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AW: Trainingsflaute im Verein
Ich denke, hier sollte erstmal zwischen einem strukturellen bzw. permanenten Problem und einem zeitweiligen unterschieden werden.
Ein gewisser Rückgang nach der Saison dürfte bei fast allen Vereinen stattfinden. Finde ich auch durchaus verständlich (andere Sommeraktivitäten, Urlaub, mangelnde Motivation,...).
Ist es zu anderen Zeiten im Jahr jedoch so, dass einige SpielerInnen nicht in der Art und Weise trainieren können wie sie es gerne möchten wird es schwierig. Auch wenn das eigene Bedürfnis nach Training und Wettkämpfen individuell sein dürfte, fühlt sich z.B. der Threadersteller damit unwohl.
Für die klassische Sommerflaute wurden ja schon Lösungen aufgezeigt (zeitlich begrenzte Trainingsgemeinschaften verschiedener motivierter SpielerInnen; Turniere). Bis zu einem gewissen Grad muss man da durch.
Woran liegt es nun, wenn dieser Zustand dauerhaft vorkommt?
Für die, die nicht beim Training erscheinen, sind andere Dinge wichtiger. Dies können objektiv gut nachvollziehbare Gründe sein (Job, Familie, Gesundheit,...) oder auch sehr subjektive (andere Hobbies, eine gewisse Trägheit,...). Grundsätzlich sollte jedeR immer aufpassen, andere Sichtweisen zu verstehen und sich auch mal in die andere Perspektive hineinzuversetzen. Die eine Sichtweise ist dabei nicht zwingend besser oder richtiger und jedeR muss den eigenen Weg finden. Und eine Pflicht für Leute, die in ihrem Leben offensichtlich gerade andere Prioritäten setzen, dürfte tatsächlich eher abschrecken.
Dennoch kann ein Verein mit Sicherheit einiges tun, um genau die Mitglieder, die selten oder gar nicht trainieren besser abzuholen:
1. den IST-Zustand erfassen, also ruhig mal eine Weile aufschreiben, wer eigentlich wann und wie trainiert; ggf. mit den Leuten sprechen, die sich "hängen lassen"
2. analysieren, wohin man als Verein möchte und was man dafür bereit ist, zu tun
Konkretes Beispiel aus meinem Verein: etwa 70 erwachsene Mitglieder und etwa 10 Kinder/Jugendliche, die schon bei den Erwachsenen mitmachen. Eine Halle für maximal 11 Tische, 7 Teams (5 wochentags, 2 samstags), 3 Trainingstage mit insgesamt 9 Stunden Training pro Woche. Von den 80 potenziellen Teilnehmenden kommen seit Monaten etwa 30 gar nicht zum Training (okay ein paar Karteileichen sind dabei), ungefähr 10-15 nur sehr sporadisch und eigentlich auch nur während der Saison. Bleiben also 35-40 Leute, die mal mehr mal weniger regelmäßig kommen, also etwa die Hälfte. Dennoch ist die Halle auch im Sommer gut gefüllt und eigentlich findet man immer passende Spielpartner. Ab 25 Mitgliedern wirkt es bereits so voll, dass Wartezeiten auftreten.
Wir sind daher grundsätzlich zufrieden und müssten bei steigender Trainingsbeteiligung ernsthaft ein Kapazitätsproblem angehen.
3. passende Maßnahmen finden, um die unterschiedlichen Zielgruppen abzuholen
kurzes Brainstorming dazu:
- angeleitetes Training für die Motivierten
- zeitgleiche Kinderbetreuung, damit die Eltern teilnehmen können (macht unser Verein mit großem Erfolg in anderen Kursen)
- TT als Gesundheitssport (ggf. sogar mit Zertifikat und Förderung) für die Alten oder Kranken
- bei eigener Halle andere Zeiten (morgens oder auch ein Afterwork-Angebot bis in den späten Abend)
- Verbindung mit anderen Angeboten (regelmäßige Skat-, Darts-, Billardrunde nach dem Training)
- Firmencup für die Berufstätigen
- TT als Breitensport, also ohne Wettkämpfe
Das kann sicher noch deutlich erweitert werden und jede Maßnahme muss natürlich für den Verein, seine Ausgangsposition, die Mittel usw. passen.
4. diese umsetzen und, bei Gelingen, dauerhaft etablieren
Jeder Verein muss seinen eigenen Weg finden. Dabei halte ich ein "weiter so" durchaus für akzeptabel. In Konsequenz sind das dann eher die Vereine, die stehen bleiben und langfristig kaum eine Zukunft haben. Aber warum nicht miteinander alt werden, wenn man sich wohl fühlt. Um jedoch etwas zu verändern muss man generell aus diesem Schema "das haben wir doch immer schon so gemacht" ausbrechen.
Eines haben alle Veränderung jedoch gemein:
Sie brauchen Engagement, Manpower und kosten meistens auch Geld. Egal für was man sich entscheidet, hängt es an motivierten Leuten, die dies umsetzen und auch für eine lange Zeit dabeibleiben.
Für den Threadersteller wurden persönliche Lösungen bereits durch andere dargestellt. Vielleicht kannst du ja aus meinem Beitrag auch etwas mitnehmen und in deinem Verein strukturell etwas verändern. Einiges an Zeit, Kraft und auch ein dickes Fell musst du aber mitbringen.
Der "leichte" Weg eines Vereinswechsels steht dir selbstverständlich offen und ist auch akzeptabel. Ich möchte allerdings einwerfen, dass das Gras auf der anderen Seite immer grüner scheint und am Ende gibt es in jedem Verein Baustellen, die man als Neuling oftmals erstmal nicht mitkriegt.
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