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AW: Politik - der Thread für politisch Interessierte (ab Dezember 2021)
@Jimih:
Ich sehe das Kernproblem darin, dass Deutschland mit der Euroeinführung und späterer, faktischer Vergemeinschaftung der Schulden durch die EZB, in eine wirtschaftliche Zwickmühle geraten ist. Dazu kommt die Freizügigkeit in der EU und ein Kokurrieren völlig unterschiedlicher Systeme.
Man kann nicht mit Rumänien bei den Lohnkosten konkurrieren, genausowenig wie mit Luxemburg oder Irland bei den Steuersätzen. Auch kann man nicht mit Italien eine Währung teilen, bei völlig differenzierendem finanzpolitischen Ansatz.
Dazu kommen europaweit massive Steuerdefizite durch geschickte Steuervermeidung der Großindustrie und schwache Gewerkschaften durch latente Androhung der Betriebsverlagerung.
Das ging Jahre noch halbwegs gut, als das gedruckte Geld "nur" eine massive Assetinflation verursachte und durch immer billigere Lieferketten abgefedert wurde.
Nun bricht das Kartenhaus zusammen, alle Punkte latenter Gefahren realisieren sich aktuell gleichzeitig. Ergebnis ist, dass das Delta zwischen Preis-/Lohnsteigerung höher als jemals zuvor in der Geschichte der BRD ist. Die reine Inflation wäre ja, wie in den 70ern, gar kein Problem, wenn Zinsen und Löhne entsprechend mit steigen würden. Damals hat man die DM binnen 10 Jahren um ca. 60% gegenüber Dollar und Pfund aufgewertet, USA und GB hatten eine Rezession und Verarmung, die sich gewaschen hat und von denen sich weite Landstriche dort abseits der Metropolen bis heute nicht erholt haben.
Der deutsche Staat hat aktuell drei Möglichkeiten aus der Misere rauszukommen:
-massive Steuererhöhungen. Geht nicht, damit würde man die Kaufkraft und Wirtschaft völlig abwürgen.
-Lastenausgleich zur Schuldentilgung für sehr große Vermögen. Geht auch nicht, die wären Morgen weg aus dem Land
-Entschuldung durch Inflation.
Einer vieten Möglichkeit, massive Zinserhöhung und Währungsaufwertung, hat man sich mit der Euroeinführung entzogen.
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