Ich finde, der HTTV hat für die Sportart in bester Absicht nicht die beste Entscheidung getroffen.
Ähnlich wie in anderen Sportarten kann im Tischtennis die Saison verlängert werden (allerdings haben andere Sportarten deutlich längere Zeitfenster).
Anders als in anderen Hallensportarten (Handball, Volleyball, Hockey, Eishockey, ...) sind die Spiele bis 13.2. abgesetzt worden und können nur stattfinden, wenn beide Teams bereit sind, doch zu spielen. Sozusagen eine Saisonunterbrechung und die ersten vier Wochen können dann an die Saison drangehängt werden, sollte nicht dann entschieden werden, die Saison abzubrechen.
Angesichts der Tatsache, dass Tischtennis eine Nicht-Kontakt-Sportart ist, der Tisch automatisch Abstandshalter ist und seriöse Hygienekonzepte leichter umsetzbar sind als bei Kontaktsportarten ohne Abstände, ist die Vorgehensweise im Tischtennis nur begrenzt nachvollziehbar.
Nur wenige Vereine und Mannschaften machen von der Möglichkeit Gebrauch, schon vor dem 14.2. zu spielen, was der Option eines Abbruchs in die Karten spielt.
Wir haben unsere Teams gebeten, seriös für sich zu diskutieren und Konsensentscheidungen zu treffen (ohne jemanden zu übergehen), zu was sie bereit sind. Die Kinder und Eltern unserer 5 Nachwuchsteams waren für spielen. Von unseren 8 Damen-/Herrenteams wollten 4 spielen und 4 lieber den 13.2. abwarten oder nur in Einzelfällen spielen. Seriöse Hygienekonzepte der Heimmannschaft war hier auch eine Stellschraube bei der Entscheidung. D.h. 9 unserer Teams waren spielbereit. Von 27 Spielen in den ersten drei Spielwochen wollten wir 18 stattfinden lassen. Nur in 4 Fällen kam es zu einer einvernehmlichen Klärung Pro-Stattfinden mit dem Gegner.
Die allgemeine Quote der stattgefundenen Spiele unterhalb der OL ist noch schlechter beim Blick auf die Regionsspielpläne.
Die Rückmeldungen der Gegner waren sehr unterschiedlich von "wir wollen spielen, aber der Verein hat Grundsatzentscheidung getroffen, den 13.2. abzuwarten", "wir haben Angst und trauen uns nicht", "wir haben 2-G-Plus-Bedenken und haben Impfskeptiker*innen" (keine Bestaufstellung mit Ungeimpften möglich), "es passt uns strategisch in den Kram wegen der Wertung, nicht zu spielen", "der HTTV hat spielen verboten" (Unkenntnis der Beschlusslage) und noch andere Realitäten. Also eine bunte Mischung, teils verständlich, teils begrenzt verständlich. In einer Vielzahl der Fälle haben die handelnden Akteur*innen den HTTV-Beschluss aber tatsächlich so interpretiert, dass nicht gespielt werden darf. Wahrscheinlich liegt das auch am nicht präzisen Wording "Saisonunterbrechung".
Merkwürdig wird es in Einzelfällen, wenn z.B. ein Verein einer Spielaustragung nicht zustimmen will, aber am gleichen Tag in der selben Halle einen VR-Cup mit 16 TN austrägt, an dem dann ggf. auch noch Teammitglieder teilnehmen, die an dem Tag gespielt hätten. Was ist hier die Motivlage? 80 Euro Einnahmen?
Wenn die Saison (hoffentlich) weitergeht, dann ist der Verlegungsspielraum für die Hessenligen bis 1.5. völlig unrealistisch. Hier bräuchte man ähnlich wie unterhalb der HL noch mindestens zwei Wochen mehr. Hier ist die Bundesebene gefragt (Schnittstelle OL, Relegation wohl noch am ersten Maiwochenende geplant), der es hier an Flexibilität in dieser Lage mangelt!
Ich denke, das zeigt, dass die HTTV-Beschlusslage eher unglücklich ist. Wenn ich mit Sportler*innen anderer Sportarten über die Umgangsweise mit der Situation spreche, ernte ich zumeist Unverständnis für TT im Vergleich zu anderen Sportarten. Im Gegensatz dazu wurde der HTTV-Kurs zuvor sportartintern wie sportartextern als vorbildlich und sehr maßvoll erachtet. Der Beschluss vom 4.1. war vielleicht etwas überstürzt.
Das Vorgehen der anderen Hallensportarten wäre zielführender gewesen, die Spiele angesetzt zu lassen bei gleichzeitiger leichter Möglichkeit, Spiele nach hinten zu verlegen. So würde viel mehr stattfinden und die Chancen wären größer, dass nicht zum dritten Mal in Folge eine Saison abgebrochen werden muss.
Zu kritisieren ist die Umkehrung von "erstmal alles absagen und individuell stattfinden verhandeln" statt "erstmal angesetzt lassen und individuell barrierelos verschieben".
Ein Blick über den Tellerrand kann helfen, hier ein Artikel aus der FR zu anderen Hallensportarten:
https://www.fr.de/frankfurt/sport-in...-91269852.html. Und noch ein Artikel aus der FNP:
https://www.fnp.de/sport/regionalspo...-91253635.html
Diese Kommentierung erfolgt aus einer Perspektive seröser Hygienekonzepte und deren verbindlicher Umsetzung, Gesundheitsschutz mit 2-G-Plus-Standards, körperliches und mentales Wohlbefinden durch Sport und der Mitgliederbindung in Vereinen sowie der Stärkung des sozialen Kits für Individuum, Vereine und Gesellschaft!
Wir nehmen die Covid-Pandemie sehr ernst, befinden uns aber gerade in einer Pandemiephase mit hohen Ansteckungsraten bei milden Verläufen, in der die Auslastung von Intensivbetten und Normalbetten und somit die Belastung des Gesundheitssystems der Maßstab ist.
Deshalb ist es sinnvoll, individuelle Entscheidungen zu treffen. Die Frage ist eben, ob die Richtungsentscheidung lautet "Kopf in den Sand" oder "Wir versuchen was". Leider war es im hessischen TT ersteres, auch wenn das nicht unbedingt so beabsichtigt war.