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Alt 26.08.2022, 15:04
Danielson Danielson ist offline
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AW: Politik - der Thread für politisch Interessierte (ab Dezember 2021)

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen

Doch Danielson, es gibt eine woke Verbotskultur, siehe z.B. die Winnetou Sache (inkl. Buschmann Hatz), oder geh mal zu google und lies dich ein zu Bret Weinstein und der Sache "Evergreen", oder lies nach über Mario Parizek, oder die Sache "Lauwarm in Bern" oder soll ich dir noch ein paar "Vorkommnisse" rauskramen? (Kulturaneignung). Ich sag nur Layla! (Sexismus).
Der Rückzug der Winnetou-Bücher ist zu allererst ein PR-Desaster für den Ravensburger Verlag. Der Aufschrei in der Öffentlichkeit wäre nicht hörbar gewesen, wenn man die Bücher weiter verkauft hätte. Es ist aber nicht so, dass es keine Kritik an der Darstellung der Figuren von Indigenen gebe.


Zitat:
Dass die Deutschen so sehr schwärmen für uns Native Americans, amerikanische Ureinwohner, ist skurril, aber rührend. Das kommt wohl von Karl May. Bei ihm erscheinen Indianer als edle, kluge Krieger. Das ist zwar albern, aber immerhin besser als jene Vorurteile, mit denen uns europäischstämmige Leute in den USA oft begegnen.
https://www.sueddeutsche.de/leben/gl...crow-1.3400776
Zitat:
I have done a few interviews in the last days regarding the Ravensburger book controversy and the new Winnetou film, but I’ve declined most, especially those asking the same questions already answered last month, last year, two, five and ten years ago. But a certain Germany and Germans refuse to listen and willfully defend racism and racist practices, and the teaching of perpetuation of Eurocentrism and cultural appropriation to another generation as “part of German culture”. So, racism is your culture? German media has largely been inflating, misinforming and encouraging defensive of racism and outrage over consequences for the support of stereotypes and cultural appropriation.
https://forgetwinnetou.com/author/theredhairedcrow/
Der Ravensburger Verlag hat daraus folgenden Schluss zu spät gezogen.

Zitat:
Seitens Ravensburger heißt es: Bei den Titeln sei man nach Abwägung verschiedener Argumente zu der Überzeugung gelangt, dass angesichts der geschichtlichen Wirklichkeit, der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, hier ein „romantisierendes Bild mit vielen Klischees“ gezeichnet werde. Vor diesem Hintergrund wolle man als Verlag keine verharmlosenden Klischees wiederholen und verbreiten.
https://orf.at/stories/3282017/
Ist das übertrieben? Übertrieben ist für mich vielmehr die Skandalisierung des Vorfalls, denn der wohl schlechte Film und die wohl schlechten Bücher sind für unsere Kultur genauso verzichtbar wie die unterirdisch schlechten Supernasen-Filme mit Thomas Gottschalk. Der Aufschrei erfolgt nicht, weil man ein vermeintliches Kulturgut auslöschen will, sondern weil sich Erwachsene daran gestört fühlen, dass man sie nicht mit einem Spielzeug aus ihrer Kindheit einfach so weiterspielen lässt.

Das halte ich im Grunde für richtig. Sprache und Denken entwickeln sich. Mit schlechtem Gewissen denke ich daran zurück, wie ich es als völlig normal empfand, als in meiner Schulzeit eine schwarze Mitschülerin auf Busfahrten die ironische Aufforderung über sich hat ergehen lassen müssen: "Ach, gib mir doch einen Negerkuss." Hoffentlich benennt heute ebenso keiner mehr Silvesterknaller unbedacht mit "Judefürzle".

Damit vertrete ich nicht die Ansicht, dass Karl-May-Bücher umgeschrieben werden müssen - genauso müssen alle stereotypische Klischees über Juden in den Werken von Goethe, Schiller oder Büchner stehen bleiben, weil sie eben Ausdruck der Zeit sind, in der die Verfasser lebten. Die Kinder können das meiner Ansicht nach auch richtig einordnen. Nur: Wer die Klischees heute glaubt noch immer bedienen zu müssen, muss dann mit Kritik daran in der Öffentlichkeit leben können.

Und das bedeutet "woke" in besten Sinne: Dass man nicht mehr wegschaut, wenn sich jemand über andere diskriminierend und rassistisch äußert.
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"Hier vorne geht sie unter / Und kehrt von hinten zurück." (Heinrich Heine)
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