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AW: Russland - Ukraine - NATO Konflikt
Ich sehe auch im Ukraine-Konflikt (den Krieg) die Erklärungen von allen Seiten etwas problematisch.
Den Krieg grundsätzlich muss man verurteilen und nicht nur den Krieg in den letzten 8 Tagen.
Das hier ist keine Relativierung des "Putins-Einmarsch" in die Ukraine. Mehr so was wie eine Chronologie der Ereignisse mit Zwischenfragen.
1) Ukraine hatte einen prorussischen Präsidenten
2) für die Russen war er natürlich nützlich, für den Westen aber nicht. Für die Ukrainer teils teils
3) als es klar wurde, dass der Janukowitsch den Westen und NATO in der Ukraine keine Perspektive geben wird, kam es zum Putsch 2013/14
4) Dieser wurde von Amerika und EU organisiert und finanziell unterstützt
5) die neue Regierung mit dem Oligarchen P. Poroschenko war also prowestlich
6) das bedeutete, Russland wurde zum Verlierer (wirtschaftlich und militärisch) und die Russischstämige-Bevölkerung in der Ostukraine hätte nicht viel in Kiew zu sagen
7) der erste Schritt von Putin wurde dann die russische Annexion von Krim (im Mai 1954, der Parteichef der gesamtsowjetischen KPdSU Nikita Chruschtschow, der selbst aus der Ukraine stammte, hatte dafür gesorgt, dass die Krim, zuvor seit 170 Jahren Teil Russlands, ab sofort zur ukrainischen Sowjetrepublik gehörte)
8) dann entflammte 8-jähriger Krieg zwischen prowestlicher Westukraine und ukrainischen Ostgebieten in Dombass
9) für den Westen war es in Ordnung, da alle politischen Entscheidungen in Kiew getroffen wurden
10) als der Putin eine Zusicherung vom NATO wollte, dass die Ukraine kein Mitglied des Westbündnisses wird - sagte man ihn: "die Tür der NATO ist offen und bleibt offen" (also auch für die Ukraine)
11) das bedeutete: Ukraine konnte nicht mehr politisch/militärisch neutral bleiben (allerdings wird sie jetzt so oder so nicht mehr neutral bleiben)
12) ich weiß es nicht, ob der Putin in die Ukraine nicht einmarschieren würde, hätte der NATO klar gesagt, dass die Ukraine kein NATO-Mitglied wird. Aber anscheinend wollte man es auch nicht ausschließen, dass die Ukraine NATO-Mitglied wird
13) ich glaube aber auch nicht, dass er sich spontan entschieden hat, die Ukraine anzugreifen (ich denke, er hat sich schon lange darauf eingestellt und vorbereitet, wenn sich die Situation in der Richtung entwickelt)
14) so ist der 8-jährige Bürgerkrieg in den großen Krieg übergangen (ohne, dass man sich viel diplomatischer Mühe gegeben hat, die Situation vorher zu klären/lösen)
15) was wäre wenn der Putin jetzt den Einmarsch einstellen würde? Er wäre wahrscheinlich zum großen geächteten Verlierer und das Russland auch
16) der Westen und Amerikaner gehen langsam die Mitteln aus, ihn umzustimmen bzw. erpressen
17) man wird den Putin als Verlierer nicht mögen und man wird den Putin als Sieger auch nicht mögen. Nur als Sieger hätte er es leichter dem russischen Volk und seinen Verbündeten zu erklären. Seine Position dort wäre also eine andere
18) so hat der Putin eine Chance die Regierung in der Ukraine gegen einer prorussischen Regierung auszutauschen und auch Militärbasen in Dombass zu bauen. Dadurch wäre Ukraine eine prorussische Pufferzone zw. Westen und Russland (aber offiziell noch "unabhängig")
19) ein langjähriger Krieg wäre sehr blutig für das ukrainische Volk, die EU hätte Unmenge am Geld und Investitionen verloren und das Russland wäre damit trotzdem ein Sieger trotz der vielen Opfer unter den Soldaten (politisch, wirtschaftlich und militärisch)
20) die Konsequenz ist so oder so - ein neuer Kalter Krieg in nächsten Jahrzehnten
Ist die Ukraine für den Westen wirtschaftlich so wichtig, dass man alles mögliches getan hat, sie auf die westliche Seite zu gewinnen und sie so von der Seite abhängig zu machen?
Ist die Ukraine für die NATO so entscheidend, dass die NATO sie unbedingt bei sich im Bündnis haben wollte? Wofür?
Für Russland, bzw. für Putin scheint sie von einem enormen Interesse zu sein, sonst hätte er den Einmarsch nicht befohlen.
Und die Ukraine? Ich glaube für sie steht in diesem Moment auf der ersten Stelle - der Frieden. Der Krieg ist nur schrecklich...
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