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Zitat von Zigeuner
Ist das jetzt die Antwort der Ehefrau?
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Die Frage hatte ich mir spontan auch gestellt.
Wegen der ganzen persönlichen Vorlieben usw.:
Ist ja völlig ok, dass man das und das gut findet und andere Dinge eher nicht.
Müsste ich bspw. vs. Harimoto spielen, müsste ich mich auch erstmal akklimatisieren.

Das ist schon echt heftig, was der Junge da verbal so abfackelt.
Hab' mal vor einigen Jahren vs. einen Jugendlichen gespielt, der das ähnlich gemacht hat. Habe dann reagiert wie ein kleiner, dummer Junge und das übernommen. Im Ergebnis war ich der Unterlegene, weil ich den Focus auf mein eigenes Spiel verloren hatte. Ich war nur noch mit ihm beschäftigt. Er war also sozusagen in meinem Kopf.
Und genau darum geht es im heutigen Sport, wenn es gegen einen direkten Gegner geht:
Du musst, natürlich im Rahmen des Erlaubten, in seinen Kopf kommen.
Dann ist's, gerade auch für Zuschauer, eine interessante Angelegenheit. Dann guckt ein Großteil der potent. Interessierten gern' zu, weil's einfach nicht langweilig ist. Selbst dann gucken die zu, wenn sie selbst die Geschichte nicht beherrschen.
Seit Jahrzehnten interessiere ich mich, als Zuschauer, tierisch für Tennis. Kann's selbst aber gar nicht.
Ich fand Federer oder damals Edberg immer tierisch langweilig. Denn die haben geilste Bälle gespielt und einen Gesichtsausdruck wie 7 Tage Regenwetter aufgesetzt. Die haben mich als Fan einfach nicht mitgenommen. Das sah bei Boris Becker oder aktuell Nadal komplett anders aus.
Oder Darten: Ein Ian White ist, rein technisch, echt gut. Oder James Wade. Oder, oder, oder. Aber wenn die was treffen, siehst du denen Folgendes an:
Nix!
Und das ist laaaaaaaangweilig!
Ohne Leute wie Price, MvG, van Duijvenbode und, und, und würden die Leute mit Sicherheit nicht den Weg in die Arena finden. Und würden sie nicht vorm Fernseher sitzen. Oder das Ganze online verfolgen.
Das ist auch der Grund, weshalb es mich sogar überrascht, dass TT überhaupt noch aus gewissen Events besteht.
Woher kommt das Geld?
Woher die Nachfrage am Gezeigten?
Guckt man sich die Hallen an, ist häufig genug Totentanz-Alarm. Allein bei den Deutschen Meisterschaften gab es einen Spruch, bei dem ich laut losgelacht habe:
Das 1/3 der Halle ist besser besucht als gestern.

Oder eigenes Training: Bedingt durch geschlossene Hallen trainiert man auch mal woanders. Es gibt Vereine, da wird noch immer pro Tisch mit nur einem Ball trainiert. Mit anderen Worten: Ein Trainingsballwechsel von manchmal nur 2 Sekunden und dann wieder 2 1/2 Minuten den Ball holen.
Und dann wieder von vorn'.
Wenn man dann kaputt ist, hat's eher weniger mit TT zu tun.
Oder wenn am Nebentisch ein Doppel gespielt wird (Durchschnittsalter der Protagonisten = 86 Jahre alt) und man selbst trainiert mit diversen Bällen, geht auch mal ein Ball zum Nebentisch. Da gab's Blicke, die ich geerntet habe, da war ich kurz davor, mich vor Angst in der Toilette einzuschließen.
Noch schlimmer ist's, wenn die Spieler vom Nebentisch eben nicht 86 Jahre alt sind, sondern 36, aber bei gleicher Gelegenheit noch deutlich übler gucken.
Dann weißte Bescheid!
Nun stellen wir uns mal 12-Jährige vor, die bei den Erwachsenen mittrainieren und
solche Erfahrungen sammeln.
Kommen die nächstes Mal wieder?
Empfinden diese 12-Jährigen die Sportart als cool? Oder die Erwachsenen, mit denen sie zu tun haben? Oder wenn diese 12-Jährigen mit 180 Kilo-Lebendgewichten zu tun haben, die schlechte Laune verbreiten, weil sie mit ihrem eigenen Leben unzufrieden sind? Erzählen diese Kinder dann nächsten Tag in der Schule davon, wie geil das Training war? Und dass andere Kinder doch mal mitkommen sollten?
Oder diese Kinder haben mit Schiris zu tun, die meinen zu erahnen, dass sich der Ball in der geöffneten Hand für grob geschätzt 1/100 Sekunde unter Tischniveau aufgehalten hat und deshalb zwingend den Aufschlag abzählen mussten?
Und diese Schiris, wenn sie abends nach Hause fahren, im Auto laut
Tschorle rufen, weil sie wieder 4 Jugendliche zum Heulen gebracht haben?
Ist es das, was unsere Sportart dazu bringen wird, zu überleben?
Oder gehen diese Jungs dann lieber zum Darten?
Weil sie auch in einem Dartforum nicht lesen müssen, dass schon wieder 7 der 8 Viertelfinalisten aus England gekommen sind?
Und Fallon Sherrock aber mal ganz safe vs. Stephen Bunting gewinnen würde. Und dieser Stephen Bunting irgendwann vs. James Wade gewonnen hat. Und James Wade wiederum schonmal vs. MvG gewonnen hat. Und MvG gegen Gerwyn Price.
Fallon Sherrock ist also nix anderes ist als geschlechterübergreifend die klare Nummer 1 auf der gesamten Welt!
Und das müssen diese 12-Jährigen in einem Dartforum nicht 47 x im Monat lesen. Vielleicht müssen sie das 2 x im Monat lesen. Und sie erkennen dann sogar das Lächeln im Gesicht des Absenders. Weil dieser sich selbst nicht zu ernst nimmt.
Und dieser Absender schreibt auch nicht in einem Parallelthread, dass John Lowe (Jahrgang 1945) safe besser als Gerwyn Price (Jahrgang 1985) ist. Weil's
a) kein Schwein interessiert und
b) einfach nicht vergleichbar ist und
c) a) dafür sorgt, dass man über b) ohnehin nicht sprechen müsste und
d) John Lowe aber mal vs. seine Ehefrau verloren hat und deshalb
e) die Ehefrau von John Lowe geschlechterübergreifend the "Greatest of all time" ist!
f) Das is'n Ding, wa'!
Mit anderen Worten: Selbst dieses Forum wird kaum Nachwuchs bekommen, wenn die Nerds dieser Welt weiterhin darüber entscheiden dürfen, was richtig und was falsch ist!