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Zitat von MrBurns
Ich schätze an dir, dass du bereit bist den Finger in die Wunden zu legen und auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Genauso unangenehm finde ich aber deine Blauäugigkeit und kommunizierte Naivität hinsichtlich des Sportsystems in China und der Freiheit der Athleten dort. Und wenn du eben behauptest, dass das alles nur Entscheidungen der Athleten seien und sie alles ganz frei entscheiden könnten, also ob sie antreten oder nicht, dann lasse ich das nicht einfach stehen und rücke es in den richtigen Kontext.
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Zum wiederholten Male geraten wir hier jetzt in eine politische Diskussion, obwohl es hier doch eigentlich um ein Tischtennis-Turnier, in diesem Falle den Singapore-Smash, gehen sollte.
Da Du hier den Weg in einem solchen Thread (und nicht über PN) gesucht hast, will ich Dir aber eine Antwort auch hier, in der gebotenen Kürze, nicht schuldig bleiben, Mr Burns
Ich finde die Worte "Blauäugigkeit" und "Naivität", die Du hier in diesem Zusammenhang benutzt hast, schon anmaßend......
Ich habe hier nicht über die generelle politische Situation in China geschrieben, da gäbe es zwar viel zu sagen, aber das ist hier nicht der richtige Ort.
Vielmehr habe ich geschrieben über die Situation des chinesischen Tischennis-National-Teams und die Tatsache, dass diese Sportlerinnen und Sportler sehr wohl völlig frei und völlig autonom über ihre sportliche Karriere entscheiden können, und auch völlig frei und autonom die Turniere wählen können, die sie spielen wollen, ausgehend von der Frage, warum Chen Meng hier in Singapore angetreten ist. Inwieweit sie bei Turnieren mit Quotenregelung dann auch nominiert werden ist dann wieder eine andere Frage, die sich in nichts von der Situation unterscheidet, wie sie beispielsweise auch hier in Deutschland gang und gäbe ist. Das alles hat nichts damit zu tun, dass China ein anders aufgebautes Sportfördersystem hat, als wir das hier kennen und dass Trainingsaufbau und Trainingslager sicher intensiver als in Europa stattfinden. Hier ging es lediglich um die Freiheit der Spielerinnen und Spieler, ihre eigenen Entscheidungen bezüglich ihrer Karriere zu treffen und in diesem Falle auch die Turniere völlig frei und autonom wählen zu können, an denen sie teilnehmen wollen.
Wie bereits erwähnt, habe ich dieses Sportsystem mehrere Jahre in China selbst kennengelernt und hab darin auch im Junioren-Bereich gearbeitet, unter anderem mit einer Spielerin, die immerhin morgen im Achtelfinale des Singapore-Smash steht und im Januar das WTT-Turnier in Durban gewonnen hat. Und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass in all den Jahren, in denen diese Spielerin zwischen 12 und 17 Jahre alt war, keinerlei Druck auf sie ausgeübt wurde, ebenso nicht auf die anderen Spielerinnen. Ja, das Training war sehr hart und von den jungen Mädchen wurde durchaus viel verlangt, es gab sicherlich auch Leistungsdruck, den es aber auch anderswo gibt, aber auf die Spielerinnen wurde niemals Druck ausgeübt, weder was die Gestaltung ihrer Karrieren betraf, noch politischer Druck. Ich bin mit dieser Sportlerin im übrigen bis heute in regelmäßigen Austausch und weiss schon, von was ich da schreibe
Du dagegen hast diese persönlichen Erfahrungen sicher nicht gesammelt, aber Du maßt Dir trotzdem an, diese Freiheit diesen Sportler-/innen abzusprechen, ohne das mit eigenen Erfahrungen belegen zu können und betreibst Verschwörungstheorien, denen Du dann sogar das Etikett anheftest, etwas "in den richtigen Kontext" zu setzen.
Hier wird auch nichts verharmlost. Du machst es Dir eben viel zu einfach, indem Du die Tatsache, dass China's politisches System eine Diktatur ist, zu der es in der Tat viel Kritikwürdiges zu sagen gibt, damit gleichsetzt, dass alle Sportlerinnen Marionetten sind und schön lieb in die Kamera lächeln müssen. Eine Ding Ning oder eine Chen Meng beispielsweise sind in China nicht nur Sportstars, sondern Werbe-Ikonen, Mode-Ikonen, die Millionen verdienen, ohne gefügige Statements über das politische System China's verbreiten zu müssen.
Zitat:
Zitat von MrBurns
Wer sich übrigens über die Skifahrer informieren will, findet genug Quellen. Da wurden für teuer Geld ausländische Trainer engagiert, um junge Erwachsene schnellstmöglich an die Wintersportarten heranzuführen. Wenn man sich einige der Videos ansieht, wird einem um die jungen Frauen und Männer teilweise ganz Angst und Bange um sie. Natürlich lächeln die in die Kamera und erklären, wie schön alles ist - was sollen sie auch anderes tun?
Ergebnis war übrigens: Einige haben passabel gelernt Ski zu fahren, zu Olympia ist davon keiner gekommen.
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Und auch das ist etwas, wo Du Birnen mit Äpfel vergleicht oder gleich durcheinander wirfst, sorry Mr Burns
Natürlich wurden in China für Olympia für teures Geld ausländische Trainer verpflichtet und man lag im Bereich Ski-Alpin natürlich um Lichtjahre daneben, als man glaubte, dort binnen einem Jahr konkurrenzfähig zu sein. Und natürlich fuhren da junge Sportler die Pisten herab, die eigentlich noch zu schwierig für sie waren.
Aber das was Du machst, ist etwas völlig Anderes. Du suggerierst nämlich, dass sie dies nicht freiwillig gemacht hätten und dass sie dazu gezwungen wurden und dass sie nicht "Nein" hätten sagen können, ohne Repressalien befürchten zu müssen......Und das ist dann unredlich, weil dies eben so nicht richtig ist und nur die hier üblichen Klischees bedient......
Jetzt sollten wir uns aber wieder dem Sport und dem Smash zuwenden......