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Alt 20.09.2022, 13:58
Ballonverteidiger Ballonverteidiger ist offline
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AW: TIBHAR Evolution EL-D und FX-D

Ich verweise an dieser Stelle noch auf meinen ersten Teil des Reviews nach Erhalt und Verkleben des EL-D hinsichtlich Angaben zu Gewicht, Obergummi, Schwamm und Vergleich des Erscheinungsbilds zu MX-D und MX-P.

Ich habe ca. 10 Jahre lang T05 gespielt und in den letzten Jahren auch andere Beläge im medium-harten Bereich getestet (R48, R47, ACC, Omega 7 Pro, V>15 Extra, Aurus Prime, Quantum X Pro) und kann somit gute Vergleiche innerhalb dieses Belag-Segments ziehen. Meine letzte Saison gespielte Kombi ist MX-D/Ventus Extra. Ich werde mich auf Vergleiche innerhalb der Evolution-Reihe insbesondere zu MX-D, MX-P konzentrieren.

Ich hatte zwei gleiche Schläger im Test (MX-D/EL-D) und (MX-D/MX-P) und konnte somit auch direkt vergleichen.

Meine Spieleindrücke vom EL-D nach 4 Wochen:

Mein Ersteindruck hinsichtlich des weicheren Gesamteindrucks im Vergleich zu MX-D und MX-P hat sich auch im Spiel am Tisch deutlich bestätigt. Das kommt nicht überraschend, da es sich um die EL-Serie handelt. Die Abgrenzung zu den MX-Belägen ist beim EL-D für mich deutlich. Tibhar gibt auch an, dass der Red Energy Sponge ein weicheres Spielgefühl bei sehr dynamischen Spieleigenschaften vermittelt. Man bekommt beim EL-D genau, was auch beschrieben wird.

Aktiv-Spiel:
Durch den weicheren Touch des EL-D ergibt sich für mich eine (noch) längere Ballkontaktzeit. Man hat im Ball-Treffpunkt eine sehr gute Rückmeldung und gutes Ballgefühl. Dies bietet insbesondere bei der TS-Eröffnung gegen Unterschnitt und im Nachziehen Vorteile. Topspins gegen Unterschnitt gelingen mit vergleichsweise wenig Kraftaufwand und guter Präzision. Katapult ist vorhanden, aber nicht übermäßig und sorgt für guten Support auch bei spätem oder nicht optimalem Treffpunkt. Ich kann mit sehr viel Rotation eröffnen und die Bälle werden von meinen Trainingspartnern auch öfters rausgeblockt, weil weniger Rotation in den Bällen erwartet wird. Im Nachziehen hat der EL-D viel Dynamik und man kann sowohl sicher als auch schnelle Topspins ziehen. Je fester man zieht, desto mehr Dynamik kommt aus es dem Belag. Das Trefferfenster ist dabei ein recht großes, sprich es werden gefühlt weniger Bälle zu lang als mit MX-D/MX-P. Besonders im Topspin-Spiel und aus der Halbdistanz ist der EL-D zuverlässig und bietet jede Menge Spielspaß. Generell fällt es mit dem EL-D leicht, passiv ankommende Bälle mit dynamischen und gut dosierbaren Topspins zu attackieren. Der EL-D ermöglicht viel Flexibilität im Spiel und ist aus meiner Sicht nicht für die schnelle, kompromisslose Offensive ausgelegt, sondern durchaus als variabler Offensiv-Belag.

Aufgrund des weicheren Spielgefühl werden besonders in der Topspin-Eröffnung viele Spieler den EL-D für kontrollierter und *einfacher zu spielen* erachten als MX-D/MX-S/MX-P. Während der MX-D im Vergleich zum MX-P hinsichtlich Härte und Spielperformance nochmal eine Stufe höher geht, geht es beim EL-D in die andere Richtung eines etwas entschärften MX-P. Mit hohem Leistungspotenzial hinsichtlich Tempo und Rotation bei einem insgesamt weicheren Spielgefühl. Ich denke, genau diese breite Zielgruppe im Amateurbereich soll der EL-D auch ansprechen. Jene, denen das Gesamtpaket der MX-Beläge eine Nummer zu groß ist. Aufgrund seines etwas fehlerverzeihenden Charakters wird der EL-D vor allem bei jenen Anklang finden, die die MX-Beläge als zu *krass*, hart und schnell empfinden, aber einen modernen, dynamischen Topspin-Belag suchen, der auch etwas gutmütiger ist bei spätem Treffpunkt oder wenig Eigeninput/Schlagenergie. Gerade für den ambitionierten Amateur-Bereich und variable Topspin-Spieler ist der EL-D bestimmt für viele eine gute Wahl.

