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Alt 06.01.2023, 15:18
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Wolf11 Wolf11 ist offline
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Wolf11 hat keinen guten Ruf und sollte sich dringend bessern (Renommeepunkte mindestens -60)
AW: World Table Tennis (WTT) allgemein und Situation mit der ITTF

Interessante Diskussion....

Ich persönlich glaube nicht, dass sowohl relativ kurze Ballwechsel als auch die Pausen zwischen den Ballwechseln das Problem in der Außendarstellung des Tischtennis sind und bin da eher auf Seiten der Meinung von Appelgrenfan

Es gibt übrigens noch eine ganze Reihe weiterer Sportarten, bei denen die Nettospielzeit nur verschwindend klein und gering ist und die trotzdem extrem populär sind.......American Football etwa oder Baseball, Golf, Snooker und noch viele, viele mehr......Auch diese Sportarten beziehen gerade durch die Spannung, die in ihren Pausen, die teilweise über 90 Prozent einnehmen und die dazu genutzt werden können, die Dramatik oder doch zumindest ihren Verlauf erklären zu können, ihre Spannung

Ein wunderbares Beispiel ist mir auch vom Tischtennis in Erinnerung und zwar von der letzten WM in Houston....

Da spielten nacheinander zuerst Chen Meng und Wang ManYu und danach Timo Boll und Truls Moregardh ihre Halbfinales aus....

Das erste der Beiden war durchsetzt von langen Pausen vor den Ballwechseln, es war ein wahrer "Psychokrieg", der sich da abspielte. In der Mimik und Gestik der beiden Spielerinnen wurde die ganze Dramatik dieses Spiels sichtbar. Beide Spielerinnen hatten immer wieder Augenkontakt, bei fast jedem Aufschlag war man sich der Bedeutung dieses Spieles bewusst. Beide Spielerinnen wurden deswegen verwarnt, was ich damals als unglaublich störend und unangebracht empfand. Und diese ganze psychische Spannung wurde damals auch von den Kommentatoren (sowohl chinesisch als auch englisch) sehr gut transportiert. Es war ein episches Match

Danach spielten Timo und Truls ihr Halbfinale aus. Es war das genaue Gegenteil. Kaum Pausen zwischen den Ballwechseln, beide spielten munter drauflos, es war fast schon wie "Speed-TT". Hätte ich nicht gewusst, dass es sich hierbei um ein WM-Halbfinale handelt, hätte ich gedacht, es würde sich, von der Bedeutung her, um ein Spiel auf einem Wald- und Wiesenturnier handeln (jetzt mal abgesehen von dem großen Können der beiden). Da wurde sich kaum Zeit genommen für die Konzentration zwischen den Ballwechseln, kaum Mimik und Gestik, kein Augenkontakt, beide spielten, als müssten sie noch den nächsten Zug erreichen und der Kommentator kam auch kaum nach mit irgendwelchen Erklärungen.

Jetzt mal völlig abgesehen davon, wer da gespielt hat, aber von der ganzen Dynamik und von der Charakteristik der beiden Spiele hat mich das erste der beiden Spiele viel mehr abgeholt.......und genau das hab ich dann im Nachhinein noch von mehreren gehört, die sich die beiden Spiele angeschaut hatten.

Ich denke, die Problematik liegt da in völlig anderen Bereichen, was hier jetzt zu lange dauern würde, das alles aufzulisten, aber es wurden da gerade im Marketing- und Managementbereich unserer Sportart über Jahrzehnte unglaubliche Fehler gemacht.

Nicht umsonst gehören Sportarten wie TT und bspw. Curling zu den beliebtesten Sportarten während olympischer Spiele, während diese Sportarten ansonsten medial praktisch überhaupt nicht stattfinden, während bspw. fast jedes Training eines Weltcup-Skispringens medial übertragen wird, obwohl viele diese Sportart als gähnend langweilig empfinden. Aber gute Lobbyarbeit hat Skispringen oder auch Biathlon eben dahingebracht, wo es heute medial steht

Geändert von Wolf11 (06.01.2023 um 15:21 Uhr)
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