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AW: Andro Nuzn 50 & 55
90 Minuten mit dem Nuzn 50 gegen echte Menschen und es stellt sich Ernüchterung ein.
Um es gleich Vorweg zu sagen:
Jemand der Tensoren mag und gewohnt ist, der wird diesen Belag höchstwahrscheinlich dennoch sehr interessant finden. Es mag sicherlich auch Spieler geben, die dem Belag eine gewisse "Einzigartigkeit" was die Unterstützung des Belages angeht attestieren.
Für mich hat sich aber gezeigt, dass zwei Nuzn50-Eigenschaften zu sehr von den für mich gewohnten und gemochten "Hybrid" Eigenschaften abweichen.
Der geringe Schnitt im passiven Spiel und beim Aufschlag. Da das Obergummi wirklich nur eine synthetische Oberfläche ohne jegliche Klebrigkeit ist und einer gewissen Zähigkeit (ggf wenig elastisch im passiven Spiel) hat, erzeuge ich weder bei Angaben noch beim Vorhand-Schupf den für mich gewohnten Unterschnitt.
Ich bin es gewohnt auch gegen Leute die Kurz-Noppe spielen genug Schnitt zu erzeugen, dass im Satz immer 2-4 Punkte drin sind, bei denen der Gegner den Ball ins Netz schupft, weil er so stark nach unten zieht/springt. Das habe ich mit dem Nuzn nicht hinbekommt.
Ich habe einige Trainingsmatches gegen Noppen-Innen, sowie Kurz-Noppe/Langnoppe-Gegner gespielt. Ich habe pro Gegner jeweils nur einen Satz (von >10) den Schläger gedreht und den Nuzn 50 auf der Rückhand gespielt. In diesen Sätzen konnte ich (unabhängig davon ob der Gegner Noppen-Innen oder kurz-Noppe zum Schupfen verwendet hat) "aus dem Stand" je Satz mindestens 4 Punkte mit Unterschnittangaben oder Schupfbällen machen, wenn ich dazu den Rakza Z Extra Hard auf der Vorhand hatte.
Ich weiß nicht, ob der Belag sich hier noch ändern kann "nachdem" er eingeprügelt wurde. Wüsste nicht welche physikalischen Eigenschaften das Obergummi "weicher" oder "elastischer" werden lassen würden. Ich vermute, dass das durch die flache/breite Noppengeometrie einfach so gesetzt ist, dass das Obergummi sich nich sehr weit parallel zum Schlägerblatt verschieben kann, um den Ball ein wenig aufzufangen, bevor er in die andere Richtung rauskatapultiert wird.
Die zweite Eigenschaft die mir zum Hybriden fehlt ist die gewisse "tote Zone" unten herum. Bei vielen klebrigen Hybriden wie z.B. Nittaku PK50 Sieger, Rakza Z & Z Extra Hard, Joola GTPS gibt es einen unteren Geschwindigkeitsbereich indem nur die Grundgeschwindigkeit des Belags anliegt. Diese untere Grundgeschwindigkeit des Nuzn 50 ist hier auch wirklich angenehm und beherrschbar. Während ich aber bei "meinen" geliebten Hybriden hier einen Puffer habe oder einen Bereich von Kraft die ich reingebe, die den Ball nicht sonderlich oberhalb der Grundgeschwindigkeit beschleunigt, legt der Nuzn 50 hier schon bei der geringsten Zugabe von Eigenenergie los und die Geschwindigkeit erhöht sich.
Das heißt beim Rakza Z gebe ich 1% Kraft und der Ball erreicht die Grundgeschwindigkeit von 30 km/h. Gebe ich 5%Kraft bin ich vielleicht bei 32 km/h, aber bis ich bei 50 km/h bin, müsste ich schon 40% Kraft reingeben.
Ich habe hier quasi einen Puffer der es mir erlaubt entweder 1% oder 20% Power zu geben indem sich der Belag dennoch passiv verhält und mich nicht "unterstützt" indem er große Geschwindigkeitserhöhungen produziert.
Beim Nuzn 50 gebe ich 1% Kraft und bin bei der Grundgeschwindigkeit (sagen wir ebenfalls 30 km/h), gebe ich 2% Kraft bin ich auf einmal schon bei 35km/h, gefühlt läuft das ganze zwar linear ab, aber so feinfühlig, dass ich bei 10% schon bei 60km/h bin und so fein dosieren kann ich das einfach aktuell nicht. Das hat sich ein wenig so angefühlt als wäre das ein Belag für Leute mit Muskelschwund.
