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Alt 18.01.2024, 19:46
michelfeu michelfeu ist offline
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michelfeu trifft öfters den Nagel auf den Kopf (Renommeepunkte mindestens +100)michelfeu trifft öfters den Nagel auf den Kopf (Renommeepunkte mindestens +100)
AW: Sunflex Sun Power und Sun Control

Hallo, erneut durfte ich durch ein Gewinnspiel einen Belag testen. Dieses Mal: den Sunflex Sun Control in rot und max. Vielen Dank dafür.

Die offizielle Werbung:
Zitat:
Der Belag kommt mit klebrigem Topsheet und mittelhartem Schwamm. Ein Maximum an Spin und Kontrolle zeichnet das Spiel aus. Mit Tense Up Technologie.
Eine offizielle Härte wird nicht angegeben, dafür Beschreibungen wie “medium-soft” und eben “tense up”.

Gespielt und getestet wird / wurde der Belag auf einem Bty Liu Shiwen 88g in ST, mit 2x2 Lagen Revolution No 3 normaler Viskosität. Auf der anderen Seite klebt ein Nittaku DHS Hurricane Pro Turbo Blue in schwarz / 2mm. Der wurde nötig, weil das geschnittene Gewicht des Sun Control derart von meinen üblichen Belägen nach unten hin abwich und ich einen Gegenbelag brauchte, der (noch) mehr wiegt als mein Standard-Belag DHS G666. Ziel war, den Gewichtsunterschied zu meiner letzten Spiel-Kombi (G666+VJC>07 Sticky Extra) nicht zu groß werden zu lassen. Das ist damit gelungen.

Gewicht des Sun Control in OVP 91g; ungeschnitten 55g, ungefähres Gewicht des geschnitten Belags 38g (bei 158x152 Blattmaß). Der Schläger als Kombi wiegt 189g.

Der Belag liegt flach auf dem Tisch, keine große OG-Spannung. Das OG ist tatsächlich leicht klebrig, der Schwamm fühlt sich für mich eher soft als medium an und drückt sich sehr leicht ein. Ein Ballaufheben ist vielleicht fünf bis zehn Zentimeter möglich, am Belag klebt aber kein Ball lang.

Bevor ich den Sun Control testete, machte ich noch eine Einheit mit dem letzten All-Belag, den ich reviewte, dem Victas Regular Alpha. Das deshalb, weil meine Vermutung war, dass beide einer Geschwindigkeits- und Produktklasse angehören.

Auch wenn das im Groben so stimmen mag, so ist der wichtigste Unterschied zwischen den Belägen die Schwammhärte. Während der Regular Alpha einen sehr kompakten Schwamm aufweist und die Oberfläche auch eher härter als weicher ist, ist der Sun Control weich. Das bestimmt auch den spielerischen Umgang mit dem Belag, denn fast das erste, was mir im Training auffiel war, dass bei starker Rotation kaum kurze Ablagen möglich sind. Die Bälle springen im Gegensatz zum Alpha heftig aus dem Belag heraus.

Das zweite, was auffällig wurde, war ein Durchrutschen des Balls bei meinem gewohnt tangentialen, spin-orientiertem Treffpunkt. Ich brauchte mehrere Trainingseinheiten, um meine Technik in Richtung frontalerem Ballkontakt anzupassen. Ich kann mir das nur so erklären, dass die leichte Klebrigkeit in Verbindung mit dem weichen Schwamm des Belags einfach ein stärkeres Eintauchen des Balls benötigt, um ihn gut zu greifen.

Der Belag erzeugt kein Spin auf höchstem Niveau, das ist ja auch nicht Sinn und Zweck des Herstellers. Es soll ein gut zu kontrollierender Belag sein, mit dem eigentlich alles gespielt werden kann. Das Besondere, die leichte Klebrigkeit, soll die Rotationswerte erhöhen. Das vermag ich so nicht zu sagen – beobachte ich nicht allzu stark.

Zurück zum Rückschlag mit dem Belag. Gerade weil hier der Belag ankommende Rotation für mich stärker als der Alpha annimmt, kann ich nicht behaupten, dass Kontrolle seine beste Eigenschaft ist. Passivere Rückschläge werden zu lang, zu hoch, zu unkontrolliert. Gegen einen besseren Spieler die perfekte Vorlage zum dritten Ball.

Ein aggressiver Druckschupf ist nicht sonderlich aggressiv, Topspins sind okay, können einigermaßen variierend (langsam-rotationsreich-hoch bis schneller-flach) gespielt werden. Da ich den Belag als RH-Belag nutzte, war ich anfangs überrascht, dass ich scheinbar leichtere RH-TS spielen konnte, d.h. mit weniger Geschwindigkeit am Balltreffpunkt. Das hat aber den Nachteil, dass manche Bälle eher Heber als Topspins werden. RH-Flips okay, aber eher kontrolliert-gutmütig, als flach-schnell-präzise.

Im Unterschnitt-Abwehr-Spiel lässt sich der Belag gut einsetzen, wenngleich ich da mit der RH kein Pro bin. Der Block ist mir allgemein zu schwammig, da fehlt die Präzision, die mit größerer Härte kommt und ich merke das daran, dass zu viel Varianz in der Platzierung entsteht (Block auf Seitenlinie – mal drin, mal Kante, mal im Aus).

Ich bin aktuell bei 20-Stunden Belag-Test-Zeit mit vielen Trainings und einigen Spielen. Ich musste den Belag bereits dreimal neu aufkleben, weil ich 1. einen üblen Kantentreffer beim Reverse-Pendulum erzeugte und 2. mit dem Belag an einer Hallen-Matte beim Halbdistanz-Einspielen entlangschrammte. Dabei nahm der Revolution immer etwas vom Schwamm mit (weil soft), sodass ich mutmaße, das der Belag noch einmal weniger Gewicht drauf hat als beim ersten Kleben.

Das, was mir leider nicht zum Positiven auffällt, ist die Haltbarkeit des Belags. In Trainings, in denen ich Zuspieler bin und Spinblocks zur Temposteigerung spielen soll, zeigt der Belag bereits jetzt Inkonstanz bei den Absprüngen, so als greife er den Ball nicht mehr gut genug. Die Bälle werden immer kürzer und müssen mit immer mehr Power gespinnt werden, um über das Netz zu gehen, dann schießen sie plötzlich beim nächsten Ball unerwartet raus oder stürzen flach ab, sodass sie im Netz landen.

Fazit: eine für mich (individuell) nicht als passend empfundene Mischung aus leichter Klebrigkeit und weichem / weicherem Schwamm. Eine zu starke Reaktion auf ankommenden Spin. Eine unerwartet kurze / verkürzte Haltbarkeit. Und: es gibt mM bessere, weil kontrolliertere, haltbarere, leistungsfähigere Alternativen, wie Regular Alpha, Intro, Duro (diese aber ohne Klebrigkeit).

Da mein Hauptkritikpunkt die spezielle Mischung ist, möchte ich ein weiteres Sunflex-Produkt testen, das nah dran ist. Den Zeno, der eine weich-klebrige Oberfläche mit einem eher harten Schwamm haben soll. Vielleicht lande ich mit dem eine preisgünstigere Alternative zum VJC>07 Sticky Extra. Bin gespannt. Bis dann.
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