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Alt 17.12.2022, 04:49
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Wolf11 Wolf11 ist offline
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AW: Jugend Weltmeisterschaften 2022 (04.12. - 11.12.2022, Rades, TUN)

Ja, ich verstehe schon, was Du meinst, Mr Burns, und ich pflichte Dir ganz generell auch bei, dass eine dauerhaft überlegene Mannschaft oder eine dauerhaft überlegene Nation in bestimmter Hinsicht auch eine Crux für einen Wettbewerb oder eine Sportart sein kann......Ich kann Dein Posting da sehr gut nachvollziehen und verstehe da absolut Deine Beweggründe

Aber was kann man dagegen tun und soll man überhaupt etwas dagegen tun ?

Würde das nicht auch bedeuten, das Leistungsprinzip bis zu einem gewissen Punkt außer Kraft zu setzen ?

Entscheidend sind hier nach meiner Meinung vor allem die speziellen Gegebenheiten eines Wettbewerbes oder einer Sportart und man kann das nicht wettbewerbsübergreifend oder sportartenübergreifend über einen Kamm scheren

Betrachten wir doch einmal jene 3 Sportarten, die wir hier thematisiert haben bzw. Die Du miteinander verglichen hast...Fussball, Tischtennis und Rodeln...Und dann sehen wir, dass es hier markante Unterschiede gibt

Beispiel Fussball...Hier ist es so, dass das wirkliche Leistungsprinzip schon lange ausgehebelt worden ist...Vereine wie Manchester City, Paris St.Germain, Bayern München usw. kaufen sich alles zusammen, was sie wollen, weil ihre finanziellen Möglichkeiten durch arabische Scheichs oder Großkonzerne nahezu unerschöpflich sind...Damit haben sie praktisch alle Wettbewerbe kaputtgemacht...Die Champions-League ist ein Geld-Popanz geworden, ein völlig uninteressanter Wettbewerb, wo nur noch 4-5 Nationen eine sportlich realistische Chance besitzen, während die anderen 40 Nationen nur noch die Krümel aufheben dürfen und nur noch dafür da sind, um die Clubs aus diesen 4-5 Nationen zu bespaßen...Noch schlimmer sieht es bei den nationalen Meisterschaften aus, wo diese Clubs bereits zu Saisonbeginn als Meister feststehen*...Ich persönlich war früher auch sehr fussballbegeistert, aber heute interessiert mich das alles nicht mehr, weil das Geld und die Gier eben jede Chancengleichheit zerstört hat

Beispiel Rodeln..Hier ist es so, dass aufgrund der Gegebenheiten (entsprechende Sportanlagen gibt es nur in wenigen Ländern, Wintersport wird generell nur in sehr wenigen Ländern betrieben) nur ganz wenige Nationen diesen Sport betreiben...Beim Rodeln sind das die Alpenländer Deutschland, Österreich, Italien, dann Russland, mit Abstrichen USA und Kanada*.und das war es dann praktisch schon...Man kann also sagen, dass an die 200 Nationen der im IOC vereinigten 209 Nationen diesen Sport überhaupt nicht ernsthaft betreiben...Und dann ist es eben auch nicht schwer, eine Dominanz aufzubauen, wie Deutschland im Rodeln oder Norwegen im nordischen Skisport oder die Niederlande im Eisschnelllauf usw

Beispiel Tischtennis....Hier ist es anders als im Fussball oder im Wintersport/Rodeln....Es regiert nicht das Geld wie im Fussball...Und Tischtennis wird nahezu auf der ganzen Welt betrieben, es ist eine globale Sportart, die sich selbst im Hobbybereich (Tischtennisplatte im Garten ) noch immer großer Beliebtheit erfreut, auch wenn man das zumindest bei uns in Deutschland medienmäßig alles hat verkommen lassen.

Daher ist auch die Dominanz, die sich die chinesischen Sportler-/innen über die Jahrzehnte aufgebaut und erarbeitet haben, nicht einmal im Ansatz mit der Überlegenheit der reichen Fussballclubs dieser Welt oder deutschen Rodlern zu vergleichen...Sie haben sich das gegen die Konkurrenz in der geanzen Welt über Jahrzehnte erkämpft

Und da kommen wir wieder zu meiner Ausgangsfrage....Was kann man dagegen tun und soll man überhaupt etwas dagegen tun ?

