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AW: Die Entwicklung der Energiepreise und was sie mit unserer Wirtschaft machen könnte.
@ Noppenzar
Vieles von dem, was Du zur finanziellen Situation in der Schweiz schreibst, ist richtig. Nun, Geld ist nicht alles, und ich käme beispielsweise nie auf Idee, im Alter mit meiner dann vergleichsweise hohen Rente wieder nach Deutschland zu ziehen. Dazu ist mir das Land viel zu fremd geworden.
Aber um es mal rein aufs Finanzielle herunterzubrechen. Generell gibt es zwei riesige Unterschiede zwischen D und CH. Zum einen ist die Abgabenlast in der Schweiz viel niedriger, während Deutschland diesbzgl. sogar weltweit Spitzenreiter ist oder zumindest schwer vorne mit dabei ist. Zum anderen hat die Schweiz eine der "gerechtesten" Lohnverteilungen weltweit, d. h., die Spreizung ist viel kleiner als beispielsweise in Deutschland. Dies sieht man beim direkten Vergleich der Bruttolöhne über die unterschiedlichen Einkommensgruppen. So ganz grob kann man sagen, dass man im Niedriglohnbereich brutto ca. 2.5 mal so viel verdient wie in Deutschland. Im mittleren Lohnbereich ist es ca. das Doppelte im hohen Lohnbereich das 1.5-fache im Spitzenbereich das gleiche bzw. kehrt sich das dort dann sogar um. Wenn man dann von Brutto zu Netto übergeht, vergrössern sich die Faktoren dann nochmals zusätzlich.
Was jedoch im Falle des Auswanderns zu beachten ist, dass es einen riesigen Unterschied macht, ob man Single ist, verheiratet und/oder mit Kindern in der Schweiz lebt. Wenn man etwas anständiges gelernt hat, dann lohnt sich für ein Single ein Auswandern fast immer. Ausnahmen sind schlecht bezahlte Berufe wie z. B. CoiffeurIn oder KosmetikerIn. Auf der anderen Seite gibt es beispielsweise Einzelfälle, wo man als gelernter IT-ler ohne Studium in der richtigen Branche bis zu 200 kCHF verdient.
Für Verheiratete gibt es die sogenannte Heiratsstrafe. Zum einen bekommen diese zusammen eine niedrige 1. Säule Rente als jeder einzeln erhalten würde, und zum anderen zahlen Doppelverdiener eine höhere Steuer als jeder einzeln und zusammengerechnet. Das ist eigentlich verfassungswidrig, eine Reform ist bisher aber noch nicht durchs Parlament gekommen. Die Heiratsquote ist deswegen auch in der Schweiz sehr niedrig. Es gibt sogar Paare, die sich kurz vor der Rente formal scheiden lassen, danach aber weiterhin zusammenleben, nur um die höhere Rente zu erhalten. Das kann bis zu 1200 CHF Unterschied ausmachen. Kinder schlagen dann aber voll zu buche. Ein Kita-Platz kostet nämlich bis zu 2500 CHF pro Monat, falls man dieses Angebot Vollzeit 5 Tage die Woche in Anspruch nimmt. Dazu muss man dann schon Doppelverdiener sein.
Ich hoffe, ich habe die Zahlen noch so halbwegs richtig im Kopf. Es gibt offizielle Zahlen, die besagen, dass man als Single in der Schweiz ab 9000 CHF monatliches Bruttoeinkommen zur Oberschicht gehört, Verheiratete müssen hierzu ein Haushaltseinkommen von 13000 CHF haben und dann kommen pro Kind noch jeweils 2500 CHF dazu. Also mit 3 Kindern muss man da schon 21500 CHF heimbringen, was für einen Einzelverdiener schon ziemlich sportlich aber keinesfalls unmöglich ist. Ein ordentlicher Professor an der ETH Zürich liegt ungefähr in diesem Bereich.
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