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Zitat von mithardemb
Das ist aber kein typisch deutsches Problem, sondern liegt in der Natur der Sache. Die meisten Investoren wollen möglichst große Gewinne in kurzer Zeit.
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Beim klassischen deutschen Kaufmannsbetrieb war und ist das traditionell anders. Ansonsten würden manche Firmen nicht schon 150 Jahre existieren.
Ich frage mal provokant: ist Geld nicht besser dort angelegt, wo man relativ sicher sein kann noch in 20 Jahren stabile Dividenden zu kassieren oder eher in "Highflyern", wo man sicher verzehnfachen kann, aber auch der Totalverlust möglich ist.
Wirtschaft läuft doch immer in Zyklen, das weiß jeder Unternehmer.
Klar lockt oft die Globalisierung, Verlagerung. Aber stimmt dann die Qualität noch? Tut sie das, wenn beim Personal und bei den Maschinen gespart wird?
In den 60ern war es mal modern (da gab es auch massiven Persoalmangel) über Werkswohnungsbau mit günstigen Mieten (sinnvollerweise kam ein Teil des Lohns so zum Unternehmer zurück, win-win) oder hohe Betriebsrenten Mitarbeiter langfristig zu binden.
Die Inhaber wohnten meistens ganz in der Nähe der Firma.
Auch mit starker DM und hoher Steuer war man wettbewerbsfähig. Kredite nahm man nur ungern, Banken wollte man nicht im Unternehmen haben. Meistens gab es einen Erben und der Rest wurde ausgezahlt.
Man hatte kurze Wege, viele Führungskräfte haben in der Firma gelernt und sich dann fortgebildet.
Wer heute noch so wirtschaftet wird auch die Grünen überleben. Und würde das auch bei 8-10% Zinsen, die gab es ja auch schon mal.
Dieses Wirtschaftsmodell war doch gar nicht so schlecht, oder?
Die anderen, die durch die Nullzinsen, legale Steuertricks usw. geglaubt haben das Rad neu zu erfinden, die haben massivste Probleme. Dort wo erstmal das "Mindset" am wichtigsten ist, "skaliert" wird und außer Denglisch oft nicht viel Produkt da ist.
Oder auch wo die Erbengeneration sich einen Lenz macht und nur noch rauszieht. Wenn dann 15 Erben da sind und Millionen abfließen, dann blutet der Laden halt aus.
Die klassischen deutschen Firmen, sofern seriös geführt und traditionell wirtschaftend, werden mMn. als Gewinner aus der Krise gehen. Wer aber blind dem Zeitgeist nachjagt, die Öko- und Wokewelle reitet, den Kunden nicht mehr versteht, der wird langfristig eingehen. Was nicht bedeutet, dass klassische Unternehmen nicht mit der Zeit gehen. Nur zahlt man dort die Solaranlage aus dem Cash, ein MFH wird fertiggestellt, auch wenn die Kosten steigen und die Bank mehr EK will. Der Fuhrpark ist oft noch bar gekauft und da fährt der Handwerker seine Flotte halt mal 2 Jahre länger.
Genauso saß ein Friseur oder Gastronom mit Rücklagen und Ladenlokal in Eigentum Corona einfach aus. Ein Busunternehmer aus dem Kreis hatte seine Flotte einfach abgemeldet, da alle bezahltes Eigentum, kein Leasing.
Oft haben solche Unternehmen auch sprichwörtlich "einen Mann zuviel" eingestellt oder legen bei Abwerbeversuchen was drauf, auch wenn es die eigene Marge belastet.
Man denkt langfristig. Und das haben Teile der Erbengeneration oft vergessen.