Zitat:
Zitat von Glücksball
@Noppe: Du gehst überhaupt nicht auf die Argumente des Artikels ein. Daher lohnt es sich für mich nicht, weiter auf Deinen Beitrag einzugehen.
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Der Mann macht einen entscheidenden Gedankenfehler. Die USA haben nahezu alle Auslandsschulden in Dollar und könnten theoretisch soviele drucken wie sie wollen. Außerdem ist der Zinsspread zwischen Fed und EZB eingepreist.
Er vergleicht also Äpfel mit Birnen. Der Euro ist einfach nur noch schlechter als der Dollar, so wie das Pfund in dem 70ern noch schlechter war. Wenn schon, dann muss man beide Währungen auf eine Seite stellen und auf die andere den Franken. Und da muss man die Langfristentwicklung nehmen und nicht die kurzfristige.
Und dann kommst du auch auf meine Logik und Argumentation.
High Quality Staat (Schweiz) vs. USA und Eurozone, die dieselben Fehler begehen. Nur dass der Dollar aufgrund seiner Marktmacht weniger abgestraft wird als damals das Pfund und heute der Euro.
Die Entwicklung wäre übrigens ohne die massive Intervention der Schweizer Zentralbank schon länger noch stärker nur lassen sie es aktuell halt laufen, um die eigene Bevölkerung zu schützen. Genauso hätte eine DM schon seit 2008 stetig aufgewertet. Vor der Eurokrise sagte man schon, dass der Euro pi mal Daumen 20% zu niedrig für Deutschland ist, aktuell wären es wohl eher 50% oder noch mehr.
Dazu ein paar Zahlen:
Um 1970 standen Dollar und Pfund etwa 4:1 und 12:1 zur DM. Die Soldaten waren so "reich", dass man mal eben mit dem Taxi nach Amsterdam fuhr, alle haben sich an den GIs und Tommys ne goldene Nase verdient.
Bis in die 1980er wertete der Dollar auf 1,6:1 und das Pfund auf etwa 3:1 gegen die DM ab. Der Dollar verlor 60%, das Pfubd 75% an Wert. Die Solaten mussten ihren Lebensstandard in Deutschland massivst einschränken.
Ein aktuelles Beispiel für Franken/Euro:
Lidl ist in beiden Ländern und zahlt(e) ähnliche Gehälter.
Ehemals Marktleiter 9.000 DM/8.000 Franken. Das war damals kaufkraftbereinigt (die unterschiedlich hohen Steuern und Abgaben von 50% in D, 25% SUI lasse ich mal raus) etwa identisch.
Heute liegt das etwa bei 6.000 Euro vs. 11.000 Franken. Prozentual hat sich gar nicht viel verändert, die mittlerweile deutlich höhere Kaufkraft resultiert ausschließlich aus dem Wertverlust des Euro. Nach heutigem Wechselkurs wären das aktuell in DM umgerechnet. 12.000 DM vs. 21.000 DM.
Es nivelliert sich zwar etwas durch die hohen innerschweizerischen Preise, allerdings gleicht es sich durch Importe/Urlaub und die deutlich niedrigeren Abgaben wieder aus.
Übrigens auch ein Phänomen, dass den 70ern gleicht, als die USA und vor allem England (legendär damals die Wohnsitzverlegung der Stones aufgrund von 100% Steuern ab 1 Mio Einkommen) extrem hohe Steuern und Abgaben hatten, die erst Reagan und Thatcher massivst cutteten, Deutschland aber eine weit niedrigere Progression als heute hatte.
In den 1960ern begann in Deutschland der Soitzensteuersatz von hohen 56% erst beim 16fachen des Durchschnittseinkommens, heute beim 1,5fachen. Auch die Sozialabgaben waren niedriger bei höherer Leistung. Auch hier gleicht sich die Geschichte, da der Angelsächsische Raum unter Thatcher und Reagan massiv Leistungen kürzte, Deutschland baute sie aus.
Der Spiegelanalyst mag also, wenn man seine Gründe anführt, finanzmathematisch durchaus Recht haben, nur argumentiert er mMn. aus einer völlig falschen Berechnungsgrundlage heraus. Seine Gründe sind mMn. nicht ursächlich sondern nur symptomatisch.