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AW: Oberliga BaWü
Als Mannschaftsführer und Vertreter des „Stuttgarter Management“ darf ich mich zum Spiel gestern und der aufkommenden Diskussion äußern.
Fakt ist: Ottenau ist seit vielen Jahren ein in Stuttgart von den Zuschauern gern gesehener Gast. Grund: Die Mannschaft lieferte immer guten Sport und kämpfte beherzt. Gestern nun trat Ottenau in einer Aufstellung an, die nicht unserem Wunsch entsprach, den Zuschauern ein Spitzenspiel zu bieten. Mechler – gegen uns immer mit Top-Leistungen – reiste nicht von seinem Studienort an. Li Shi Dong wollte mit einem Schläger spielen, dessen Vorhand-Belag nicht den Regeln entsprach, wie der Oberschiedsrichter feststellte. Eine Vielzahl von Unebenheiten kennzeichneten die Oberfläche. Um es anschaulich zu machen. Der Belag sah aus wie ein Autoblech nach einem Hagelschaden. Unserer freundlichen Bitte, den Belag auszutauschen, kam Shi Dong nicht nach. Noch erstaunlicher seine Aussage: Er würde dann eben gar nicht spielen, dann sehen ihn die Zuschauer (übrigens: 130) nicht. Dazu kein weiterer Kommentar. Jedenfalls sehe ich keine Schuld beim Sportbund Stuttgart, dass es kein gutes Spiel wurde (nochmals: Ich schätze die Ottenauer Mannschaft seit Jahren. Nur: Gestern war in jeder Hinsicht nicht ihr Tag.)
Bemerkungen zur Vereinspolitik des DJK Sportbund Stuttgart:
* Zur Belustigung des Stuttgarter Publikums muss sicher keine Mannschaft beitragen. Der Zuschauerstamm mit durchschnittlich 100 Zuschauern in den letzten 5 Jahren wurde in mühevoller Kleinarbeit aufgebaut: Echte Sportler freuen sich nach meiner Einschätzung eher darauf, vor solch einer Zuschauerkulisse zu spielen. „Aufgeilen“ wird sich niemand, wenn ein Markovic seine Spiele in der Oberliga sicher gewinnt – so realitätsfern sind die Zuschauer sicher nicht. Die gleichen Zuschauer kamen auch in den vergangenen Jahren ohne Markovic und haben sich vor allem über die Erfolge und die Entwicklung der Eigengewächse in der Mannschaft gefreut.
* Die Verpflichtung von Markovic ist - wie von einem Vorredner beschrieben - zum einen auf einen glücklichen Zufall zurückzuführen. Markovic war am 29. Mai 2004 nach dem Lizenzentzug von Karlsruhe „frei“. Aufgrund der sehr guten Kontakte unseres Jugend- und Spielertrainers Mozza Bojic (beide kennen sich aus Kindheitstagen) war die Verbindung dann schnell hergestellt worden.
* Zum anderen: Grund für die Verpflichtung eines (weiteren) Spitzenspielers – neben Bojic – war die Tatsache, dass wir die weitere Entwicklung unserer jungen Spieler unterstützen wollen. Nachdem in dieser Saison kein Konkurrent von der Spielstärke Frickenhausen 2 oder Plüderhausen 2 (Meister der Jahre 2002 und 2004) vorhanden war, sahen wir die Chance, den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Viele Jahre haben wir dafür nicht mehr Zeit, sonst ist die „Abwerbung“ unserer Eigengewächse logische Konsequenz.
* Das Argument, der Sportbund würde mit einer Profitruppe gegen Amateure oder gar (Spass-am-Sport-) Spatzen antreten, muss ich angesichts der Aufstellungen einer Vielzahl anderer Mannschaften der Liga doch als sehr erstaunlich ansehen. Außer Tuttlingen und Mühlhausen haben alle Teams ausländische Spieler in ihren Reihen – und die kommen natürlich als „Touristen“ und damit Amateure zu den Spielen:
Markovic ist natürlich ein Klassemann, trainiert täglich abends nach der Arbeit in Karlsruhe. Bojic (Wohnort seit 13 Jahren: Stuttgart) ist TT-Trainer bei verschiedenen Vereinen und Bezirks-/Verbandskadern, leitet u. a. auch in der Woche 6 Trainingseinheiten beim Sportbund (3 x Jugend, 3 x Oberliga-Mannschaft). Cheaib (20 Jahre), Frank (18 J.), Krieger (23 J.), Wirth (24 J.), Blagojevic (17 J.) und Wiese (20 J.) sind alle Schüler, Studenten bzw. im Beruf und leben nun wirklich nicht vom TT. Übrigens: Mit Cheaib, Krieger, Blagojevic und Wiese (zurzeit nach langer Verletzungspause nicht im Oberligateam, aber inzwischen wieder mit diesem Niveau) spielen 4 Eigengewächse (haben im Alter von 8 – 11 Jahren beim Sportbund angefangen und mehrere Medaillen bei Deutschen Jugend-MM für den Verein – und sich - gewonnen) in der Mannschaft bzw. werden nächste Saison dort spielen.
Fazit: Eine gewagte Aussage, da von einer „Profitruppe“ zu sprechen. Realistisch ist: Da stecken vor allem 15 Jahre Nachwuchs-Arbeit mit täglichem Training drin.
* Training vor Ort: Das Sportbund-Team trainiert dreimal wöchentlich gemeinsam, lediglich Markovic reist von seinem Wohnort Karlsruhe nur einmal (Mi.) an. Der Regelfall ist doch in den Spielklassen, über die wir sprechen, eher der: Das Team trifft sich max. freitags vor dem Spiel (wenn alle Auswärtigen angereist sind), spielt am Sa./So. und geht dann wieder in alle Himmelsrichtungen auseinander. Das war nie unser Konzept und wird es auch nie sein. Vielmehr bemüht sich der Verein mit einem Programm, das aus Nachwuchssichtung, intensiver –förderung aller Altersgruppen, Schul-AG´s, Hausaufgabenbetreuung und einer Vielzahl von gemeinsamen Freizeitaktivitäten für die Kinder und Jugendlichen im sozialen Brennpunkt Stuttgart-Ost besteht. Die Struktur ist auf eine Weise gewachsen, dass die Prognose nicht schwer fällt: Viele ehrgeizige Spieler, die auf diese Weise ihr Hobby gefunden haben, werden auch in den nächsten Jahren das Niveau der 1. und 2. Herren-Mannschaft erreichen.
Fazit:
Berücksichtigt man die Gegebenheiten des heutigen Leistungssports und die Bemühungen der in diesem Umfeld sich bewegenden Vereine, Spieler für diese Spielklassen zu „gewinnen“ und setzt dem gegenüber, welche Anstrengungen unternommen werden, um eigene Kräfte für diese Leistungsebene auszubilden und weiter zu fördern –
dann ist es besonders kurios, den DJK Sportbund Stuttgart – quasi als negativen Gegensatz zu anderen Vereinen - in die Ecke einer „eingekauften Profitruppe“ zu stellen.
Thomas Walter, Vorsitzender Förderverein „DJK Sportbund-Nachwuchsförderung e. V.“
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