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Alt 01.10.2022, 23:32
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Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Eine Frage habe ich: was ist in dem Bereich mit der europäischen Freizügigkeit? Will von dort niemand mehr kommen? Es sind ja potentiell knapp 500 Mio Menschen, die Morgen hier eine Arbeit beginnen könnten...
Doch klar, die laufen hier schon herum. Der Bedarf ist eben noch größer. Und dann haben viele eben auch ihr Auskommen in einem Land mit niedrigeren Gehältern. Dort haben sie aber ihr Umfeld und ihre Wurzeln. Nicht jeder geht nur nach dem höchstmöglichen Gehalt.

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Was du mit der Darstellbarkeit von hohen Löhnen für manche Firmen schreibst beobachte ich auch in anderen Branchen. MMn. müssen hier auch die Auftraggeber/Kunden umdenken. Margenerwartungen zurückgeschraubt werden.
Wie willst Du in einem Unternehmen mit sehr knappen Margen überhaupt große Gehaltssteigerungen hinbekommen? Davon gibt es so einige. Es geht aber auch um das firmeninterne Gehaltsgefüge. Wenn Du dem Senior Developer mit besonderen Skills 120K zahlen musst/müsstest, dann muss plötzlich sein Manager, dessen Manager, etc. mehr verdienen. Da kommt dann alles ins rutschen.

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Schaut man aber mal auf die Gewinne der großen Konzerne und auch großen Mittelständler, dann ist hier durchaus Spielraum nach oben.
Hast Du Dich mal gefragt, was passiert, wenn (z. B.) ein DAX-Konzern längerfristig durch kräftige Gehaltssprünge auf allen Ebenen eine deutlich schwächere Marge aufweist und der Kurs sich dementsprechend viel tiefer einsortiert? Übernahme + Zerstückelung, Verlagerungen von Betriebsteilen, etc.
Aktienunternehmen können eben nicht machen was sie wollen. Das hat alles Konsequenzen. Personengesellschaften könnten das zwar, aber da fehlt es oft an Einsicht/Willen. Der Patriarch hat feste Vorstellungen davon, wer wie viel verdienen sollte. Schließlich war das ja vor 30 Jahren auch gut genug. Viele haben auch noch nicht erkannt, welche Schlüsselrolle die IT im Unternehmen hat.

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Eine Sache verstehe ich im IT Bereich aber nicht, vielleicht hilfst du mir da auf die Sprünge:

Wie ich mitbekommen habe können Freelancer, die projektbezogen arbeiten, erheblich mehr verdienen. Auch und vor Allem, wenn sie von den IT-Unternehmen engagiert werden, die sonst angeblich wenig bezahlen können. Genau wie in der Pflege bei Personalmangel auf Leiharbeiter zurückgegriffen wird, die dann gut 10k im Monat kosten, aber für feste MA fehlt das Geld Angebote zu matchen...
Die Betonung liegt aber auf "können" bei "können erheblich mehr verdienen". Bei Vollauslastung (-> keine Krankheit, nichts Unvorhergesehenes, wenig Urlaub), einem sehr guten Netzwerk und Spitzenleistung (was ja nicht jeder schafft!) ist das schon möglich. Viele fahren da aber nicht wesentlich besser als Angestellte es tun. Zudem muss man das Risiko erst einmal akzeptieren. Und solche Hürden wie die Regelungen zur Scheinselbstständigkeit erst einmal überspringen. Da waren doch gerade wieder Schlagzeilen, wo einige horrende Summen an Sozialbeiträgen nachzahlen müssen. Hinzu kommt noch, dass ein guter Teil der ITler in Sachen Selbstmarketing völlig unbegabt ist.

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Nochmal zur IT: du beschreibst ja internationalen Wettbewerb. Hier spielt mMn. auch die Steuer-/Abgabenquote eine Rolle, besonders in dem Bereich, wo IT'ler angeworben werden. Gerade wer als Single nach Deutschland kommt hat im Bereich von 60-80k bis zur BBG über 60% Abzüge auf den Euro. Dazu hohe Verbrauchsteuern, besonders auf Energie.
Da sollte man nicht alles miteinander vermischen. Die durchschnittliche Steuerquote liegt ja bei den meisten Gutverdienern so im Bereich 30-40% (40% ist hoch gegriffen - da kommt ein angestellter ITler normal nicht hin). Für die weiteren Sozialabgaben bekommt man auch direkt Leistung. Den Unterschied merkt man, wenn man z. B. in den USA eine Operation braucht, die vom health plan des Arbeitgebers nicht abgedeckt wird bzw. die abgedeckten Kosten bei einem viel zu niedrigen Wert gedeckelt sind. Das kommt viel häufiger vor als man denkt.

Aber es stimmt - für den jungen, eher risikofreudigen Absolventen eines MINT-Faches gibt es große Chancen in den USA. Trotzdem ist es immer noch die Frage, ob man da leben will (H1B-Visa, soziale Ungleichheit, Kriminalität, extremes Konkurrenzdenken in den Firmen, Verlust des sozialen Umfelds, ...).
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Vielen Dank und tut mir ehrlich leid ...
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