Zitat:
Zitat von Allsquared
Warum ist das für dich etwas anderes als beim Fußball oder beim Rodeln?
Das heißt ja nicht, dass in China beim Tischtennis nicht gut und hart gearbeitet wird, ebensowenig wie im Deutschland beim Rodeln oder in Manchester oder Paris im Fussball. Aber die Quelle, die diese Arbeit ermöglicht ist nun mal die Kohle, die reingepumpt wird, und ob die nun as dem deutschen Steuersäckel, dem Portemonnaie eines Schecks oder Oligarchen, oder vom chinesischen Staat kommt, ist aus sportlicher Sicht zweitrangig.
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Warum es für mich etwas Anderes ist ?
Weil es da eben elementare Unterschiede gibt.
Alles nur auf das Geld zu schieben, führt doch an der Realität weit vorbei. So einfach ist das nicht.
Wie ich zuvor ja schon einmal beschrieben hatte, gibt es bspw. beim Fussball einen großen Verdrängungswettbewerb, der in diesem Falle tatsächlich rein auf Geld beruht. Da muss man nicht groß dafür jahrelang arbeiten, da ist alleine die Kohle entscheidend. Da wird von den Oligarchen-Vereinen bewusst jede aufkommende Konkurrenz leergekauft und sportlich unschädlich gemacht. Seit 20 Jahren bspw. kauft der FC Bayern seinem größten Konkurrenten Dortmund nahezu jeden Topspieler weg und hält sie damit klein. Ebenso machen das Clubs wie Manchester City, Paris St.Germain, Real und Barca, Juve usw.
Beim Bob- und Rodeln dagegen ist der Markt unfassbar klein. Nur ganz wenige Nationen betreiben diese Sportarten wirklich ernsthaft. Bob und Rodeln sind reine Nischensportarten. Es ist nur ein ganz kleiner und überschaubarer Kreis in Europa, der diese Sportarten betreibt, plus einige Fahrer aus USA und Kanada, und das war es schon. Und auch in diesen Ländern gibt es nur relativ wenige Menschen, die diesen Sport betreiben. Da wir in Deutschland eine dieser wenigen Nationen sind, nehmen wir diese Sportarten nur nicht so als Nischensportarten wahr. Hier ist es daher relativ einfach, aufgrund der Gegebenheiten (Sportlanlagen, Tradition) eine sportliche Überlegenheit aufzubauen und diese auch lange zu konservieren.
Wenn ich in diesem Zusammenhang lese, dass Deutschland eine "Bob- und Rodelnation" ist und China eine "Tischtennis-Nation", dann muss ich mich schon etwas wundern. Beispiel Deutschland : Wieviele aktive Bobfahrer gibt es denn in Deutschland ? Und wieviele aktive Tischtennisspieler gibt es in Deutschland ? Deutschland ist im Bobsport so gut, weil hier im Trainerstab und in der Talentförderung gut gearbeitet wird, aber vor allem eben, weil die Konkurrenz eben verschwindend klein ist. Die finanziellen Mittel, die dafür nötig sind, sind aber überschaubar.
Im Tischtennissport gibt es dazu sowohl gegenüber dem Fussball als auch dem Bob- und Rodelsport elementare Unterschiede, die doch auf der Hand liegen.
Tischtennis ist zunächst mal eine Einzelsportart und ist daher mit dem Fussball ohnehin nicht wirklich zu vergleichen. Und China kann der Konkurrenz keine Spieler wegkaufen, wie es beim Fussball die Marktführer machen. Das Gegenteil ist da eher der Fall. Im Damenbereich haben fast alle europäischen Nationen chinesische Spielerinnen an der Spitze stehen, Deutschland, Frankreich, Portugal, Spanien, England, Monaco lange Zeit auch Österreich, Polen, Niederlande, Türkei....Alle diese Nationen haben oder hatten über Jahre und Jahrzehnte chinesische Spielerinnen an Nummer 1.
China hat seine Überlegenheit durch extrem harte und gute Arbeit erreicht, das chinesische System im Tischtennisbereich und die ganze Talentförderung dort ist sehr effektiv und gut. Es werden da auch keine Spieler-/innen finanziell "im Regen stehen" gelassen. Alle haben eine finanzielle Absicherung, auch diejenigen, die es nicht in die internationalen Wettbewerbe schaffen und nur national erfolgreich sind. Und China muss sich dabei einer riesigen Konkurrenz erwehren, weil Tischtennis nämlich im Gegensatz zum Bob- und Rodelsport ein globaler Sport ist, der in der ganzen Welt betrieben wird. Selbst in den "Bob- und Rodelsport-Nationen" wie Deutschland gibt es nämlich exorbitant mehr aktive Tischtennisspieler als aktive Bobfahrer.
Es gibt also hier eklatante Unterschiede zwischen den Sportarten und man kann daher nicht einmal im Ansatz die Erfolge dieser Nationen in diesen Sportarten vergleichen. Und im Tischtennis ist eben der chinesische Erfolg nicht mit der "staatlichen Förderung seit Mao's Zeiten" zu begründen, sondern eben mit einem perfekt funktionierenden Sportförderungssystem, dass sich zum einen allergrößter Konkurrenz aus aller Welt erwehren muss und nicht nur der überschaubaren Konkurrenz einiger Nischenländer wie in den Wintersportarten und dass sich zum Anderen auch nicht der Konkurrenz entledigen kann, indem man diese leerkauft wie im Fussball, sondern dass sich im Gegenteil auch gegen jene Spielerinnen durchsetzen muss, die im chinesischen Sportförderungssystem das Tischtennisspielen erlernt haben und die nun die Speerspitze des europäischen Tischtennissports sind.