Seit meiner letzten generellen Frage sind einige Punkte nochmal zusammengekommen und ich möchte mich nochmal dazu äußern.
Generell habe ich leider das Gefühl, dass diese ganze Diskussion demselben Schema verfällt, wie alles diskussionswürdige in dieser Gesellschaft. Es wird immer nur noch schwarz / weiß gesehen, Argumente der Gegenseite erhalten wenig bis gar keine Akzeptanz und wenn man sich mal seine Meinung gebildet hat, dann weicht man trotz guter Gegenargumente nicht ab, sondern bleibt starr bei seiner Meinung. Das sieht man in der Gesellschaft leider sehr häufig in letzter Zeit (Stichwort: Corona(regeln), Einwanderung, E-Autos, etc.). Auch So zumindest mein Empfinden und das ist leider eine traurige Entwicklung.
Nun zur Lizenz an sich: als "Digital Native" empfinde ich die Aussicht auf eine
gut gemachte (!) Turnierwelt erstmal als etwas positives. Das sind Wege in die Neuzeit (oder eher in die 2010er Jahre

) und sollten auf jeden Fall umgesetzt werden. Ein Jugendproblem im TT bekommt man durch veraltete Prozesse und deren Bürokratie nicht in den Griff. Durch digitale und bestenfalls auch mobile (ja, ich meine dich click-TT!) Dienste kann hier definitiv ein kleiner Wirkungsgrad erreicht und etwas Abhilfe geschaffen werden. Da ich selbst mit dieser Technik aufgewachsen bin und auch recht viel Kontakt zu unserer Jugendabteilung habe, kann ich hier definitv für ein Großteil der angesprochenen Gesellschaftsgruppe sprechen.
Allerdings: man darf mit solchen Änderungen nicht andere Gesellschaftsgruppen ausschließen. In diesem Fall halt eher ältere Menschen, teils sogar ohne etwaige Internetgeräte. Diese müssten Möglichkeiten haben, dennoch an Turnieren teilzunehmen. Ein vernünftiges Konzept müsste hierbei mit Spielern, Ausrichtern und Bezirken (und eins höher den Verbänden) ausgearbeitet werden! Es erweckt momentan eher den Eindruck, dass das von einigen Parteien (u.a. auch den Spielern selbst) nicht gewünscht ist, sondern lieber öffentlich auf das jetzige draufgehauen wird - teils auch zurecht.
Der DTTB sagt ja relativ offen, dass Gelder der Lizenz für die Entwicklung der Turnierwelt benötigt. Und das ist an und für sich ja auch okay. Hätte der DTTB nun einen Investor organisiert, der das Geld erstmal bereitlegt und das dann nachträglich (mit höheren Kosten, weil der Investor will ja auch ein gutes Invest machen) wieder abkassiert, dann wäre der Aufschrei nicht kleiner gewesen. Natürlich gehen dabei auch Gelder an die myTT GmbH über für die entsprechenden Dienstleistungen (oder arbeitet ihr kostenlos?). Ich frage mich nur, ob ihr wirklich glaubt, dass hier manche Einzelpersonen das richtig fette Geld machen? Natürlich ist bei einer GmbH immer eine Gewinnabsicht dahinter, aber das richtig fette Geld wird man glaube ich nicht machen.
Bei 10€ im Jahr macht das 0,83 € pro Monat. Davon wird der DTTB nicht alles an die myTT abgeben. Zudem gibt es ja die Versicherung, die abgeschlossen wurde (ob sinnig oder unsinnig sein mal dahingestellt, gezahlt werden muss sie ja), die Entwicklungs- und Betreibungskosten, die Gimmicks, etc. Da sind 0,83 € pro Spieler und Monat am Ende nicht mehr so viel. Oder übersehe ich hier jetzt etwas?
Was definitiv schlecht gelaufen ist, ist die Kommunikation des DTTB und der Landesverbände. Eine klare Formulierung der Absicht (Gelder für Turnierwelt + Bezahlung myTT) und keine vermeintlichen Argumente, sowie die Einbindung der Basis von Beginn an wären hier einfach ein besserer Weg gewesen. Deshalb nun alles zu verteufeln widerstrebt mir allerdings auch. Komplett fatal ist natürlich die Verbindung zum **-Shop. Dass hier eine böse, geldgierige Verbindung gemutmaßt wird, kann ich über die Art und Weise nachvollziehen und hätten alle Seiten besser lösen müssen, z. B. als öffentliche Ausschreibung eines Shop-Partners, bei dem aber alle TT-Shops eine Chance haben für x Jahre als Partner dabei zu sein. Letztlich liegt es aber auch an jedem einzelnen, ob er nun in dem Shop einkauft oder seinem Stammshop treu bleibt. Ein 10 € Gutschein sollte daran doch nichts ändern.
Thema Versicherung: haben wir hier denn juristische Fachkräfte mit Schwerpunkt Versicherungsrecht? Wenn das so ist, würde mich eine Darstellung aller Fakten interessieren um daraus dann eine Meinung bilden zu können. Gefährliches Halbwissen und populistische Aussagen wie sie hier im Forum teils vorkommen, werden mich nicht überzeugen, sodass ich diesen Punkt schlichtweg unbewertet lassen (muss). Ich finde, dass man nichts final bewerten kann, bei dem man nicht alle Fakten verlässlich kennt (hier sind wir wieder beim Einstiegsblock, die Aussage trifft auch auf Coronaregeln, E-Autos und Co. zu) und populistische Aussagen helfen am Ende nur dabei, die Kluften zu vergrößern.
Und sind wir mal ehrlich: wird der DTTB das Projekt einstampfen, nur weil keiner die Lizenz löst? Ich denke nicht, stattdessen würde er sich die Einnahmen über höhere Verbandsabgaben holen, die dann wieder alle belasten würden.
Unter dem Strich muss jeder für sich selbst wissen, ob er sich eine Turnierlizenz holt oder nicht. Ich hab in den letzten Jahren eine gewisse Freude an Turnieren gehabt und kürzlich auch ein erstes Race gespielt und finde Gefallen daran. Es bringt neben dem Ligabetrieb einfach noch eine andere Komponente in das Hobby ein. Sobald sich ein Turnier in der Nähe ergibt, werde ich vermutlich auch die Lizenz holen. Auch wenn mich manche hierfür jetzt vermutlich als Mitläufer oder blindes Schaf sehen, ist es mir mein (ansonsten recht billiges) Hobby doch wert. Wer mal den Blick in andere Sportarten wirft, wird sehen wie priviligiert ein TT-Spieler doch finanziell eigentlich ist ;-)
Ich hoffe, dass wir in dem Thread ein vernünftiges Miteinander etabliert bekommen und uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, nur weil wir anderer Meinung sind. Und sind wir mal ehrlich: zur Wahrheit gehören immer zwei Seiten und so ist es auch mit der Lizenz.