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Alt 16.07.2022, 22:37
Glücksball Glücksball ist offline
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AW: Politik - der Thread für politisch Interessierte (ab Dezember 2021)

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Der Mann macht einen entscheidenden Gedankenfehler. Die USA haben nahezu alle Auslandsschulden in Dollar und könnten theoretisch soviele drucken wie sie wollen. Außerdem ist der Zinsspread zwischen Fed und EZB eingepreist.
Es gibt drei wesentliche Faktoren, die die Wechselkurse zwischen Währungen beeinflussen: Staatsverschuldung, Inflation und Zinsniveau.
Wie im Artikel angeführt sind die USA bei den Themen Staatsverschuldung und Inflation eigentlich schwächer als der Euro-Raum. Nur das Zinsniveau führt dazu, dass Investoren trotzdem eher in den Dollar gehen und sorgt damit für den paradoxen Effekt, dass die Währung mit dem Außenhandelsdefizit sogar noch aufgewertet wird.

Es stimmt zwar, dass der Dollar als Weltreservewährung einen Sonderstatus hat, aber "beliebig drucken" wird irgendwann auch problematisch. Warum, meinst Du, ist fast die Hälfte der US-Politiker (die Republikaner) für Ausgabendeckelung und Rückführung der Schulden? Gerade die wären doch wohl - im Sinne von "America first" - für eine "beliebige" Neuverschuldung, wenn es keine Nachteile hätte.

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Er vergleicht also Äpfel mit Birnen. Der Euro ist einfach nur noch schlechter als der Dollar, so wie das Pfund in dem 70ern noch schlechter war. Wenn schon, dann muss man beide Währungen auf eine Seite stellen und auf die andere den Franken. Und da muss man die Langfristentwicklung nehmen und nicht die kurzfristige.
Wechselkurse reagieren auf kurzfristige Entwicklungen. Argumente bringst Du auch nicht ("einfach nur noch schlechter" ). Siehe oben, bei Verschuldung und Inflationsrate sah der Euroraum sogar besser aus.

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
(Allgemeine Argumente für eine harte Währung.)
Das will ich gar nicht völlig in Abrede stellen. Es gibt viele Vorteile einer Hartwährung. Die Nachteile sind aber eben auch nicht nur theoretisch. Warum hat denn die Schweiz so lange interveniert, um den Franken zu schwächen? Weil bei einer zu harten Währung langsam aber sicher die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Industrie verloren geht. Und das nicht nur in Bezug auf Exporte, sondern auch für den inländischen Absatz. Isolieren kann man sich nicht, also kauft irgendwann keiner mehr Schweizer Produktion, wenn Importe besser und billiger sind. Das mit dem Luxus/Qualitäts-Segment geht nicht überall, und selbst da, wo es geht, geht es preislich nicht unendlich weit.

tl;dr:
Man darf es mit dem Anpreisen der Vorteile der Hartwährung auch nicht übertreiben. Die Philosophie hat Grenzen.
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Vielen Dank und tut mir ehrlich leid ...
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