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Alt 21.04.2024, 22:46
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AW: ITTF World Cup 2024 (15.04 - 21.04.2024, Macao, CHN)

@Majestät

Ich verstehe da Deine generelle Sichtweise und teile diese generell in Teilen auch.

Aber hier in diesem Falle eine Sportlerin wie Wang ManYu zu unterstellen, dass sie hier wenig sportlich gewesen sei, weil sie hier einen Punkt nicht abgeschenkt hat, empfinde ich absolut nicht angebracht.

Zunächst mal war und ist es überhaupt nicht klar, ob der Ball die Kante berührt hat, das sagten im übrigen auch die Reporter des chinesischen TV, die die Szene mit Superzeitlupen analysiert haben. Ein Abschenken wäre also von vornherein ein kapitaler Nachteil für ManYu gewesen. Und dies bei einer Situation, die im entscheidenden Satz auf des Messers Schneide stand. Aber selbst, wenn der Ball die Kante wirklich berührt hätte, wäre ein 4:6 natürlich noch immer ein Nachteil gewesen in dieser Situation.

Ganz nebenbei bemerkt, muss man hier auch noch die ganz personenbezogene Situation von ManYu und Shasha ansehen, die beide auch außerhalb des Tischtennis gut befreundet sind und beide damit sehr gut umgehen können. Sie haben auch schon kommuniziert, dass beide in einer solchen Situation keine Geschenke der Anderen wollen.

Nichtsdestotrotz....und das ist wichtig.... würden beide immer sagen, wenn sie einen Punkt zu Unrecht erhalten hätten. Dazu gibt es auch mannigfache Beispiele sowohl von Shasha als auch von ManYu, wo diese dies in Spielen getan haben und der Schiedsrichter dann umentschieden hat. Ich kenne sie beide als absolut faire und authentische Sportlerinnen.

Dazu passt auch Dein Satz "Man sieht sich immer zweimal im Leben". Die exakt gleiche Situation, als sich beide unsicher waren, gab es nämlich schon einmal in der Vergangenheit, und zwar beim im WM-Finale 2021 zwischen den Beiden. Und zwar damals nicht in einer alles entscheidenden Phase des 7.Satzes, sondern beim allerersten Ballwechsel des 1. Satzes, also in einer vergleichsweise viel harmloseren Situation. Damals war es genau umgekehrt.

Damals hörte ManYu mitten im Ballwechsel auf zu spielen, weil der Ball anscheinend Shasha*s Körper berührt hatte, bevor diese ihn retournierte. Shasha sagte daraufhin, als sie von der Schiedsrichterin befragt wurde, dass sie es nicht bemerkt hätte. ManYu bat, genau wie heute Shasha, die Zeitlupe über den Monitor anzuschauen, was aber damals genau wie heute abgelehnt wurde. Dadurch verlor sie den Punkt. Danach wurde weitergespielt und Shasha schenkte den nächsten Punkt natürlich auch nicht her, obwohl das beim Stand von 1:0 im 1.Satz im Gegensatz zu ManYu heute im 7.Satz natürlich vergleichsweise ganz einfach gewesen wäre. Es ist Part of the game und für die Beiden ist das auch völlig ok. Hat vielleicht auch etwas mit der dortigen Mentalität zu tun, dass man ganz einfach solche Geschenke (geschenkter Punkt) nicht will, ganz besonders nicht von einer Freundin, und die Punkte selbst erkämpfen will.

In dem heutigen Fall gibt es einfach keine endgültig befriedigende Lösung.

Die gerechteste, den Punkt zu wiederholen, geht regeltechnisch in internationalen Wettbewerben nicht. Was übrigens in nationalen chinesischen Wettbewerben anders ist, wo diese Möglichkeit eingeräumt wird und auch schon bei chinesischen Meisterschaften praktiziert wurde.

Den nächsten Punkt einfach abzuschenken, wäre komplett ungerecht, weil es ja unklar ist, ob diejenige, die den Punkt abschenkt, tatsächlich den Punkt zuvor zu unrecht erhalten hat. Sie wäre dadurch klar benachteiligt, erst recht bei einem eigenen Rückstand.

Dies wäre nur oK, wenn eine Fehlentscheidung vorliegen würde, die für beide Spielerinnen klar ist. Das war aber weder hier noch damals beim WM-Finale der Fall.

Was bleibt, ist also in diesem speziellen Fall, die ursprüngliche Entscheidung zu akzeptieren und normal weiterzuspielen, weil es ja nicht geklärt ist, ob es wirklich eine Fehentscheidung war oder nicht.

Wie gesagt, man kann einen Punkt natürlich auch abschenken, und bewusst eine eigene Benachteiligung dadurch in Kauf nehmen. Das ist auch eine Möglichkeit. Aber diese war hier heute nicht angesagt.

Und dieses *Abschenken* der Gegnerin zu den eigenen Gunsten hätte heute auch weder Shasha gewollt wie damals genausowenig ManYu.

Geändert von Wolf11 (21.04.2024 um 22:54 Uhr)
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