräger Ballwurf wohl auch in seinen Augen noch nahezu senkrecht.
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Oder er traut sich nicht, sie zu reklamieren. Dem Aufschläger ist es egal, Hauptsache er kann seine regelwidrigen Aufschläge weiter praktizieren und damit punkten.
Nahezu senkrecht ist genau so schwammig wie jede Regel, die keine festen Werte vorgibt, die auch gut gemessen werden können. Leuchtend rot kannst Du auch als schwammig bezeichnen. Richtig. Aber genau dafür gibt es Schiedsrichter. Individuell zu entscheiden.
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Zitat von Matthias1234
Das ist ja völlig irrelevant. Es gibt sie. Das ist der Punkt.
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Die gibt es immer, egal wie gehandelt wird und egal wie die Regeln sind.
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Zitat von Matthias1234
Fazit: Wir haben ein Aufschlagsproblem, weil die Regel nicht durchgesetzt wird(Warum 1). Es gibt Gründe für das Nichtdurchsetzen(Warum 2). Ob es diese geben sollte oder nicht, ist zweitrangig.
Die Frage ist, wie lösen wir das Problem. Möglichkeit 1: Wir setzen am ersten Warum an. Heißt wir versuchen die Schiedsrichter dazu zu bringen, die Regel konsequenter zu verfolgen. Bloß wie wollen wir das machen. Sanktionen verhängen für Schiedsrichter, die es nicht konsequent durchsetzen. Dann haben wir wohl bald keine Schiedsrichter mehr.
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Deshalb lautet mein Vorschlag auch, Rückendeckung für die Schiedsrichter und Sanktionen gegen die Spieler, ähnlich wie beim Fußball.
Vor 30, 40 oder noch mehr Jahren genossen die Schiedsrichter Respekt und ihre Entscheidungen wurden nur selten in Frage gestellt, angezweifelt, diskutiert oder der Schiedsrichter gar angepöbelt. Heute ist das der Normalfall. Das liegt nicht an den Regeln, sondern an der Gesellschaft.
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Zitat von Matthias1234
Möglichkeit 2: Wir setzen am zweiten Warum an und versuchen die Gründe zu suchen und zu eliminieren, die zur Nichtdurchsetzung führen.
Mein Vorschlag wäre Möglichkeit 2.
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Praxisfremde Träumerei.
Wenn ich ein Spieler wäre, der regelwidrige Aufschläge praktiziert, ist für mich das Risiko des Punktverlustes doch viel größer als wenn nur das Aufschlagrecht gewechselt wird. Im besten Fall bin ich auch ein guter Rückschläger, dann ist mir das doch sowas von egal. Droht mir hingegen direkter Punktverlust, überlege ich mir dreimal, ob ich es riskiere.