Passiv-Spiel:
Ob man den EL-D auf Vorhand oder Rückhand spielen sollte, hängt von der Präferenz hinsichtlich Schwammhärte und Spielgefühl ab. Auch die Charakteristik des eigenen Holzes sollte man berücksichtigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der EL-D insbesondere auf Outer-Carbon Hölzern bzw. härteren Hölzern auch für höherklassige Spieler gut performed. Auf meinem Victas ZX-Gear in (Inner-Zylon-Carbon) spielt er sich für mich etwas zu weich, selbst auf der Rückhand. Das wird insbesondere für mich dann evident, wenn ich gegen bessere Spieler (Ö-Bundesliga) trainiere und auch harte, schnelle Bälle gezogen bekomme. Durch den weicheren Anschlag und das gefühlt tiefere Eintauchen des Balles in Obergummi und Schwamm empfinde ich beim Blocken eine größere Schnittanfälligkeit als bei den MX-Belägen. Durch die Abstriche hinsichtlich Direktheit leidet bei mir mit dem EL-D die Präzision im Passiv- und Pressing-Spiel.

Die Wahrnehmung des weicheren Spielgefühls ist klarerweise subjektiv. Ich beziehe mich in dieser Aussage als Referenz auf andere Beläge in dem Belag-Härtesegment (47.5° Schwammhärte). Es hängt natürlich davon ab, welche Beläge man generell spielt bzw. gewöhnt ist. Ich komme von eher härteren Belägen und daher ist das weichere Spielgefühl des EL-D für mich deutlich. Andere Spieler, die medium-Beläge spielen (z.B. EL-S/EL-P) werden den EL-D somit anders wahrnehmen als ich das tue. Dies bitte immer zu bedenken, um meine Aussagen auch in richtige Relationen zu setzen. Das Spielgefühl des EL-D liegt für mich im medium (und nicht im medium-harten) Bereich. So wird es seitens Tibhar auch kommuniziert, insofern kann ich das bestätigen.

AS-/RS-Spiel:
Für mich keine Besonderheiten im Aufschlag/Rückschlag-Bereich. Kurz/Kurz unauffällig, Katapult hält sich bei wenig Schlagenergie dezent zurück, Eröffnung gegen lange Aufschläge bzw. RH-Banane durch die längere Ballkontaktzeit mit viel Rotation und hoher Sicherheit spielbar.

Vergleich zum MX-D:
Ich spiele den MX-D seit letztem Sommer auf VH und habe in den letzten Monaten auch MX-S und MX-P ausgiebig getestet auf der Suche nach dem besten Gesamtpaket für meine Rückhand. Der Sprung vom EL-D zum MX-D hinsichtlich Spielgefühl ist aufgrund der 5 Grad Schwammhärte-Differenz (MX-D 52.5°, EL-D 47.5°) ein großer. Das merkt man auch sofort im direkten Vergleich. Obwohl das Obergummi und die Schwammtechnologie ident sind, spielen sich MX-D und EL-D deutlich unterschiedlich. Die Flugkurve beim MX-D ist flacher und länger und entsprechend braucht er mehr Armzug und guten Treffpunkt. Der MX-D spielt sich kompakter mit gut dosierbarem, linearem Katapult. MX-D hat richtig Power und Präzision, vor allem in schnellen Rallies und aus der Halbdistanz. Der EL-D hat mehr Katapult auch bei geringer Schlagenergie, der deutlich spürbar aber nicht übermäßig ist, eine mittelhohe Flugkurve und spielt sich dadurch kontrollierter und ist auch bei nicht optimal/zu spät getroffenen Bällen fehlerverzeihender.

Da der Sprung vom EL-D zum MX-D ein großer ist, würde ich nicht sagen, dass der EL-D eine abgespeckte Version des MX-D ist, dafür spielen sich beide Beläge vom Spielgefühl her insgesamt zu unterschiedlich. Bei Tempo und Dynamik ist der EL-D im Vergleich zum MX-D deutlich entschärft. Dadurch ist das Trefferfenster (Kontrolle) beim EL-D gefühlt höher. Im Gegenzug ist dafür die Schnittanfälligkeit beim EL-D höher als bei MX-D/MX-S/MX-P, die alle drei auch exzellente Block- und Counter-TS-Beläge sind. Ich nehme an, das kommt daher, dass die Bälle bei weicherem Schwamm des EL-D etwas mehr *eintauchen*. Dadurch leidet bei mir etwas die Präzision im Passiv-Spiel und es gehen mir auch Blocks teilweise unerwartet ins Netz, die mit den MX-Belägen kommen. Kein EL-D spezifisches Phänomen, sondern eines, dass ich bei *weicheren* Belägen bei mir generell wahrnehme. Die Eignung des EL-D für das direkte Blockspiel, insbesondere in schnellen Ballwechseln, ist für mich etwas reduziert. Ich komme in diesen Spielsituationen mit härteren Belägen wie MX-P, MX-S oder Quantum X Pro deutlich besser zurecht.

