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Alt 11.07.2001, 14:03
Rahul Nelson Rahul Nelson ist offline
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Rahul Nelson ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
Es gibt - grob eingeteilt - drei Gruppen von Aktiven:
a) Die ältere Generation, die Tischtennis ohne Frischkleben gelernt hat und ihr Spiel auch nie umgestellt hat.
b) Jene Generation, die ihre technische Grundausbildung ohne Kleben absolviert hat und dann irgendwann damit begonnen hat.
c) Die Generation, die mit dem Kleben aufgewachsen ist.
Zur Gruppe b gehören übrigens Waldner und Persson, Roßkopf und Struse usw. Was viele nicht wissen: Jörg Roßkopfs spektakulärer Rückhand-Topspin und Perssons ebenso spektakulärer Rückhand-Schuß wurden viele Jahre ungeklebt gespielt. Rossi hat auf der Rückhand erst recht spät mit dem Kleben begonnen. Harte und spektakuläre Bälle zu spielen, ist also grundsätzlich auch ohne Frischkleber möglich. Die heutige Spielweise aus der Halbdistanz ist in dieser Form allerdings ohne Kleber kaum machbar.
Dennoch hat sich die Spielkultur in den letzten 25 Jahren nach meinem Empfinden negativ entwickelt - auch deshalb, weil viele Kinder einfach zu früh mit dem Kleben beginnen. Tempo- und Rotationswechsel werden heutzutage von vielen kaum noch gelernt - der Kleber bietet auf niedrigem Spielniveau eben schon frühzeitig die Möglichkeit, ausschließlich über Tempo zu punkten.
Tischtennis war früher vielfältiger; es gab sehr viele Wege zum Sieg. Ich denke, daß letztlich auch die Zuschauer durch diese Entwicklung einen Nachteil haben: Es ist definitiv so, daß die Ballwechsel heute kürzer sind. Die für Laien eher nachvollziehbare Arten zu punkten, nämlich über Plazierung und nicht nur über Tempo, ist in den Hintergrund gerückt. Neben den Abwehrspielern sind auch die Block- und Konterspieler schon eine bedrohte Spezies.
Ich persönlich bedaure eine Entwicklung, die dahin führt, daß am Ende alle mehr oder weniger gleich spielen. Andererseits würde Tischtennis ohne das Frischkleben der Generation c) gewiß nicht so viel Spaß machen, da diese Aktiven eben nicht gelernt haben, anders zu spielen.
In diesem thread und den anderen threads zum Frischkleben wiederholen sich die Argumente, doch ein paar Fakten sind noch nicht benannt worden und wohl auch vielen nicht bekannt:
In Schweden ist das Frischkleben bis zum 16. Lebensjahr grundsätzlich verboten!
In einer Umfrage unter den beruflich im Tischtennis engagierten A-Lizenz-Trainern in Deutschland haben nahezu alle erklärt, sie würden ein Klebeverbot begrüßen (ich glaube, das war vor etwa zwei Jahren).
Das Frischklebeverbot, das die ITTF für wenige Tage (bis zum erfolgreichen Protest der heute nicht mehr bestehenden Spielergewerkschaft CTTP) eingeführt hatte, ging zurück auf eine Artikelserie des dts, in der über die gesundheitlichen Gefahren des Frischklebens informiert wurde. Einige Folgen damals: Die französische Nationalmannschaft hörte freiwillig (ohne Verbot) mit dem Frischkleben auf; die Schweden klebten nur noch mit Gasmasken; die Industrie entwickelte jene schadstoffreduzierten Kleber, die heute auf dem Markt sind.
Im Rahmen der WM in Osaka hat ITTF-Präsident Adham Sharara erklärt, man wolle ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen (und nicht, um das Spiel zu verlangsamen) das Kleben in der heutigen Form künftig nicht mehr zulassen; es werde sich aber bis 2004 (Olympia) nichts ändern. Ab dann sollten mehr als die derzeit nur drei Richtwerte für Giftstoffe in den Klebern eingeführt werden.
Generell halte ich Vergleiche mit dem Rauchen, Tanken oder anderen gesundheitsschädlichen Vorgängen für völlig verfehlt. Niemand gibt Tanken als sein Hobby an; und keiner behauptet, Rauchen sei gesund; vom Sport wird dies aber selbstverständlich erwartet. In einer Zeit, in der alle Sportverbände um ihre Mitglieder kämpfen müssen, ist ein sauberes Image für Tischtennis wichtiger denn je.
Rahul

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