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AW: Vereine vertrauen ausländischer Hilfe
@ Lellabebbel
Ich nehme mal an, Du stammst aus Steinheim - also jenem Verein, der in der Vergangenheit ganz gewaltig gegen die Ausländer im Sport vorgegangen ist und jetzt selbst eine ganze Menge ausländische Sportkameraden einsetzt. (Bitte korrigiere mich, wenn nicht stimmt, was ich schreibe). Wenn ich das richtig überblicke, habt Ihr unter den ersten neun Spielern fünf Ausländer, von denen Ihr vier ständig einsetzt. Ist das - im Vergleich mit Eilenburg - wenig?
Natürlich respektiere ich Deine Meinung und finde gut, dass Du überhaupt auf das Thema eingehst. (Mit dem Begriff "Summen" solltest Du allerdings vorsichtig sein, denn die ausländischen Spieler dürfen keine "Summen" erhalten, sondern allenfalls einen Ersatz für tatsächlich entstandene Kosten. Aber das ist ein anderes schwieriges Thema). Mir geht's hier mehr ums Prinzip.
Eilenburg im strukturschwachen Osten ist nicht mit dem reichen Baden-Württemberg zu vergleichen. Alberto Ammann hat es mit dem TTC Eilenburg innerhalb weniger Jahre geschafft, aus dem Nichts in die 2. und in die 3. Liga aufzusteigen und darüber hinaus mit Alexander Flemming und Hendrik Fuß zwei der besten deutschen Jugendlichen herauszubringen sowie mit Oliver Gamm einen Spieler/Trainer an den Verein zu binden, der gute Arbeit macht. Auch Sven Kath, ein Berliner, der in der Nähe von Bayreuth wohnt und arbeitet, hat für den TTC Eilenburg gerade in letzter Zeit bedeutende Turniererfolge erreicht.
Das alles wäre wohl ohne die Verpflichtung und h ä u f i g e A n w e s e n h e i t zahlreicher ausländischer Spieler und T r a i n i n g s p a r t n e r nicht möglich gewesen. In Eilenburg ist also am ehesten verwirklicht, was Du forderst: die Anwesenheit der ausländischen Spieler im Training. Und da liegt halt der Unterschied zwischen z.B. Eishockey und Tischtennis. Die ausländischen Eishockeyspieler sind immer da, die (meisten) ausländischen Tischtennisspieler reisen nur zu den Spielen an. Dieser "Tischtennis-Tourismus" ist es vor allem, der zu kritisieren ist, besonders dann, wenn es sich um mehrere Spieler handelt.
Deshalb muss man mE die ganze Sache differenziert betrachten. Offenburg z.B. hat vier Ausländer, die alle dort leben (oder arbeiten). Die Verhältnisse in Plü und Wü kenne ich zu wenig, um mir ein Urteil zu erlauben. Vorbild ist für mich Heilbronn, das um einen "jungen Chinesen vor Ort" eine ganz junge Mannschaft (mit einem jungen Luxemburger, na und?) aufbaut. Das scheint mir ebenso Zukunft zu haben wie das Modell Hilpoltstein: Wir werden nie mehr als einen ausländischen Spieler in unseren Reihen haben. Und der muss "passen" und überdies zwischen den Spielen (innerhalb zwei Wochenenden) im Training sein.
Wie gesagt: Man kann mit Ausländern hochkommen, aber eine Identifikation des Umfelds ((Zuschauer, Sponsoren) mit dem Verein erreicht man mE nur dann, wenn man mit Talenten (oder auch älteren Spielern) aus der Nähe begeistern kann.
Über "Charakter" zu urteilen, ist schwer. Ich wage nicht zu behaupten, dass die oder die die "Besseren" sind. Um erfolgreich zu sein und Spaß zu haben, muss eben alles zusammenpassen - auch die Charaktere.
Jeder Verein muss selbst seinen Weg finden. Für uns ist der Weg das Ziel: Mit Spaß und Ernst, mit Freundschaft und Fairness, mit Leidenschaft und Mut - auf ins nächste Spiel. Wenn wir gewinnen, freuen wir uns gleich, wenn wir verlieren, freuen wir uns später. Vor allem dann, wenn wir ordentlich gespielt haben.
Bernd Beringer
TV Hilpoltstein
Geändert von Bernd Beringer (23.11.2004 um 00:26 Uhr)
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