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Alt 16.09.2022, 11:09
Schrottkopf Schrottkopf ist offline
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AW: Die Entwicklung der Energiepreise und was sie mit unserer Wirtschaft machen könnte.

Ich stelle mal die nicht allzu kühne Behauptung auf, dass ich mit meinen Betrieben mit einem Jahresverbrauch von annähernd 3Mio kWh pro Jahr hier mit zu den am intensivsten Betroffenen von diesem Thema gehöre...

Tatsächlich erfordert das Thema Energiebeschaffung einen erheblichen Teil meiner aktuellen Aufmerksamkeit - aber den Untergang des Abendlandes sehe ich ehrlich gesagt dadurch zumindest momentan noch nicht.

Auch unser Stromliefervertrag läuft zum Jahresende aus und ich muss damit leben, dass ich aktuell nicht einfach 5 Versorger anrufen kann, die im Wettbewerb stehen, wer uns beliefern darf (wie es noch vor einem Jahr gewesen wäre)

Das bedeutet aber nicht, dass man aktuell jeden Blödsinn mitmachen muss und alles glauben darf, was momentan von Menschen, die damit eine Agenda verfolgen, durch die Medien getrötet wird.

Wenn man sich mit Menschen unterhält, die sich professionell mit dem Thema Energiebeschaffung beschäftigen, sind sich alle einig, dass der Panikeffekt, der aktuell erzeugt wird, sicher mittelfristig nicht anhalten wird. Und der Preis wird zwar sicher nicht auf das Vorkrisenniveau zurückfallen, aber auch nicht so bleiben, wie er aktuell ist.

Bis dahin muss man als Betrieb halt kreative Lösungen finden, wie zB eine Versorgung über den Spotmarkt (der aktuell im Durchschnitt nur ca halb so hoch liegt, wie es ein längerfristiger Terminkontrakt wäre - wenn man denn einen bekommen würde...) Man darf nicht vergessen, dass ein Stromvertrag eine Wette des Energieversorgers auf die Zukunft ist, den Strom auf jeden Fall unterhalb des angebotenen Strompreises beschaffen zu können - und diese Wette traut sich momentan niemand zu, deswegen das ganze Chaos.

Eine Versorgung auf dem Spotmarkt hat den positiven Nebeneffekt, dass manche Firmen selber steuern können, wann sie den Strom verbrauchen - und dann viel ziehen, wenn die Netze gerade nicht allzusehr belastet sind und der Strom günstig ist. Tut der Stromrechnung und vor allem den Netzen sehr gut.

Mittelfristig führt der Druck natürlich auch dazu, dass alle Projekte mit erneuerbaren Energien dadurch massiv gestützt werden, weil es einfach wirtschaftlicher Wahnsinn wäre, es nicht zu machen. In unserem Fall werden wir in ca einem Jahr eine PV mit ca 1,2 MW in Betrieb nehmen und uns dann mit Speicher zu einem erheblichen Teil selbst versorgen können (so zumindest der Plan). Da das viele Firmen machen werden, wird sich die Energieerzeugung erheblich verändern. Was aber natürlich ein Problem bleibt ist die Verteilung und die Stabilisierung der Netze. Ich denke, dass hier sehr viel mehr der Fokus darauf gelegt werden muss, wenn der Standort Deutschland vorne bleiben will!

Ach ja, und noch am Rande: Wenn ihr mal wieder Jammermeldungen von wem auch immer lest, denkt bitte daran, dass die Stromrechnung bei weitem nicht nur aus den Energiekosten besteht, sondern auch aus Netznutzung, Umlagen und Steuerbestandteilen, die nicht abhängig von den Energiekosten sind. Eine Ver-x-fachung des reinen Energieanteils, auf den sich alle aktuell fokussieren, bedeutet also bei weitem nicht eine Ver-x-fachung der Stromrechnung, so wie es manche darstellen...
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