Ich muss hier dem angenehm sachlichen Posting von Schluchtenschupfer doch in Teilen etwas widersprechen.
Zunächst mal, was den Zeitpunkt der Nominierung betrifft. Dieser war, bei den Gegebenheiten, eindeutig und ohne jede Not zu früh gelegt. Deine Argumente (Periodisierung, 11 Wochen vor Beginn nicht auf dem Leistungszenit) ist bei näherem Hinschauen keineswegs eine Begründung für eine noch frühere Nominierung und vom Prinzip widersprichst Du Dir auch teilweise in Deiner Begründung.
Beispielsweise, was die chinesischen Spielerinnen und Spieler betrifft. Denn hier hast Du natürlich die Tatsachen insoweit nicht ganz korrekt wiedergegeben, dass es dort eben noch NICHT feststeht, wer im Endeffekt nominiert wird und man lässt sich bis zum letztmöglichen Termin Zeit zur Entscheidung. Hier ist es so, dass man eine Punktewertung zugrunde legt, die Turniere der letzten 18 Monate sowohl international als national umfasst. Es ist dort nur so, dass 3 der Sportler so einen großen Vorsprung in dieser Wertung haben, dass es an ihrer Nominierung keinen Zweifel mehr gibt.
Die anderen Plätze sind aber noch unklar. Hier wurde das sehr transparent vermittelt. Ebenfalls sehr transparent haben es die Japaner gemacht, die die Nominierung ausschliesslich über eine Punktewertung erstellt haben, die sich aus 9 nationalen Turnieren zusammengesetzt hat. Hier wurde die Nominierung wieder etwas früher vorgenommen, nach Ende des letzten und 9. Turniers.
In beiden Fällen ergab bzw. ergibt sich zum Ende des Nominierungszeitraums ein faires und sportlich integres Bild. Auch, was die von Dir beschriebenen Niederlagen der chinesischen Sportler betrifft, ist das eine Sache, deren Zeitpunkt nichts mit einem Leistungsloch 11 Wochen vor Olympia zu tun hat. Bei den Herren gab es diese Niederlagen auch schon bei einer ganzen Reihe früherer Turniere und bei den Damen hat ja nur eine einzige Spielerin eine Niederlage bezogen. Das ist nichts ungewöhnliches. Dass die Niederlagen bei Olympia generell geringer sind, hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass dort ja nur jeweils 2 Sportler im Einzel anwesend sind.
Dein Argument, dass man den Saisonhöhepunkt ja keinesfalls auf den jetzigen Zeitpunkt legen könne, da dies unweigerliche Folgen für Olympia haben würde, ist nach meiner Meinung nach nicht ganz stichhaltig, siehe beispielsweise, wie die USA ihr Olympiateam nominieren.
Du schreibst hier, dass es keinen Sinn machen würde, irgendeinen Zeitpunkt rauszupicken und dann die Ergebnisse zu vergleichen.
Ich entgegne Dir, dass dies der EINZIG SPORTLICH INTERGRE UND FAIRE Weg ist, eine solche Nominierung vorzunehmen.
Schon im Sinne der beteiligten Sportler und Sportlerinnen, die ein Anrecht darauf haben, fair behandelt zu werden und nach ihren SPORTLICHEN LEISTUNGEN in einem zuvor festgelegten Zeitrahmen bewertet zu werden. Alles andere wäre demotivierend. Es kann hier nicht um alter Erbhöfe gehen, weil beispielsweise ein Ovtcharov (nicht zuletzt auch durch ganz günstige Auslosungen) irgendwann mal Bronzemedaillen geholt hat zu einem Zeitpunkt (bspw. 2012), wo einer seiner heutigen Konkurrenten noch gar nicht im Herren-Tischtennis unterwegs war. Das ist für mich eine absurde Vorgehensweise. Sondern solche Nominierungen müssen IMMER nach einem aktuellen Leistungsprinzip vorgenommen werde, wobei man den Zeitrahmen vorher festgelegt haben sollte, so wie dies beispielsweise in China oder Japan gemacht wurde. Oder man spielt Trials aus, wie dies die USA macht, was ich persönlich allerdings nicht ganz so favorisiere.
In jedem Falle muss es ein SPORTLICH NACHVOLLZIEHBARER Weg sein, wie man solch eine Nominierung votnimmt
Dies ist bei der Nominierung des DTTB ohne wenn und aber jedoch NICHT DER FALL.
Ich persönlich finde es ein bisschen schwierig, dass Du hier die nach meiner Meinung absolut gerechtfertigte Kritik an der Art und Weise, wie hier beim DTTB die Nominierung vorgenommen wurde, mit "krakeelenden Fussballfans" vergleichst. Damit wirst Du weder der Kritik als auch den betreffenden Sportlern so wirklich gerecht.
Du schreibst Dein Unverständns darüber, dass man den verantwortlichen Menschen Klüngelei unterstellen könnte. Dann frage ich Dich, warum dann sämtliche Leute, die sich in der Szene etwas auskennen, dann bereits vor Monaten gewusst haben, dass es Patrick Franziska sein würde, den man nicht nominieren würde, obwohl er die sportlichen Leistungen dafür erbracht hat.
Ich habe selbst sehr lange im Bereich Jugendförderung mit jungen Menschen in China im Bereich der natioalen A- und B-Kader der 12 bis 17jährigen gearbeitet und weiss, wie wichtig es ist, dass sportlich erbrachte Leistungen gewürdigt und belohnt werden müssen bspw. mit Aufstiegen innerhalb der Kader oder Turnier-Nominierungen und wie demotivierend es sein würde, wenn man dieses außer Kraft setzen würde und alte Erbhöfe gelten lassen würde.
Ganz genau dies aber ist hier mit der Nicht-Nominierung von Patrick Franziska geschehen. Und es ging hier auch nicht um eine knappe Entscheidung. Denn Franziska war praktisch in ALLEN Kriterien, die man dafür im zurückliegenden Olympiazyklus ansetzen konnte, leistungsmäßig deutlich sowohl vor Boll als auch vor Ovtcharov .Und daher ist diese Art und Weise, wie diese Nominierung vorgenommen wurde, in all ihrer Intransparenz und in ihrer völlig fragwürdigen sportlichen Aussagekraft für mich auch völlig inakzeptabel.
Wenn ich sehe, was hier beispielsweise Janus geschrieben hat.....
Zitat:
Zitat von Janus
Es wurden von Seiten des DTTB keine Kriterien objektiven und transparente geschaffen, die die Nominierung nachvollziehbar machen. Im Endeffekt sind diejenigen nominiert worden, welche die größte Lobby im DTTB haben und deren Hintermänner im Verband am meisten getrommelt haben. Es ist eine reine Funktionärsentscheidung, wer nach Paris fährt, und keine, die sich an messbaren sportlichen Kriterien orientiert. Die Aussagen einzelner Spieler, nicht als Nummer 4 mitfahren zu wollen, setzt dieser "Ausklüngelei" natürlich noch die Krone auf.
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.....dann muss ich ihm, obwohl dies inhaltlich natürlich sehr bitter und traurig ist, uneingeschränkt Recht geben
Wie gesagt,,,,,..Alle, die sich in der Szene auskennen, wussten es bereist lange im Voraus
Zum Schluss dieses Postings möchte ich aber hier noch anmerken, Schluchtenschupfer, dass ich Dein Posting weitgehend als wohltuend sachlich empfunden habe, auch wenn wir hier inhaltlich vollkommen unterschiedlicher Meinung sind.
So sollte es bei einer guten Diskussionskultur auch sein.