Im Fussball würde ich das sofort bejahen, denn das ganze System dort ist korrupt und verkommen...Erfolg wird sich gekauft und der integre Sport ist auf der Strecke geblieben..Financial Fairplay wäre da ein Thema

Beim Rodeln würde das niemand wirklich interessieren, weil, wie oben beschrieben, etwa 200 der 209 Nationen diesen Sport überhaupt nicht ernsthaft betreiben.

Im Tischtennis aber ist jede Regulierung, die man da vornimmt wie bspw. Teilnahmebeschränkungen eigentlich eine Todsünde gegenüber allen, die diesen Sport lieben und denen es nicht um eine nationale Brille geht**.

Natürlich gebe ich Dir recht, dass bei einer WM oder bei Olympia eine Nationenvielfalt bestehen muss**.Die muss es geben...aber sie darf nicht die einzige Komponente sein...Das Leistungsprinzip und die sportliche Integrität darf dabei nicht komplett auf der Strecke bleiben..

Speziell bei den Damen im Tischtennis bedeutet dies in der Praxis, dass 3 der 5 besten Tischtennisspielerinnen der Welt nicht bei Olympia in Paris teilnehmen dürfen...Selbst eine Chen Meng, eine Wang ManYu und eine Sun YingSha können sich nicht sicher sein, dass sie im Einzel dabei sind, eine wird in jedem Falle fehlen...eine Wang YiDi oder eine Chen XingTong haben kaum eine Chance...Und damit bestraft man nicht nur die entsprechenden Sportler/-innen, sondern auch die Fans, die diese Sportart lieben und die diese Sportler auf einem solchen Event gerne sehen würden und die nicht alles nur mit einer nationalen Brille sehen*..

Du fragst durchaus nachvollziehbar, wie viel User sich hier für die chinesischen Topspielerinnen mehr interessieren würden, wenn eine starke Deutsche als Konkurrentin um den WM-Titel gehandelt würde

Das ist sicher richtig, und ich bedauere es durchaus, dass auch in den nächsten Jahren keine Europäerin weit und breit in Sicht ist, die es mit den besten 20 Chinesinnen und Japanerinnen aufnehmen kann ...In der Tat würde dies das Interesse auch an den asiatischen Spielerinnen noch steigern...Davon haben auch andere Sportarten profitiert*.Aber was kann man da tun.

Die Fehler wurden doch über Jahrzehnte in Europa gemacht...Da liegt soviel im Argen, dass ich nach meinen Beobachtungen der europäischen Szene in den letzten Jahrzehnten ein Buch darüber schreiben könnte..

Und wer sind denn heutzutage, nach 68 Jahren Erfoglosigkeit, die besten europäischen Spielerinnen ?

Das sind Han Ying, Yang Xiaoxin, Yuan Jianan, Shan Xiaona, Fu Yu...früher waren es Ni Xialian, LI Qian, Melek Hu, Li Jiao, Wu Jiaduo, Liu Jia...noch früher eine He Qianhong (Gotsch)

Da bleiben keine Fragen offen.....

Wieviel gab es denn in den letzten 20 Jahren, die das Tischtennis in Europa erlernt haben, und die dann den Asiatinnen Paroli bieten konnten ?...Mir fällt da kaum eine ein*..

Die oben genannten Spielerinnen sind alles tolle Sportlerinnen, die ich sehr hoch schätze, ich bin auch ein großer "Fan" von Han Ying..aber das diese Spielerinnen die Chinesinnen nicht schlagen können, liegt auf der Hand, denn sonst hätten sie China nicht verlassen

Was ich im Endeffekt damit sagen will, ist, dass auch ich es sehr gerne sehen würde, wenn auch eine Europäerin in die Phalanx der besten 15 Asiatinnen dauerhaft einbrechen könnte

Um dies aber irgendwann in vielleicht 10 Jahren erreichen zu können, müsste sich bei uns in Europa so einiges ändern..

Dies aber erreichen zu wollen, indem man die Teilnahmebeschränkungen der asiatischen Topspielerinnen immer weiter forciert und indem man mit abstrusen Regeländerungen (nur noch 3 Gewinnsätze) dem weiter Vorschub leisten will (Bald werden Sätze wohl auf 7 Gewinnpunkte gespielt) ist eine billige Art und Weise, eigene Versäumnisse über Jahre zu korrigieren..

Jetzt sind wir ja vom eigentlichen Thema abgekommen..Vielleicht kann man das ja auch in einen eigenen Thread verschieben..

Geändert von Wolf11 (17.12.2022 um 05:02 Uhr)
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