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Alt 08.08.2023, 16:14
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AW: FISU World University Summer Games 2023 (28.07. - 08.08.2023, Chengdu, CHN)

Zitat:
Zitat von Duisbergsch Beitrag anzeigen
@Wolf11, erstmal danke für deine profunden Ausführungen hier im Thread. Mich würde interessieren, wie China für diese Veranstaltung nominiert hat. Gibt es chinesische Hochschulmeisterschaften oder hat sich z.B. eine Qian TianYi früh genug immatrikuliert, um dieses Event "mitzunehmen"? Oder hat der chinesische TT-Verband nominiert? In Deutschland ist der ADH dafür zuständig. Dieser nimmt auch nicht jeden mit. Ein Kreisligaspieler hätte keine Chance, er hätte sich aber auch erst gar nicht qualifiziert.
Hallo Duisbergsch,

zu Deinen Fragen...

JA, in China gibt es jährliche chinesische Hochschulmeisterschaften. Diese sind aber nicht Voraussetzung zur Teilnahme an den World University Games, werden aber als eines von mehreren Kriterien zur Nominierung mit herangezogen.

Die Nominierung der Athleten wird so ähnlich wie bei olympischen Spielen vorgenommen. Das heisst, die jeweiligen Fachverbände geben eine Empfehlung an den chinesischen Hochschulverband ab und dieser nominiert dann die Athleten in letzter Konsequenz, hat also sozusagen die Entscheidungsgewalt.

Zu Deiner Frage bezüglich Qian TianYi........Sie ist Vollprofi-Spielerin und daher derzeit auch keine "aktive" Studentin, die täglich studiert, aber es ist definitiv NICHT so, dass sie sozusagen "sich zur Studentin gemacht hat bzw. gemacht wurde, um an diesen Spielen teilzunehmen", wie das hier im Forum fälschlicherweise und aus Unwissenheit ja immer wieder gerne suggeriert wird, womit natürlich wieder Klischees bedient werden ......Qian TianYi ist seit 2019 als Studentin immatrikuliert, zunächst an der Shenyang Sport University, später dann an der Shanghai University of Sport. Dies war eine völlig natürliche Immatrikulation. Wie es bei vielen erfolgreichen Top-Sportlern auf der Welt der Fall ist, hat sie ihre Profikarriere zunächst einmal vorangestellt, wird aber möglicherweise es ähnlich tun, wie es in China viele Top-Sportlerinnen gegen Ende ihrer Karriere getan haben und ihr Studium weiter intensivieren. Ähnlich haben das ja auch beispielsweise Ding Ning und Guo Yue gemacht, zwei Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen, deren Lebensweg ich ja hier im Forum auch schon mal thematisiert hatte.

Danke auch noch für Deinen Hinweis, das "Kreisligaspieler" auch bei uns in Deutschland keine Nominierungschancen hätten, denn ich finde es nicht wirklich richtig, die deutschen Teilnehmer hier als "Hobbysportler" hinzustellen. Auch beispielsweise bei den deutschen Teilnehmerinnen im Bereich Tischtennis sind da Sportlerinnen darunter, die 1. Bundesliga, teilweise seit bis zu 10 Jahren, gegen internationale Gegnerinnen spielen und da ist dieser Begriff nach meiner Meinung wirklich nicht angebracht

Zitat:
Zitat von Tackiness Beitrag anzeigen
In der Abschlussbilanz gewann China 103 von 269 Goldmedaillen. Weit dahinter Japan mit 21, Südkorea und Italien mit je 17, Polen mit 15, usw. (Deutschland auf Platz 12 mit 4 Gold). Bei der letzten Universiade 2019 in Neapel lag noch Japan vorne mit 33 Gold vor China und Russland mit je 22, aber in der Zwischenzeit haben sich die chinesischen Studierenden offensichtlich massiv verbessert. Wenn der deutsche Hochschulsport bis 2025 einen ähnlichen Schub bekommt, wird es an Rhein-Ruhr ja einen Goldregen geben! Tischtennis wird übrigens in der Messe Düsseldorf gespielt werden.
In der Tat eine fast erdrückende Überlegenheit, die ich bisher hier bewußt nicht thematisiert habe, um nicht die nächsten unsachlichen Diskussionen heraufzubeschwören.