Ein wenig wie ein Auto dessen Motor nicht nur schon im unteren Drehzahlbereich das volle Drehmoment bietet, sondern auch ein stufenloses Planetengetriebe (somit keinen klaren Unterschied der Geschwindigkeitsbereiche zwischen passiv/aktiv). Das wäre jetzt alles für mich beherrschbar, wenn das Gaspedal zumindest irgendeinen Widerstand hätte und nicht beim Auflegen des kleinen Zeh's gleich wie wild heruntergedrückt und beschleunigt würde.
Diese für mich gefühlt niedrige Kontrolle/Dosierbarkeit im unteren Bereich mag für sehr viele Leute die Tensoren spielen hinfällig sein, weil sie es nicht "besser" gewohnt sind oder ihre Schlaghärte im unteren Bereich sehr gut dosieren können. Für mich ist das aber ein No-Go.
Ich hab mir schon überlegt, ob der Nuzn 55 mit seinem härteren Schwamm hier Abhilfte schaffen könnte, weil der nicht so leicht zu aktivieren wäre, aber dann komme ich wieder zu dem Punkt, dass der Unterschnitt im passiven Spiel einfach zu schlecht für mich ist.
Spieler > 1500 TTR die direkt ins offene Spiele gelangen und jeden Ball aktiv spielen, die können sicher von diesem Belag profitieren, da er im Angriff wirklich gut und komfortabel spielbar ist.
Ich habe auch einige Sätze deutlich aktiver und aggressiver gespielt und dann kamen die für mich negativen Punkte nicht so zum Vorschein. Es wäre aber illusorisch zu denken, dass ich das in jedem Punktspiel so durchsetzen könnte.
Ein weiteres Szenario indem der Nuzn 50 sich für mich hybrid-untypisch spielt ist, dass nicht nur Kraft nach vorne, sondern auch (tangentielle) Beschleunigung in "Länge" umgesetzt wird.
Wenn ich mit dem Rakza Z eine lange Angabe direkt anziehe (und mir dabei die Fingerkuppen am Tisch abrasiere), dann kann ich das mit 50% - 70% Power machen und der Ball landet auf der gegnerischen Platte mittel bis lang. Mehr Beschleunigung führt dort dann aber nur zu mehr Spin und das der Ball heftiger auf die Platte gezogen und dann abspringt.
Beim Nuzn 50 ging das anziehen auch, aber nur wenn ich die Kraft deutlich reduzierte und mit kürzeren Bewegungen arbeitete. Mit 25% Kraft ging es dann und der Ball kam auch giftig. Mit ähnlicher Kraft aber auch nur 20% mehr Beschleunigung gewann ich jedoch nicht an Schnitt hinzu, sondern nur an Länge, sodass der Ball einfach ins aus segelt, da das mehr an Beschleunigung gleich in Länge und nicht Spin umgewandelt wurde.
Rein vom Gefühl her ist der Nuzn 50 beim Topspin schon sehr angenehm, aber dennoch von der gefühlten Zeit die der Ball am/im Belag verweilt klar einem Rakza Z Extra Hard unterlegen. Bei letzterem fühlt es sich so an als würde ich ihn wie mit einer Schleuder eine Weile lang mitführen. Da ist der Ball beim Nuzn 50 längst schon wieder weg.
Grundsätzlich finde ich die Linearität im oberen Bereich also bei 60 -90 % der Geschwindigkeit sogar harmonischer zu spielen als im Bereich 1-30%, aber hier auch nur, weil ich es von Hybriden anders gewohnt bin und das mag.
Ich werden den Belag noch weiter testen und sicher wird sich die Sensibilität meines Händchens anpassen/verbessern. Eine Steigerung in Punkte Unterschnitt erwarte ich aber nicht.
Bitte beachtet, dass viele der Kritikpunkte am Nuzn 50 auch auf sehr viele Tensoren genau so anzuwenden währen und somit für den 08/15 Rasanter-Fan sicher überhaupt nicht valide sind. Wer Rasanter R48 und aufwärts spielt, für den ist der Nuzn 50 auf jeden Fall interessant.
Was könnte das ganze
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