Es wurde auch schon vermutet, dass sowohl Ding als auch Nepomnjaschtschi in einem WM-Match gegen Magnus Carlsen ganz anders agieren würden als bei ihrem jetzigen Aufeinandertreffen. (Es würde sich wohl keiner von beiden zutrauen, Magnus Carlsen zu überspielen und daher gingen sie vorsichtiger zu Werke.)
Nun aber sehen beide eine realistische Chance und gehen daher größere Risiken ein, Partien zu eigenen (Un-)Gunsten zu entscheiden.
In der (unlängst beendeten) achten Partie (Nimzo-Indisch) lässt Ding wirklich eine Riesen-Chance liegen: Er hat genug Zeit, muss praktisch nur zwei Varianten berechnen, die beide mit einem Schachgebot seiner Dame beginnen -- und steht dann sicher auf Gewinn. Stattdessen wählt er nach ca. zwei Minuten einen Läuferzug.
Wenn Ding die gleiche Stellung in irgendeinem anderen Turnier bekäme -- er würde wohl entweder intuitiv den richtigen Zug spielen, z.B. beim Blitzen, oder er würde sich die Zeit nehmen, die konkrete Stellung einmal gründlich anzuschauen und durchzurechnen. Aber die Situation eines WM-Matches scheint einen so großen Druck aufzubauen, dass er hier ein Abspiel übersieht, welches sehr viel schwächere Spieler höchstwahrscheinlich gefunden hätten.
Die Eröffnungen werden übrigens weiterhin munter durchgewechselt.
In der 9. Partie (läuft jetzt gerade) versucht es Ding mit der Berliner Mauer