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Alt 03.04.2024, 11:14
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Wolf11 Wolf11 ist offline
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Wolf11 hat keinen guten Ruf und sollte sich dringend bessern (Renommeepunkte mindestens -60)
AW: World Table Tennis (WTT) allgemein und Situation mit der ITTF

Es ist doch im Endeffekt egal, ob sich das Ganze WTT, ITTF oder sonstwie nennt, im Endeffekt kommt das Spitzen-Tischtennis nicht daran vorbei. Nationale Ligen werden dagegen keine Chance haben, so lange man auch mit Spielern aus den Top-100 dieser Welt spielen will. So ist die Situation, ob man das nun gut findet oder schlecht.

Das entscheidende Problem ist im Endeffekt die rechtzeitige Terminierung der Turniere. Ein gutes Beispiel liefert hier u.a. der Badminton-Weltverband, der gewöhnlicherweise zum Dezember eines Jahres den kompletten Wettkampfkalender des folgenden Jahres terminiert hat, womit sich nationale Ligen dann auch verlässlich danach richten können. Beim Tischtennis klappt das noch nicht, und dadurch kommt es natürlich zu diesem ganzen Dilemma.

Allerdings muss man auch konstatieren, dass die Terminierung der Turniere 2024 schon deutlich besser klappte wie die Terminierung 2023. Und diese war schon besser als die chaotische Terminierung des Jahres 2022. Unbefriedigend ist es trotzdem, wie man ja gerade an der Terminkollision des WTT Champions und der Champions League gesehen hat, aber zumindest scheint man auf einem ganz guten Weg zu sein, was man ja auch daran sieht, dass man nun immer stärker die ursprünglich angestrebte Zahl der Turniere erreicht (Bspw. 4 Smashes pro Jahr, 6 Champions usw.).

Reformieren muss die WTT dringendst ihren Aufbau und die Systematik ihrer Weltrangliste, da hier die Unzufriedenheit der Sportler/-Innen immer stärker wird, weil sie derzeit nach einem zutiefst ungerechten System erstellt wird, ebenso wird man etwas an den Zulassungskriterien der Sportler/innen tun müssen, wenn man nicht will, dass es gerade aus Richtung Asien massive Gegenmaßnahmen der Verbände geben wird.

Spieler wie Aruna oder auch einige andere (Deutsche ?) beschweren sich, weil sie zu der Teilnahme an WTT-Champions-Turnieren quasi gezwungen werden, andere Weltklassespieler-/innen, die von ihrem Leistungsstandard noch um Längen über einem Aruna stehen, wie etwa eine Chen YingTong, ein Lin GaoYuan, eine Qian TianYi, eine Miyuu Kihara und Miyu Nagasaki oder eine Kuai Man oder Lin ShiDong als beste(r) U-19-Spieler/-in, dagegen dürfen nicht an den WTT-Champions teilnehmen, obwohl sie dies sehr gerne täten.

So ist es beispielsweise ein absolutes Unding einer Sportart bzw. eines Weltverbandes, dass man eine Sportlerin, die Nr. 5 der Welt, die beim neben WM und Olympia größten Turnier dieser Welt, dem Grand Smash, gerade die Nr.1 der Welt förmlich von der Platte gefegt hat, nämlich Chen XingTong mit einem mitreissenden und begeisternden 4:2 gegen Sun YingSha, beim nächsten großen Turnier, dem WTT Champions, nicht mehr mitmachen lässt.

So etwas kann sich eine Sportart einfach nicht leisten und so etwas macht eine Sportart auch gegenüber ihren Konsumenten, den Zuschauern, unglaubwürdig und kaputt, die für die Karten dieser Veranstaltungen viel Geld bezahlen müssen, aber auch dafür teilweise an Streamingdiensten ihren Obolus beitragen müssen. Man will dort einfach die besten Sportler-/innen der Welt sehen und nichts anderes.

Dass Gehälter teilweise erst 2-3 Monate nach den Turnieren überwiesen werden, ist dabei nicht unbedingt etwas ungewöhnliches, wie das hier ja auch schon Chobbe angemerkt hat. Dies ist auch in vielen anderen Sportarten durchaus Usus.

Die Kritik von Aruna ist bis zu einem gewissen Punkt zwar verständlich und nachvollziehbar, aber mit seinem absurden Rassismus-Vorwurf ist er weit über das Ziel hinausgeschossen. So etwas geht gar nicht und wenn sich ein privilegierter Sportler wie er zu einer solchen Aussage hinreissen lässt, beleidigt er sämtliche Menschen, die wirklich unter Rassismus leiden.

Die WTT, oder wie immer das Konstrukt auch in Zukunft heissen mag, wird ihre Turnierserie, so weit ich das voraussagen kann, ausbauen und wird dann hoffentlich bald, ähnlich wie der geschilderte Badminton-Verband, eine verlässliche Terminaussage zu Jahresbeginn machen können, wonach sich dann nationale Ligen auch richten können.

Einen evtl. Machtkampf werden nationale Ligen aber niemals gewinnen können, sollten sie ihn jemals anstreben. Die absoluten Topspieler-/innen, sagen wir mal die Top30 bis Top50, brauchen diese nationalen Ligen finanziell nicht unbedingt und werden sich immer nach dem internationalen Wettkampfkalender ausrichten, Tischtennis ist und bleibt eben vor allem eine Einzelsportart. Manche mögen das verständlicherweise bedauern, aber es ist sicher die Realität. Dazu kommt auch noch, dass die Sportler-/innen aus Asien, die nun einmal die Leistungsspitze im TT darstellen, auch von ihren Verbänden finanziell abgesichert sind. In Nationen wie Japan, Korea, aber natürlich vor allem in China, wird über die internationale Wettkämpfe oder nationalen Ligen hinaus, für die finanzielle Absicherung gesorgt, was sie natürlich gegenüber Sportlern aus anderen Kontinenten auch etwas privilegiert. Das aber hat natürlich auch wieder andere Gründe und ist nicht das Problem eines Weltverbandes.

Nichtsdestotrotz aber ist natürlich auch der Weltverband gefordert. Er muss seine Terminierungen der Turniere endgültig in den Griff bekommen und für Terminsicherheiten sorgen und er muss dringendst sein Weltranglisten-System und seine Zulassungskriterien zu den Top-Turnieren reformieren, um diese ganzen diversen Problematiken aller Beteiligter zumindest abzufedern.

Ein Weltverband, eine WTT, oder wie immer diese auch in Zukunft heisst, wird aber nie "am Ende sein", wie hier teilweise geschrieben wurde. Vielleicht wird sich demnächst mal wieder der Name ändern, aber das Konstrukt bleibt.

Geändert von Wolf11 (03.04.2024 um 11:27 Uhr)
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