Zitat:
Zitat von Noppenzar
Und sag du mir als Leichathletikexperte:
Was motiviert eine Lückenkemper in die USA zu gehen? Die Frau ist Mitte 20, wird topgefördert, macht sicher auch hier den ganzen Tag nichts außer Training, Essen und Schlafen und ist vom Alter her sicher schon am natürlichen Limit. Und auch in den USA ist die Tartanbahn 400m lang und rund und das Wasser im Schwimmbecken auch flüssig...
|
Meines Wissens ist Gina Lückenkemper wegens des Trainers und der Trainingsgruppe in die USA gegangen.
Um die Beschleuinigung und die Maximalgeschwindigkeit zu verbessern, muss man bei Sprints immer an die Grenze gehen. Bei gleichstarken Trainingspartnern pus(c)ht man sich gegenseitig hoch. Allerdings hat ihr Ausflug in die USA ihr nicht viel gebracht. Ihre Bestleistung war vorher 10,95, jetzt ist ihre Sasionbestleistung 10,99. Zwischenzeitlich hatte sie auch Muskelprobleme (Muskelfaserriss).
Irgendwann hatte sie auch an Muskelmasse (in den Beinen) zugelegt; da wirkte sie aber ziemlich träge. Muskeln wiegen auch etwas und müssen beschleunigt werden. Die aufgebauten Muskeln sollten auch etwas zur (Horizontal-)geschwindigkeit beitragen.
Die Trainer in Jamaika waren in der Vergangenheit allerdings unseren Trainern etwas voraus. Alte Videos von Usain Bolt und Co. zeigen ihn öfters mit Zugwiderstand (Schlitten ziehen), während hier noch Zugwiderstandstraining (teilweise) verpönt war. Auch Hüftstreck- und Hüftbeugerübungen waren bei uns m. W. "unbekannt".
Auch von der Lauftechnik hinkten "wir" hinterher. Unsere Wissenschaftler hatten irgendwann herausgefunden, dass die Weltklasse den Fuß näher am Körperschwerpunkt aufsetzt als unsere Sprinter.
Es gibt auch wissenschaftliche Arbeiten darüber, von welchen Faktoren die Maximalgeschwindigkeit im Sprint abhängt: Z. B. von der Kraft, die vom Fuß/Bein beim Aufsetzen des Fußes erzeugt wird (mal umgangssprachlich ausgedrückt). Aus diesem Wissen kann man entsprechende Kraftübungen entwickeln.
Früher hat man z.B. tiefe Kniebeugen gemacht, die bringen aber nur bis zur 60m was. Außerdem kommen die Winkel bei der tiefen Kniebeuge im Sprint gar nicht vor (in der Startposition immerhin mindestens 90 Grad).
Wie auch immer, im Augenblick schaue ich mir lieber TT- und Schach-Videos (abgesehen von der LA-WM) an.