Wladimir Putin hat tatsächlich Ernst gemacht. Der hat Eier aus Stahl. Toll finde ich das allerdings nicht.
Auf ntv kam eben als Breaking News: "Reuters meldet russische Militärkolonnen und Panzer in Donezk".
Putin ist auch der Meinung "Der Westen hat uns bei der Nato-Osterweiterung betrogen". Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Teilweise wird das eingeräumt, dass zumindest mündliche Zusagen gebrochen wurden, aber wenn man bei Google sucht, dann gibt es (von westlichen Medien) ein Dementi diesbezüglich. Die Wahrheit wird man wohl nie erfahren.
Das ist ein schwieriges Thema. Man erinnert sich vielleicht an die
Kubakrise 1962. Ich kann es natürlich irgendwie nachvollziehen, dass Russland die
Nato-Osterweiterung nicht akzeptieren kann. Früher gab es den Westen / die Nato und den Osten / den Warschauer Pakt. Zwischen Russland und dem Warschauer Pakt waren noch einige Länder als Puffer. Und als Russland der Wiedervereinigung von Deutschland zustimmte, war es ja klar, dass es nicht im Sinne von Russland ist, wenn die Nato weiter an die russische Grenze heran rückt.
Doch bereits 1999 darf man den Nato-Beitritt von Polen, Tschechien und Ungarn aus russischer Sicht als sehr kritisch betrachten.
Dass 2004 dann auch noch Bulgarien, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Estland, Lettland, Litauen der Nato beigetreten sind, spätestens da dürfte eine rote Linie für Russland überschritten worden sein.
Dass dann 2009 Kroatien und Albanien, 2017 Montenegro und 2020 Nordmazedonien zur Nato dazu kamen, das war wohl nach dem Hintergrund mit 1999 und 2004 nicht mehr sehr entscheidend.
Es nimmt aber kein Ende und man muss sich nur mal dabei anschauen, wie sich der Ton von Wladimir Putin in den letzten 20 Jahren verschärfte, der eine klare rote Linie gezogen hat. 2018 wurde beschlossen, Bosnien und Herzegowina als Beitrittskandidaten aufzunehmen. Und die Nato stufte auch Serbien als Beitrittskandidaten ein. Der Kosovo möchte unbedingt der Nato beitreten.
Schweden und Finnland waren seit dem 2. Weltkrieg neutral, haben sich aber immer mehr der Nato angenähert und es wird eine Nato-Mitgliedschaft der beiden Länder diskutiert, woraufhin Russland diesbezüglich mehrfach die beiden Länder gewarnt hat. Insbesondere Finnland ist natürlich Grenzgebiet zu Russland.
Endgültig ist aber alles am eskalieren, nachdem die Ukraine und Georgien unbedingt in die Nato wollen, was von der USA und den osteuropäischen Nato-Staaten unterstützt wird, während die westeuropäischen Nato-Staaten aus Rücksicht auf Russland Beitrittsverhandlungen abgelehnt haben. 2019 wurde das ganze zusätzlich befeuert, als das ukrainische Parlament in der Verfassung ihres Landes verankern ließen, dass die Ukraine ihre strategische Orientierung vollständig auf den Beitritt zur Nato und zur Europäischen Union ausrichtet.
Wenn man die Landkarte betrachtet, dann dürfte klar sein, warum Wladimir Putin und Russland im Hinblick auf die Ukraine null Toleranz zeigen:
Natürlich nicht nur die Ukraine, sondern auch Georgien (beide in der Karte grün markiert).
Zwischen Nato-Mitglied Polen und Russland ist nur noch Weißrussland als Puffer. Die rote Linie wurde mit den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen deutlich überschritten. Finnland ist ein No-Go und die Ukraine natürlich sowieso.
Ich denke eigentlich sollte ja Russland und Putin klar sein, dass denen im 21. Jahrhundert niemand aus Europa was böses will und jeder an Weltfrieden interessiert ist. Aber es ist auch klar, dass Russland es nicht akzeptieren kann, dass die Nato von allen Seiten an Russlands Grenzen ran rückt und Nato-Militär in unmittelbarer Nähe zu Russland in den verschiedenen Nato-Staaten stationiert wird.
Und wenn man dann noch bedenkt, dass Russland schon einmal in der Geschichte verraten wurde und vor gerade einmal 81 Jahren von Hitler-Deutschland überfallen wurde, kann man das Misstrauen verstehen. Anfang der 90-er Jahre wurde Russland aus deren Sicht hinsichtlich der Nato-Osterweiterung vom Westen versprochen "keinen Zentimeter nach Osten!"
Diese Zusagen gab es wohl schon in irgendeiner Form, aber vielleicht etwas zu schwammig formuliert und offensichtlich will der Westen von derartigen Zusagen nichts wissen und die Nato-Osterweiterung ist in einem Ausmaß geschehen, die von Russland nicht nur jetzt, sondern seit den 90-er Jahren nie akzeptiert wurde und wie oben bereits gesagt auch von Putin seit 20 Jahren angeprangert wird. Nur wollte ihn niemand hören. Jetzt hört ihn jeder.
Was daraus entstehen wird, ist nicht absehbar. Die USA und die Nato werden sich hüten, in der Ukraine militärisch einzugreifen, denn dadurch hätten wir einen 3. Weltkrieg, der heutzutage ein Atomkrieg wäre.
Das bedeutet aber dann auch, dass Russland sein Gebiet in der Ukraine ausdehnen und festigen wird und nicht aufhören wird, bis es in Kiew eine pro-russische Regierung gibt, so wie es in Weißrussland der Fall ist. Die Ukraine wird das entweder über sich ergehen lassen müssen oder sie werden von Russland überrannt werden.
Militärisch hat die Ukraine keine Chance gegen Russland. Russland hätte innerhalb von wenigen Tagen die Lufthoheit und kann dann vom Land aus und von der See aus nach Belieben agieren.
Spätestens jetzt ist jedem klar, dass Wladimir Putin nicht nur mit dem Säbel gerasselt hat, sondern der Typ knallhart ist, Ernst macht und weder durch Drohungen durch die USA, noch der anderen Nato-Staaten einen Rückzieher macht, obwohl er weiß, dass es gegen Russland massive Sanktionen geben wird.
Der Westen ist jetzt schon eingeknickt, nachdem sie Sanktionen erst einmal nur gegen die sich unabhängig gemachten Teilstaaten angekündigt haben, aber nicht gegen Russland. Das ist lächerlich und zeigt, dass sie keine Eier haben.
Man träumt davon, dass das Verhalten von Putin dafür sorgen wird, dass die Nato und in diesem Zug auch Europa und die EU wieder enger zusammen rücken wird und geeinter sein wird, aber in Wahrheit wird Putin damit schonungslos aufdecken, dass es da gar keine Einigung gibt und während Länder wie Polen, Serbien, Ungarn sich eher der EU entfernen, dass auch die anderen Länder nicht aufeinander zählen können.
In diesem Zusammenhang werden auch die USA, Frankreich und Großbritannien feststellen, dass sie militärisch auch niemals auf Deutschland zählen können. Von Deutschland wird man immer nur Unterstützung durch Aufklärung und medizinische Versorgung erwarten können, aber Deutschland wird niemals Schulter an Schulter mit den militärischen Führungsmächten aktiv kämpfen werden. Ich muss zugeben, dass ich darüber froh bin, aber dass damit dann auch klar ist, dass dies auch Konsequenzen für Deutschland haben wird, denn dann darf man auch nicht mehr darauf hoffen, dass die anderen Länder ihren Arsch für Deutschland riskieren.