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Zitat von JanMove
Du schreibst von gerechter Geldverteilung und Noppenzar von Lebensstandard. Das sind doch zwei völlig unterschiedliche Dinge. Der Lebensstandard wird wohl durch so etwas definiert wie es dem Durchschnittsbürger eines Landes geht, d. h., der Mittel- und Unterschicht.
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Jein. Noppenzar hat je gerade auch darauf abgehoben, dass unsere durch einen zu weichen Euro befeuerte Exportwirtschaft für eine besondere Anhäufung des Reichtums bei den oberen 0,1% führt. Da ist die Frage schon erlaubt, warum sie das in Frankreich bei gleicher Währung nicht so sehr tut, und da kommen auch starke Gewerkschaften und staatliche Eingriffe ins Spiel.
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Zitat von JanMove
Da spielt es dann keine Rolle wie viel mal mehr die paar Prozent der Reichen und Superreichen besitzt. Mag sein, dass das Geld vielleicht in Frankreich gerechter verteilt ist. Das ganze findet dann halt auf einem wesentlich tieferen Niveau statt.
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Als nächstes fängst Du mit "trickle down" und Reagonomics an?

Im Vergleich mit der Schweiz ist das Niveau schon niedriger. Aber was sagt das in Bezug auf die Währung aus? War Deutschland mit DM unter Kohl, bekannt als "der kranke Mann Europas", etwa besser im Vergleich mit der Schweiz? Es ist allerdings schwer, das auseinander zu dividieren, kamen doch mit dem Euro auch Schröders Sozial- und Arbeitsmarktreformen, die uns einen riesigen Niedriglohnsektor eingebrockt haben. Je nach Definition von Wohlstand einer Nation hatte letzteres (staatliche Eingriffe) dann ggf. die weit stärkere Wirkung als der Wechsel zu einer weicheren Währung.
Gute Zahlen zum Wohlstand unterschiedlicher Nationen nach einem Schichtenmodell finde ich auf die Schnelle nicht. Hast Du da etwas? Auch sind die Beispiel von harten Währungen sehr überschaubar. Die Währungen der großen Wirtschaftsnationen zählen da allesamt nicht dazu.
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Zitat von JanMove
Zur Frage der Härte der Währung. Wie hart darf die Währung denn sein, ab der dann die Wirtschaft in die Knie geht? Offenbar ist das in der Schweiz noch nicht der Fall. Momentan geht es der Wirtschaft hier i. A. ausgezeichnet und beispielsweise unsere Firma boomt regelrecht. Man sagt, dass die schweizerische Nationalbank eingreifen wird, wenn der Euro so in den Bereich von 95 Rp. kommen wird. Das Argument der Billigimporte ist auch nicht sehr zwingend. Wenn man hier die Wahl hat zwischen einem teureren Inlandsprodukt und einem Billigimport, dann kaufen viele hier das qualitativ bessere Produkt und nicht das billigere. In den seltensten Fällen wird der Billigimport eine ähnliche Qualität aufweisen. Dieses billig Einkaufen scheint schon irgendwie in der deutschen Mentalität verankert zu sein und lässt sich so nicht verallgemeinern. Natürlich hängt es auch davon ab, ob die Durchschnittsbevölkerung sich das leisten kann,was wiederum am Lebensstandard hängt. In der Schweiz ist das für viele eben kein Problem, während es in Deutschland für viele immer problematischer wird.
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Hier verargumentierst Du sehr den Schweizer Fall. Speziell um die Schweiz ging es mir aber doch gar nicht. Dass allgemein billige Importe irgendwann zum Problem werden, bei einer immer härter werdenden Währung, sollte doch wohl unbestritten sein? Natürlich ist die Grenze bei einer ärmeren Nation schneller erreicht, aber geben tut es sie sicherlich immer.
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Zitat von JanMove
Umgekehrt schätzt man im Ausland die normalerweise sehr hohe Qualität der schweizerischen Proudkte, auch wenn sie dann bei einem hohen Kurs etwas mehr Kosten. Die ausländische Stammkundschaft wird kaum den Verkäufer wechseln, wenn sie mit dem Produkt zufrieden ist nur weil der Kurs schlechter geworden ist. Klar wird es da eine Schmerzgrenze geben, abe die dürfte eben dann relativ hoch liegen.
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Eben, die Grenze gibt es. Sie mag in der Schweiz - Glückwunsch zum Wohlstand - sehr hoch liegen, in anderen Ländern dürfte das deutlich anders aussehen.
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Zitat von JanMove
Den Zusammenhang von Eingriffen wie den der Gewerkschaften sehe ich so auch nicht. Du hast in kaum einem anderen Land grössere und stärkere Gewerkschaften als in Deutschland sowie einen extrem guten Arbeitnehmerschutz. Und was hilft dies dem Durchschnittsbürger bzgl. Lebensstandard. So gut wie gar nichts.
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Die DGB-Gewerkschaften setzen seit Jahrzehnten auf ein kooperatives Modell, was Unternehmern und Aktionären den Löwenanteil der Mehrwerts lässt. Groß und stark mögen sie im Prinzip sein, sie nutzen es nur kaum im Sinne der Arbeitnehmer. Die Verteilungsspielräume sind eigentlich viel größer. Siehe Lohnquote.
Im Unterschied dazu sind die französischen Gewerkschaften wesentlich "renitenter", was trotz einer insgesamt schwächeren französischen Wirtschaft (was wiederum viele Faktoren hat) ein ansehnliches Lohnniveau für die Arbeitnehmer erzielt hat.
Und beide Länder haben ja nun die gleiche Währung. Das ist also nicht der entscheidende Unterschied.
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Zitat von JanMove
In der Schweiz gibt es zwar Gewerkschaften, die haben aber nur einen relativ bescheidenen ich würde fast sagen marginalen Einfluss, und der Arbeitnehmerschutz ist hier auch deutlich weniger gut als in Deutschland, also mehr so in Richtung amerikanisch nach dem Prinzip "hire and fire". Für die Wirtschaft und wahrscheinlich auch die Bevölkerung ist das vermutlich sogar eher föderlich. Also wo ist Dein Punkt?
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Eine Frage der Kausalität. Was war zuerst da, die schwachen Gewerkschaften oder der hohe Wohlstand? Man könnte auch sagen, nachdem die Schweiz durch den zweiten Weltkrieg weit weniger Schaden genommen hat als die übrigen europäischen Staaten, wurde da auf einem ganz anderen Niveau neu gestartet. Was brauchen die Menschen starke Gewerkschaften, wenn es sowieso läuft. Das ist in D auch ganz gut zu beobachten, in Branchen mit hoher durchschnittlicher Bezahlung (z.B. Software-Entwicklung). Da ist das gewerkschaftliche Engagement minimal.
Ich denke, Du siehst das etwas zu sehr durch die Schweizer Brille. Die Schweiz ist ein kleines Land und ein echter Spezialfall in Europa.