Hier hat zunächst sicherlich auch der Heimvorteil eine gewichtige Rolle gespielt. In 2 Jahren in Deutschland wird China voraussischtlich diesen Medaillenspielgel auch wieder anführen, aber sicherlich mit einer nicht ganz so großen Dominanz. Dieser Heimvorteil ist ja immer ein wichtiges Kriterium. Das sah man in den vergangenen Jahren beispielsweise auch an Großbritannien, die seit London 2012 bei Olympia sozusagen die dritte Kraft hinter China und den USA wurden, zuletzt auch an Japan, und man wird es nächstes Jahr auch an Frankreich sehen, die sich sicher in die Top-5 dieses Medaillenspielgels vorkämpfen werden.

Dann muss man einfach sehen, dass in China der Hochschulsport, genauso wie übrigens auch der Behindertensport, extrem stark gefördert wird und es dann natürlich ganz zwangsläufig zu den entsprechenden und vor allem auch verdienten Erfolgen kommt. Bei den Paralympics ergab sich zuletzt ja ein ähnliches Bild mit einer extremen Überlegenheit der chinesischen Sportler. Hier sollten sich vielleicht einmal andere Nationen hinterfragen, ob ihre eigene Sportförderung immer wirklich optimal genutzt wird.

Und wenn wir zuguterletzt uns einmal die Ergebnisse von Chengdu sportartenspezifisch etwas genauer ansehen, dann kann man erkennen, dass sie eigentlich voll im Trend der Sportarten an sich liegen...

China hat in Chengdu in jenen Sportarten abgeräumt, in denen sie generell führend sind...

- im Tischtennis haben sie alle 7 Goldmedaillen gewonnen
- im Wasserspringen haben sie alle 15 Goldmedaillen gewonnen.

Sportarten also, die sie auch bei Olympia und Weltmeisterschaften dominieren....

- im Schwimmen holten sie 18 Goldmedaillen, was ebenfalls im Trend liegt, was man ja auch gerade bei den zu Ende gegangenen Schwimm-Weltmeisterschaften sah, wo sie ja auch den Medaillenspiegel anführten

Weiterhin dominierten sie Sportarten, in denen sie ebenfalls traditionell sehr stark sind wie etwa.....

- Badminton mit 4 von 5 Goldmedaillem
- Turnen mit 9 Goldmedaillen
- Taekwondo gemeinsam mit Südkorea je 7 Goldmedaillen
- Wushu, ein asiatischer Kampfsport mit 11 Goldmedaillen
- Rudern, das zuletzt in China stark gefördert wurde, mit 4 Goldmedaillen..

Aber auch andere Sportarten wurden in Chengdu von jenen Nationen dominiert, die diese auch generell dominieren bzw. mitbestimmen....

Beispiele dafür.....

Bogenschiessen - Südkorea führend mit 4 Goldmedaillen
Judo - Japan führend mit 11 Goldmedaillen
Fechten - Frankreich führend mit 4 Goldmedaillen
Rhythmische Sportgymnastik - die Ukraine führend mit 2 Goldmedaillen
Schiessen - Indien führend mit 8 Goldmedaillen...

usw..

Vieles lag also bei diesen University Games durchaus im Trend und ist auch wirklich sachlich nachvollziehbar


P.S.
Deine Bemerkungen in Deinem letzten Posting fand ich mal wieder als etwas suboptimal. Ob Du es glaubst oder nicht, aber es gibt Sportlerinnen, die auch abseits vom Wettkampfsport noch ein Leben haben. Diese Klischees, die hier bedient werden (2019 immatrikuliert, um Jahre später an University Games teilzunehmen) sind doch wirklich absurd. Und um TianYi's Abschlussarbeit mach Dir mal keine Sorgen....Guo Yue beispielsweise führt heute eine Firma mit vielen Mitarbeitern, nachdem sie ihren Uni-Abschluss mit summa cum laude (nach der TT-Karriere) gemacht hat. Und das sicherlich nicht, weil sie mal eine begnadete Tischtennisspielerin war. Der Beispiele könnte ich Dir noch mehr aufzählen.

Geändert von Wolf11 (08.08.2023 um 16:27 Uhr)
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