Ich finde das Thema/Produkt durchaus spannend, finde es aber durchaus schwierig die Hintergründe zu durchschauen. Nach meiner Einschätzung kann man davon ausgehen, dass die Schwämme gängiger Tischtennis-Beläge aus geschlossenzelligem Schaum bestehen. Entsprechen dringt der auftreffende Ball in den Schwamm ein, die gasgefüllten "Zellen" resp. das enthaltene Gas werden kurzzeitig komprimiert, anschließend dekomprimiert sich das Ganze wieder nahezu auf Ausgangsniveau. Damit dass so funktioniert müssen die Zellwände leidlich gasdicht sein, zumindest mal bei schlagartiger Druckänderung.
So wie ich (Werks-)Tuning verstanden habe wird der Gasdruck in den Zellen erhöht und gleichzeitig, vermutlich durch einen Überschuss an korrspondierendem Mittel, ein gewisser Puffer geschaffen, der hilft, die getunten Eigenschaften eine Weile zu erhalten. Die nachlassenden Eigenschaften moderner Beläge wären dann auf 2 Faktoren zurückzuführen:
- Die puffernden Mittel erschöpfen sich
- Die Zellen sind eben nicht komplett gasdicht, gleichzeitig leiden die Zellwände durch die mechanische Belastung und verlieren etwas an Stabilität.
Es verringert sich also schleichend das Zellvolumen und der Druck in den Schwammzellen, das deckt sich zumindest mal mit den Erfahrungen die man macht, die Beläge werden „lebloser“ und haben nach dem Abziehen vom Holz häufig merklich an Größe/Volumen verloren.
Wenn man die Zellwände als Membran begreift, die bei schlagartigem Druckwechsel leidlich gasdicht ist, auf Strecke aber eben doch geneigt ist einen Druckausgleich mit der Umgebung herbeizuführen, dann ist die spannende Frage tatsächlich in welcher Zeit und bei welchem (Über)Druck wieviel Gas in die Zellen diffundiert, und wie lange es dauert bis sich der Druck dann wieder dem normalen Luftdruck angleicht.
Mit Kleberschicht „versiegelt“ oder nicht, dass sollte aus meiner Sicht keine große Rolle spielen:
Es ist reichlich „offene“ Fläche zwischen Noppengummi und Schwamm vorhanden. Dort wird sich der aufgebrachte Druck unvermeidlich und unmittelbar einstellen und auf der kompletten Fläche auf den Schwamm einwirken. Entscheidend ist der Druck der innerhalb der Zellen erzielt wird, und der sollte gänzlich unabhängig davon sein, ob der Belag rückseitig eine Kleberschicht aufweist (s.o.), wenn die Zellwände im Schwamm denn tatsächlich diffusionsoffen sind und innerhalb der avisierten 24 Stunden im Überdruck ein Druckausgleich stattfindet.
Aufgeklebt auf ein Holz oder nicht kann hingegen durchaus einen Unterschied machen:
Der lose Belag wird „aufgepumpt“ und reagiert auf den inneren „Überdruck“ u.a. mit Längen- und Breitenwachstum. Wird der Belag so aufgeklebt ist er vorgespannt, was sich zunächst mal „leistungssteigernd auswirken sollte.
Der aufgeklebte Belag kann dem Überdruck statt in drei nur in einer Dimension (Dicke) nachgeben, was vermutlich dazu führt, dass in den Zellen der Druck etwas höher ist und der Belag auch merklich dicker.
Nutzt man die Box zur Auffrischung älterer Beläge, sollten aber beide Wege dazu führen, dass man sich den ursprünglichen Eigenschaften des Belages annähert: Die ursprüngliche Breite/Länge ist auch im nicht aufgeklebtem Zustand gegeben und der Zelldruck ist wieder nahe dem Auslieferungszustand.
Ich hab jetzt also mal 2 alte Beläge mit Kleberschicht in Länge, Breite und Dicke gewissenhaft vermessen, auf ein Holz ohne Kleberschicht aufgelegt und bei 30 PSI in die Box eingelegt. Morgen werde ich die Dinger entnehmen und erneut vermessen, diese Messungen wiederhole ich dann periodisch. In der Winterpause behandle ich dann mal meine Halbserienalten Beläge damit und beobachte, wie sich die Spieleigenschaften in den 4 wettkampffreien Wochen entwickeln.