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AW: Bad Aibling vor einem Trümmerhaufen
Hallo lieber Wolfram Lipp,
gerne möchte ich zu Deinen Thesen etwas schreiben und auch zum sogenannten Dreieck des Bösen. Ich finde es in keiner Weise gut, dass Du keine Kritik an den Noppenspezialisten zulässt, die meiner Meinung nach berechtig ist, solange sie nicht ins Menschliche abgleitet und die Sache behandelt. Und die Sache die uns alle angeht heißt Tischtennis.
1) Natürlich steht es jedem frei, den Belag zu spielen, den er gerne möchte. Für mich ist es bedauerlich, dass die entsprechenden Tischtennisgremien in ihrer Regelwut eben solche Beläge nicht verbieten, die auf unnatürliche Weise den Ballflug verändern. Ich habe gegen Leidel und Schuster gespielt und weiß also wovon ich spreche. Außerdem spiele ich lange genug, um mir eine qualifizierte Meinung zu bilden.
Außerdem eignen sich diese sogenannten ehrlich angebotenen Beläge hervorragend, um sie einer gewissen Nachbearbeitung zu unterziehen.
Ich wäre dafür, wirklich den richtigen Schritt zu machen und mit diesen zweifelhaften Materialien aufzuräumen und sie zu verbieten.
Andere Sportarten zeigen sehr wohl, dass dies geht, um die Attraktivität und Fairness zu fördern. In den 80iger Jahren wurde beispielsweise in Vilsbiburg ein doppelt beseiteter Tennisschläger entwickelt, der es einer Landesligamannschaft ermöglichte, in die Bundesliga aufzusteigen. Da es eindeutig war, dass hier nur das Material höchst durchschnittlichen Spieler einen derartigen Erfolg ermöglichte, wurde dieser Schläger verboten.
2)Nicht jeder hat die Möglichkeit gegen diese Materialien zu spielen, da sie in der Tat nicht so häufig vorkommen. Vor allem den Wandervogel Schuster, der von Jahr zu Jahr in unterschiedlichen Vereinen spielt, trifft man nur im Punktspiel.
Ich glaube nicht, dass ein Martin Schauer, der ebenfalls schon große Probleme gegen Schuster hatte, so unheimlich wenig Intelligenz besitzt, um sich klar gegen Schuster durchzusetzen.
Man könnte Dein Argument auch so formulieren, dass die sogenannten Noppenspezialisten auf zweifelhaftes Material zurückgreifen müssen, da Ihnen die technischen Mittel für normale Schläge fehlen.
3)Wenn es in einer Sportart nur darum geht, zu gewinnen, koste es was es wolle, dann bestimmt die Materialentwicklung den Sport. Dies wird aber deutlich zu Lasten der Attraktivität gehen und dem Zuschauerinteresse weiter schaden. Sport sollte auch etwas mit Ästhetik zu tun haben und dies vermisse ich bei den genannten Spielern, welche ihre Noppen ach so gekonnt einsetzen gewaltig.
4)Vielleicht möchten einige Kritiker gar nicht mit diesen zweifelhaften Materialien spielen. Mir zum Beispiel kämen diese Beläge wohl entgegen, aber ich werde niemals daran denken, damit zu spielen oder mein schlechter werdendes Niveau damit zu kompensieren.
5)In diesem Punkt kann ich Dir nur zustimmen. Viele spielen nicht mit diesen Materialien, was aber die, die es tun, um so mehr ausnützen, da der Überraschungseffekt zusätzlich greift. Eigentlich ganz geschickt sich so etwas auszudenken, wenn man es nicht mit den klassischen Mittel schaffen kann. Nachgedacht wurde da auf alle Fälle, dies muss man den betreffenden Spielern natürlich bescheinigen. Ob es gut ist oder nicht, sei dahingestellt.
6)Besonders Lange Noppen eigenen sich hervorragend, um sie zu behandeln, damit zu experimentieren und damit einige extreme Effekte zu erzielen. Die Sache mit der Freiverkäuflichkeit sehe ich skeptisch, da man nicht immer sagen kann, ob das Logo auf einem Belag auch den tatsächlichen Eigenschaften entspricht.
7)Tischtennis ist in der Tat ein Sport, in dem der gewinnt, der mehr Punkte als der Gegner macht. Es ist aber auch die Faszination langer Ballwechsel, schöner (und nicht „verkrüppelter“) Bewegungen, welche die Zuschauer und Spieler begeistert. Tischtennis ist mehr, als um jeden Preis mit erlaubten und auch zweifelhaften Mitteln zu gewinnen.
Ich möchte Dich auf keinen Fall angreifen, lieber Wolfram Lipp, sondern nur verdeutlichen, dass es durchaus gerechtfertigt ist, gewisse Materialien und das damit verbundene unästhetische Spiel (oder besser Nichtspiel!) kritisch zu sehen.
Ich hoffe, dass man sich durchringt, solche Beläge in Zukunft zu verbieten.
Liebe Grüße,
jim101
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