Zitat:
Zitat von A. Lange
Ein solches System kann doch niemals funktionieren!
Welchen Anreiz sollte es noch geben zu studieren, sich weiter zu bilden,
viel zu arbeiten, wenn einem Hilfsarbeiter das Gleiche zustehen sollte,
wie einem Professor oder Doktor?
Richtig! Gar keinen!
Ein absolut gerechtes System kann es niemals geben.
Aber gerade in Deutschland kann man mit viel Fleiß etwas erreichen, auch
wenn man nicht aus einem reichen Elternhaus kommt.
Zur Not auch in der Abendschule, Fernstudium oder mit Wochenendarbeit.
Das muss man aber auch wollen.
Klar, wenn man natürlich am Freitag um Punkt 12 Uhr den Stift oder
Schraubenschlüssel fallen lässt und der Chef einem den Buckel runter
rutschen kann, wird es vielleicht nichts mit dem eigenen Haus.
Ist ja auch ok, wenn einem Freizeit lieber ist.
Dann soll man aber bitte nicht über den Porschefahrer herziehen und
unserem Staat als unsozial erklären und Luxus für alle fordern.
Oder noch besser, Luxus verbieten oder kontingentieren 
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Zunächst mal absolute Zustimmung. Aber wie beurteilst du in diesem Zusammenhang die immer stärker wachsende "Generation Erbe", die eben gerade nicht das Geschäft operativ weiterführt, sondern, und das werden immer mehr, im Grunde nur aus dem Vermögen Rendite kassiert.
'Von Beruf Sohn/Tochter" nimmt, gerade bei Hochvermögen, immer mehr zu. Bei prominenten Beispielen wie Luisa Neubauer oder Carla Reemtsna sieht man ja, was dabei dann oft herauskommt. Im TT Bereich gibt es ein Unternehmen, wo die Tochter mit der Firma wohl auch nicht viel am Hut hat und lieber (wer finanziert den Spaß wohl?) Autorennen fährt, dasselbe hier vor Ort bei einem ganz großen Unternehmen. Ein Erbe macht voll mit, die anderen beiden fahren Autorennen bzw. Reiten.
Ein Phänomen, welches speziell ab der dritten/vierten Generation immer mehr zunimmt. Viele dieser großen Mittelständler oder Vernögen sind in der Nachkriegszeit aufgebaut worden, die zweite, teilweise dritte Generation sah sich noch der Firma verpflichtet, danach hat oft ein völliges Desinteresse der Erben eingesetzt.
Die gesellschaftliche Problematik sehe ich einfach darin, dass absoluter unternehmerischer Nichtleistung, ein Vermögen gegenübergestellt wird, welches selbst höchstqualifizierte Chefärzte etc. kaum jemals erreichen können.
Meinst du nicht, dass hier bei der Besteuerung (Erbe, laufende Ausschüttungen) vielleicht doch zwischen Leistung und Nichtleistung differenziert werden sollte?
Zum "Luxus": Was man oft nicht bedenkt ist, dass viele Unternehmen letztendlich davon abhängig sind, dass sich zumindest eine relativ breite Schicht bestimmte Dinge leisten kann. Ich drücke es mal so aus, dass im Grunde in der westlichen Welt ein Alleinverdiener mit seinem Einkommen eine Familie so gut versorgen können sollte, dass, ich drücke es mal plump aus, für den Mann "Fussball, Bier und Alufelgen", für die Frau "'Shopping, Yoga, Friseur/Kosmetik" drin sind und die Hobbys der Familie inkl. der Kinder auch noch leistbar sind. Und wo die Frau mitarbeitet auch ein Häuschen im Grünen.
Hier ist, so ehrlich muss man sein, in den letzten 20 Jahren schon teilweise ein Ungleichgewicht entstanden. Wer als Metaller jeden Tag 3 Überstunden macht, als Handwerksgeselle das ganze WE schwarz malocht, der macht das doch nicht zum Spaß an der Freude. Auch nicht die Frau, die 3 Monate nach der Geburt schon wieder Vollzeit ackert.
Umgekehrt habe ich noch nirgends einen Angestellten gesehen, der einem Unternehmer, auch Erben, irgendetwas neidet, wenn der das Schiff am laufen hält und sich, lustigerweise machen genau die das am wenigsten und leben oft bewusst bescheiden, dann mal was gönnt.
Problematisch wird es nur bei gefühlter Ungerechtigkeit. Wenn bis zum Schichtleiter 90% aus einer Leihbude kommen, in der Firma der Knüppel rausgeholt wird, der Chef dann aber großspurig sein Gesicht als neuer Sponsor irgendeines lokalen Vereins in die Kamera hält.
Zufällig sind es genau diejenigen, die öffentlichkeitswirksam lokal über Fachkräftemangel klagen, bei denen aber in Klein- und Mittelstädten wo die Mundpropaganda funktioniert, niemand anfangen will. Das Gegenteil ist bei klassisch nach guter Kaufmannsart geführten Firmen der Fall. Da stehen die Leute schlange.
Das Thema ist generell sehr komplex. Da gibt es auch nicht Schwarz oder Weiß. Das Problem sind die Auswüchse auf beiden Seiten. Wo die Gier und Selbstsucht überhand nimmt muss der Staat eingreifen, genauso aber da, wo für wenig Leistung viel verlangt wird.
Plumpe Parolen wie "alles wrgnehmen" auf der einen und "ich will überhaupt nix zahlen, weder Steuern noch gerechte Löhne" sind wenig zielführend.
Wohin das führt kann man in jeder Bananenrepublik beobachten. Da wohnt der Unternehmer abgeschottet in der Gated Community, geht nur mit Leibwächter raus, die MA hausen in Baracken. Kann jeder in Indien oder Brasilien beobachten.
Die Frage ist, ob man das in Europa wirklich will.