AW: Einführung einer zusätzlichen Turnierlizenz
Ein großes Problem ist das Rollen- und Selbstverständnis von Delegierten. Der klare Auftrag ist, das Votum die Interessen der entsendeten Stelle zu vertreten - nicht die eigene Meinung oder persönliche Interessen. Das verstehen leider viele, sogar Spitzenfunktionär*innen, nicht. I.d.R. ist die Informationslage vorab schlecht und es gibt einen Wissensvorsprung der Spitzenfunktionär*innen, Vorbesprechungen von Delegationen und ggf. Kontaktaufnahme und Interessenabwägung mit anderen Delegationen sind die absolute Ausnahme. Das fördert die Rolle als Stimmvieh und das Durchwinken durch Wissenshierarchien und gute Vorbereitung.
Die sowieso schon systemisch stark begrenzten Partizipationsmöglichkeiten der Basis haben starke Demokratiedefizite. Spätestens dann, wenn Entscheidungen von handverlesenen Hauptamtlichen im Sinne ihrer Verbandsmitglieder getroffen werden sollen. Wenn man andere Verbandsstrukturen außerhalb des Sports betrachtet, ist es völlig undenkbar, dass Hauptamtliche gleichzeitig ehrenamtliche Spitzenämter ausüben. Der ehrenamtliche Vorstand bzw. Versammlungen sind die höchsten Beschlussgremien. Das Hauptamt ist der geschäftsführende verlängerte Arm des Ehrenamtes. Soviel zur Theorie und der Praxis aus anderen Verbandsstrukturen.
Da klingt der Verweis auf demokratische Legitimation schon nach Hohn - alleine von der systemischen Konstruktion. Ich unterstelle erst einmal jeder/ jedem Funktionär*in gute Absichten für den TT-Sport. Doch gibt es da leider real existierende recht offensichtliche Beispiele, dass da ganz andere Interessen eine Rolle spielen. Persönliche Interessen, institutionelle Interessen, wirtschaftliche Interessen, Abhängigkeiten, Geklüngel. Wenn es da wie beim TT keine wirklich funktionierende Kontrollinstanz gibt, ist das schwierig.
Jedes Mitglied bekommt die Satzung, die es verdient. Ich sehe leider wenig Interesse bei den Mitgliedern (aus Vereinen) auf allen Ebenen, hier etwas im Sinne von mehr Partizipation und deutlicherer Trennung von Hauptamt und Ehrenamt zu ändern bzw. Mehrheiten dafür zu organisieren. Deshalb sehe ich hier den Hauptaugenmerk, dass nicht noch weiter ehrenamtliche Beteiligungsmöglichkeiten beschränkt werden.
Mir fällt da ein Spitzenfunktionär ein, der sehr offen das Ehrenamt totredet und sich noch mehr professionelles Hauptamt zum Durchregieren wünscht.
Ehrenamt wird in einer Cost-/Profitabwägung eher als Kostenfaktor für Tagungsgelder, Reisekosten, Mietkosten - und vor allem Aufwand - betrachtet.
Die Nutzenseite von lebendiger Partizipation wird selten gesehen. Und da kommt dann leider auch das Problem bei ansich guten Projekten zur Sportentwicklung. Sie lassen sich nur erfolgreich auf die Schiene setzen, wenn es einen guten und wahrhaften Beteiligungsprozess gab, damit alle Ebenen aus EA/ HA gemeinsam auf eine erfolgreiche Umsetzung wirken und es nicht nur „von Oben“ aufgesetzt ist. Das ist anstrengend zu organisieren, zahlt sich aber aus.
Das Forum hier ist ein Ort, an dem zum Glück kritischer wie konstruktiver Austausch möglich ist - und dadurch zumindest auch ein kleiner, aber nicht unwichtiger, Beitrag außerhalb der institutionellen Möglichkeiten im Meinungsbildungsprozess erfolgen kann.
Das ersetzt aber nicht das institutionelle Engagement. Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass es im TT Mehrheiten für mehr ehrenamtliche Partizipation in Verbandsstrukturen gibt, doch sollte die TT-Gemeinde wachsam sein, wenn diese noch mehr abgebaut werden sollen.
Ein kritischer Blick darauf, welche Interessen wen leitet, ist wichtig für die Zukunft unseres Sports. In den derzeitigen Strukturen mit begrenzter Kontrolle sind wir sehr davon abhängig, dass unsere Spitzenfunktionär*innen ein gutes Rollen-/ Selbstverständnis haben, was leider nicht auf Jede*n vollumfänglich zutrifft. Insbesondere wenn dann noch demokratische Legitimation bei interessengeleiteten Entscheidungen benannt wird.
Mit der Perspektive „in the box“ gar nicht mal verkehrt, mit dem Blick „out of the box“ fragwürdig.
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Nichts bleibt wie es wird!
Mephisto
TSG Oberrad
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