Jens, ich glaube, wir sind uns gar nicht so uneinig. Jeder Bilanz könnte man, wenn man sich viele kluge Gedanken macht, ein Spielstärkeintervall zuweisen.
Sicher gibt es ganz viele verschiedene Stärken, die z.B. in der Verbandsliga oben 0:x spielen oder in der 3. Kreisklasse unten x:0 zu spielen. Es ist also nicht möglich, einer jeden Bilanz eine genaue Spielstärke gerecht zuzuweisen.
Die Spielstärkeintervalle sind natürlicherweise umso größer, umso weniger Spiele ein Spieler bestritten hat.
Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Intervalle zu einer einzigen Punktzahl zu transformieren (wie gesagt, absolute Gerechtigkeit kann es dabei nicht geben).
Ich halte es dabei für die beste Lösung, den unteren Rand des Intervalls herzunehmen und als "nachgewiesene Spielstärke" zu interpretieren, auch wenn die Gefahr besteht, Spieler deutlich unter ihren wahren Spielstärke einzustufen.
Wie bereits in anderen Beiträgen erwähnt, soll in Düren die Berücksichtigung der Vorjahreswerte diesen Effekt abmildern.
Für ungeeigneter würde ich es halten, wenn ein sehr schwacher Spieler eine recht hohe Punktzahl erhält, nur weil er seine Niederlagen in hohen Klassen einstecken musste bzw. durfte.
(Das alte Aachener System hatte den Nachteil, dass Niederlagen in höheren Klassen Pluspunkte brachten, was sicher nicht sinnvoll ist)
Man beachte auch Folgendes: Ein Spieler, der gar nicht gespielt hat, kann theoretisch seinen "gerechten" Platz überall auf der Werteskala haben. Sind wir uns einig, dass es wenig Sinn macht diesem Spieler eine LPZ ungleich 0 zuzuteilen? OK, man könnte auch den Median (oder Mittelwert) aller Punktzahlen hernehmen; das würde dann Deinem Ansatz "Siege sind ebenso zu bewerten wie Niederlagen" entsprechen, würde aber dazu führen, dass meine Oma vor einem Großteil der TT-Spieler geführt würde.
Natürlich kann man einschränkend sagen, dass nicht-spielende Spieler ja keine LPZ brauchen, aber es geht ja um das prinzipielle Problem. So stelle ich mir z.B. den nicht mehr aktiven Präsidenten eines Bundesligavereins vor, der sich als Ersatzspieler für einen Ball an die Platte stellt, damit die Mannschaft komplett angetreten ist.
Nach Deiner Überlegung dürfte er vom Startwert (Mittelwert o.ä.) nur minimal zurückfallen, da er ja gegen einen sehr starken Spieler verloren hat - das halte ich für sehr problematisch.
Ein faires Bewertungssystem, was Sieg und Niederlage gleichermaßen bewertet, also in dieser Hinsicht symmetrisch ist, kann die Leistung meiner Meinung nach nicht in einer einzigen Punktzahl, sondern höchstens in einem Intervall angeben.
Daher halte ich es für angemessen, dem Spieler quasi die Verpflichtung zu geben, seine Spielstärke nachzuweisen (was beinhaltet, dass er ausreichend Spiele bestreitet und zwar auf einer Ebene, auf der er gewinnen kann), wenn man für seine Leistung eine feste Punktzahl angeben möchte.
Interessant finde ich noch folgenden Vergleich zwischen dem Aachen/Dürener und dem Kieler System.
Während in Kiel gleiche Bilanzunterschiede in verschiedenen Klassen zur gleichen Differenz in der Punktzahl führen, führen sie in AC/DN zum gleichem Quotienten in der LPZ.
Also, in Aachen und Düren ist ein 600-Punkte-Spieler einem 500er ebenso überlegen wie ein 60er dem 50er, während in Kiel 600:590 den gleichen Unterschied wie 60:50 bedeuten würde.
Um ungefähr vergleichbare Werte hinzubekommen, müsste man also die AC/DN-Werte logarithmieren (hier spricht der Mathematiker

)