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AW: Der Fall Hans Moke Niemann - Schach-Skandal, Betrugsvorwürfe, Untersuchungen, Magnus Carlsen Ek
Einige der bekannten Streamer haben sich dem Thema natürlich auch schon gewidmet. Es stellt sich ja die Frage, ob es überhaupt zu einem Prozess (inkl. Jury) kommt. Wahrscheinlicher ist doch eher ein Vergleich oder das die Klage überhaupt nicht erst zugelassen wird, u. a. deswegen, weil das Gericht in Missouri höchstwahrscheinlich gar nicht zuständig ist. Chess.com ist wohl in Kalifornien gemeldet (jedenfalls nicht in Missouri), Danny Rensch ist in Utah wohnhaft, Nakamura in Florida und Carlsen ist eben Norweger und soweit bekannt auch dort wohnhaft.
Nebenfrage in diesem Zusammenhang: Warum sollte es einen Norweger interessieren, wenn ein Amerikaner ihn in den USA verklagt? Wenn mich irgendein Heini in Peru oder Indonesien in Peru bzw. Indonesien anzeigen oder verklagen würde, müsste mich das ja auch nicht sonderlich jucken. Müsste Niemann die (persönliche) Klage gegen Carlsen nicht in Norwegen vorbringen?
Die angeführten Punkte von Niemann sind, soweit ich das überblicken kann, doch überwiegend eher Unterstellungen und Mutmaßungen, die als (vermeintliche) Fakten präsentiert werden. Teilweise klingt es schon recht albern und pubertär, was da so drin steht (Stichwort Eifersucht auf Seiten Nakamura's und Carlsen's in Bezug auf Niemann und dahingehend eine Verschwörung...), während die eigene "Leistung" hochgejubelt wird.
Niemann selbst hat ja in einer Mail an chess.com zugegeben, dass er u. a. deswegen gecheatet hat, um seine ELO-Zahl hochzukriegen und potentiellen Abonennten seines Twitch-Kanals zu signalisieren, dass er es wert ist gegen Leute wie Nakamura zu spielen, damit sie dementsprechend auch seinen Kanal abonnieren. Mein Gott...
Ich bin sicher, dass auch Niemann's Anwälte wissen, dass da nicht viel zu holen sein wird; aber solange sie selbst bezahlt werden, kann es ihnen ja relativ egal sein.
Zum "offiziellen" Statement von Carlsen in Bezug auf Niemann: Man darf in der Tat davon ausgehen, dass es vor der Veröffentlichung durch Anwälte gegengelesen wurde und sehr auf die juristisch einwandfreie Formulierung geachtet wurde. Carlsen hat in dem Statement nie konkret behauptet, dass Niemann beim Sinquefield Cup (oder generell beim OTB) betrogen hat. Der Satz, dass er glaubt, dass Niemann "häufiger" und "more recently" betrogen hat, als er es (bisher) zugegeben hat, ist "passenderweise" (d. h. mit Sicherheit nicht zufällig) eingebettet in das was beim Sinquefield Cup passierte, und dieses "häufiger" und "more recently" wird darüberhinaus durch die Aussagen von chess.com und Ken Regan untermauert (siehe deren Email-Korrespondenz im chess.com-Bericht). Carlsen hat lediglich stark (und mehr oder weniger clever) angedeutet, dass Niemann beim Spiel gegen ihn in St. Louis betrogen haben könnte. Mehr nicht. Juristisch angereifbar dürfte das nicht sein.
Unterm Strich glaube ich nicht, dass Niemann mit 100 Mil. nach Hause geht.
Ein Fan von Rensch, Carlsen und Nakamura bin ich zwar nicht, aber ich würde es durchaus amüsant finden, wenn diese eine Gegenklage gegen Niemann einreichen und ihrerseits Niemann auf Schadensersatz in Höhe von 100 Milliarden wegen Verleumdung etc. pp. verklagen.
Geändert von Tim_Tim (21.10.2022 um 14:43 Uhr)
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