Vergleich zum MX-P:
Der Vergleich vom EL-D mit MX-P ist insofern interessant, weil beide Beläge die gleiche nominelle Schwammhärte (47.5°) haben, MX-P allerdings Red Power Sponge und EL-D Red Energy Sponge. Obergummi erscheint mir ähnlich. Im direkten Vergleich merkt man nach wenigen Bällen die insgesamt kompaktere Auslegung des MX-P. MX-P spielt sich direkter und härter als der EL-D. Das bringt dem MX-P gegenüber dem EL-D aus meiner Sicht Vorteile im Blocken, Pressing, RH/RH und Counterspin. Im Gegenzug ist es mit dem EL-D durch den weicheren Touch einfacher sicher und mit viel Rotation zu eröffnen. Es fehlen dem EL-D im Grenzbereich einige Prozente an Tempo vom MX-P. Ich denke aber nicht, dass das entscheidend ist. Das Spielgefühl ist insgesamt beim EL-D weicher und kommt daher sehr vielen Spielern entgegen, die den MX-P als für sie zu schnell, zu *katapultig* bzw. zu unkontrolliert kategorisieren würden, wie man es auch häufig in Testberichten liest.

Vor allem im direkten Vergleich und Wechsel der beiden Testschläger mit dem MX-P auf der Rückhand wird mir allerdings klar, dass der MX-P aufgrund der kompakteren Auslegung und des direkteren Spielgefühls die für mich bessere Wahl ist. Spieler, die eher kompromisslos und schnell nach vorne spielen, sollten in Richtung MX-P/MX-D gehen. Für variables Offensiv-Tischtennis ist der EL-D die bessere Wahl. Für Spieler, die eher geradlinig agieren und primär im Blockspiel beheimatet sind, gibt es bessere Beläge als den EL-D (z.B. Quantum X Pro). Spieler die Hybrid-Beläge oder harte Beläge (50° aufwärts) spielen fallen nicht in die Zielgruppe des EL-D.

Vergleich zum MX-S:
Hinsichtlich MX-S sehe ich zum EL-D eigentlich keine Parallelen, abgesehen davon, dass beide Beläge exzellente Rotations-Bälle ermöglichen. Das Spielgefühl ist aber so unterschiedlich, dass ein Vergleich wenig sinnvoll ist. MX-S spielt sich anspruchsvoll hinsichtlich Timings und selbst aufzubringender Schlagenergie, der EL-D spielt sich wesentlich einfacher und mit weniger Eigenaufwand.

Der EL-D macht für mich innerhalb der Evolution-Serie insofern Sinn, als dass hier eine klare Abgrenzung zur MX-Serie bestehen bleibt, wenngleich die größere Lücke vom EL-S/EL-P zum MX-P mit dem EL-D sinnvoll ergänzt wird. Das Spielgefühl ist ein spürbar weicheres als bei den MX-Belägen, was vielen Spielern insbesondere im gehobenen Amateur- und Jugendsport entgegenkommen wird. Im hochklassigen Bereich sehe ich den EL-D insbesondere mit den ABS-Bällen eher nicht. Da sind die MX-Beläge das entsprechende Power-Upgrade.

Fazit:
Insgesamt ist der EL-D ein ausgewogener Belag für die variable Offensive und eine auf Topspin-dominierte Spielweise. Besonders geeignet ist er aus meiner Sicht für jene Spieler, die sich hinsichtlich Schwammhärte im Bereich medium bewegen und einen Offensiv-Belag mit großem Trefferfenster suchen. Hinsichtlich Spielperformance lässt der EL-D in Bezug auf Tempo, Spin und Dynamik für Otto-Normal-Verbraucher absolut keine Wünsche offen. Besondere Stärke in der Topspin-Eröffnung und im variablen Topspin-Spiel. Kein Vorteil ohne Nachteil, Abstriche im Vergleich zu härteren Belägen muss man im Passiv-Spiel in Kauf nehmen. Dort fehlt es etwas an Direktheit, wenn es schneller wird und auch eine gewisse Schnittanfälligkeit ist gegeben. Spieler, die härtere Beläge gewöhnt sind und mit viel Tempo nach vorne spielen werden den EL-D - so wie ich - wahrscheinlich als zu weich empfinden. Als Alternative für überzeugte MX-P/MX-S Spieler sehe ich den EL-D daher nicht. Da sollte man, wenn man ein Upgrade sucht, zum MX-D greifen. Für all jene, denen MX-D/MX-S/MX-P zu anspruchsvoll sind, die können den EL-D in Erwägung ziehen und ausprobieren. Der EL-D ist ein eher unauffälliger, gelungener Belag, der die Evolution-Reihe sinnvoll abrundet und eine weitere Alternative anbietet. Es ist nicht verwunderlich, dass im Vergleich zu den MX-Belägen zu Gunsten höherer Kontrollwerte im Grenzbereich Abstriche vorhanden sind beim EL-D. Genau diese *Entschärfung* macht auch Sinn für die breite Masse. Innerhalb der Evolution-Reihe gibt es für offensiv ausgerichtete Spielsysteme zahlreiche Beläge mit unterschiedlichen Spieleigenschaften. Auch der EL-D wird mit Sicherheit viele Fans finden.
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