Sonst liest man oft "Ersatz gesucht" - warum nicht auch mal was schreiben, wenn man vielleicht zufällig einen gefunden hat?
Also ... ich habe schon lange ein beklebtes, aber unbenutztes, Force ARC aus einem Sonderangebot in meiner Kiste, welches mindestens seit der Corona-Krise vor sich hin trocknet. Nachdem mich ein Trainingspartner tempomäßig doch etwas unter Druck gesetzt hatte, fand ich den Zeitpunkt für gekommen, mich da mal ran zu trauen. Spiele sonst ein OFF Vollholz und habe vor Outer Carbon Hölzern schon etwas Respekt, da diese im Forum meist als hart und höherklassig beschrieben werden. Da ich bisher eher spin-verliebt, als geradlinig-direkt spiele, sehe ich mich bisher auch nicht in dieser Zielgruppe.
In der letzten Trainingseinheit habe ich jetzt aber jeweils eine Häfte mit beiden gespielt und bin doch etwas verblüfft, wie gut mir das Force ARC (83.0 g) auf Anhieb gefällt.
Fing gleich an mit dem geraden, kantigen Griff. Gibt meiner Hand wunderbar Halt und Orientierung. Am schlechtesten klar komme ich traditionell mit besonders flach ovalen ST Griffen von z.B. Stiga oder Donic. Mein Andro Timber 5 OFF ist zumindest ein ordentlicher Kompromiss irgendwo dazwischen. Nur an der "Fülligkeit" - meist ausgedrückt durch den Griffumfang - kann das gute Handling des Force ARC nicht liegen. Sowohl das Gewo, als auch das Andro, haben zufällig den gleichen Griffumfang von 8.5 cm.
Besonders erstaunt mich die positive Auswirkung von Griff und Holz als Gesamtheit auf meine Rückhand. Schwer zu beschreiben, das ARC dreht sich aus dem Handgelenk einfacher und selbstverständlicher. Für mein belastungsanfälliges Handgelenk ein grosser Vorteil. Wenn das mehr als nur ein sehr positives Gefühl ist, sollte es auch eine rationale Erklärung dafür geben, deshalb habe ich mal meine Kenndaten verglichen. Hauptverdächtiger ist natürlich der Schwerpunkt des Schlägers. Beim montierten ARC ist er 5.2 cm von der Oberkante Griffschale entfernt, beim Timber 5.4 cm - letzeres ist also minimal kopflastiger. Gleichzeitig kann aber auch das dickere Blatt des Timber das "Drehmoment" fühlbar beeinflussen, mein Timber ist 6.3 mm dick, das ARC nur 5.3 mm. Beläge waren übrigens auf beiden Hölzern eFT45 in 1.9 mm (aber dazu später mehr).
Zusammen mit dem minimal höheren Tempo des ARC und seiner etwas höheren Präzision hatte ich gleich den Eindruck einer wohltuenden Mühelosigkeit und Sicherheit. Ist zu gewissen Teilen aber sicher auch die Kehrseite des leichter aktivierbaren Spins beim Timber. Da muss der Kopf eben auch jederzeit voll dabei sein
Etwas Technikumstellung sollte den Spin aber auch beim ARC wieder hervorkitzeln lassen, der optimale "Arbeitspunkt" scheint nur zu etwas höherem Tempo verschoben zu sein. Gleichzeitig wirft das ARC den Ball auch etwas flacher aus, was naturgemäß die tangentiale Komponente beim Anziehen etwas verstellt.
Interessant wird für mich in den nächsten Einheiten werden, wie ich die noch vorhandene Biegsamkeit des ARC nutzbringend einsetzen kann. Je nach Trefferzone lässt sich dem Ball schön eine gezielte Qualität mitgeben bzw. auch ein bestimmter Spin. Ist mal eine schöne Abwechslung zum tendenziell eher weicher gezogenen Spin beim Timber.
Wer bis hier durchgehalten hat, wird sich fragen, welche Rolle hier vielleicht das Gesamtgewicht gespielt hat. Für den Vergleich schienen die Voraussetzungen zunächst optimal: Mein Timber wiegt 170 g und das alte ARC hatte ich damals schon gewogen und mit dem Wert 170 g beschriftet. Jetzt nach der langen Zeit erneut gewogen, wiegt das ARC nur noch 168 g. So einen Gewichtsverlust hatte ich bei einem anderen Schläger schonmal dokumentiert und konnte ihn dort auf Schwund bei den Belägen zurückführen. Ich nehme daher an, daß auch die eFT45 factory booster enthalten und diesen im Laufe der Zeit verlieren.
Nebenbetrachtung:
Gesetzt den Fall der Weichmacher verflüchtigt sich bei ESN-Belägen - sollten die sich dann nicht irgendwann "härter" spielen?
Meine Stichprobenmessung mit dem einfachen Shore-O-Durometer (gemessen von der Obergummiseite!) liefert zwar ein Indiz in diese Richtung, aber signifikant nicht unbedingt:
Die eFT45 1.9 auf dem Timber: 45° und 45° Shore O.
Die eFT45 1.9 auf dem Force ARC: 47° und 46° Shore O.
Vorläufiges Fazit aus dieser ersten Trainingseinheit: Die Ehrfurcht vor einem Outer Carbon scheint mir etwas überzogen, wenn man bisher schon gut mit einem OFF Holz klarkommt. - Und warum zum Schreiner werden soviele unhandliche Ovalgriffe produziert, wo eher kantige sich so toll spielen lassen??