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Alt 10.01.2005, 09:36
Balian Balian ist offline
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Balian ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Jetzt reichts DSF!!!!!!!!!!!!!!

Zum Thema Telegenität des Tischtennis läßt sich nicht viel sagen, es ist seit 25 Jahren im Fernsehen eine Randsportart und bleibt es. Dafür gibt es gute Gründe und die meisten sind ausführlich diskutiert.

Was ich nicht verstehe ist, daß sich die Diskussion um das Öffentlichkeitsbild des Tischtennis immer nur um die Negativaspekte dreht. Kaum einer äußert sich mal zu den Stärken des TT-Sports, die es in diesem Bereich sehr wohl gibt.

1. Tischtennis ist eine Massensportart

Fast jeder kommt in seiner Jugend in der Schule oder Freizeit irgendwie mehr oder weniger intensiv mit Tischtennis in Kontakt. Neben der guten halben Million aktiver Vereinsspieler gibt es Millionen von Hobbysportlern, die im Garten oder der Garage ihre eigene Platte stehen haben. Um dieses unendliche Potential an Hobbysportler kümmert sich der Verband und die Vereine nur wenig, die meisten Aktiven begegnen diese Spezies nur mit einer abwertenden Überheblichkeit.

Die Tennisvereine haben uns in diesem Bereich einiges voraus. Hier gibt es fast in jedem Verein ein friedliches Miteinander von Punktspiel-Aktiven zu Hobbysportlern. Allerdings hängt die Finanzierung der Vereine in nicht unerheblichem Maße von den Beiträgen der Hobbysportler ab und den meisten Aktiven und Funktionären ist dies auch bewußt.


2. "Prominente Aushängeschilder"

Jeder von uns weiß welche Prominenten und Mächtigen Tennis oder Golf spielt. Ist jederzeit in der einschlägigen Fachpresse ("Gala") nachzulesen und auch die jeweiligen Verbände machen kräftig Werbung mit diesen Aushängeschildern.

Angesichts fehlender Sponsoren schaut jeder Tischtennisspieler neidisch auf diese Sportarten und ist sich nicht bewußt, welche Prominenz sich zumeist unerkannt in den eigenen Reihen bewegt hat und auch noch bewegt.

Hans-Wilhelm Gäb, der ehemalige DTTB-Vorsitzende ist bei weitem nicht der einzige Top-Manager, der Tischtennis aktiv betrieben hat. In den Tiefen der Kreisklassen sind heute einige Vorstandsmitglieder börsennotierter Konzerne oder auch Minister von Landesregierungen aktiv, die allerdings zugegebenermaßen wenig Wert darauf legen in ihrer Funktion erkannt zu werden. Dazu kommt eine Vielzahl von Entscheidungsträger in der Wirtschaft, die früher aktiv gespielt haben oder deren Kinder in Vereinen sind. Dieses Potential hat außer dem Tennis keine andere Massensportart weder Fußball noch Golf.

3. Breite in den Vereinen

Neben dem Fußball gibt es keine Sportart in Deutschland, die eine solche Vielzahl von Aktiven im Punktspielbetrieb aufweisen kann. Ca. 15 durchgehende Klassen von der Bundesliga bis zur 3. Kreisklassen, verteilt auf Bundes-, Verbands-, Bezirks- und Kreisebene. In fast jedem Verein auf dem Lande gibt es mehr oder weniger aktive Jugendarbeit, auch das gibt es außer beim Fußball nirgendwo.

Bei den Verbänden aber auch zunehmend bei den maßgebenden Vereinen hat sich eine gewisse Geringschätzung dieser Breitenwirkung durchgesetzt, weil sie mit dem extremen Leistungsdenken nicht konform geht. Resultat: die 3. Kreisklassen brechen langsam weg, der Damenspielbetrieb auf Kreisebene stirbt langsam aus und bei der Jugendarbeit konzentriert man sich nur noch auf Leistungsträger und läßt den Rest beiseite liegen. Hier muß man aufpassen langfristig nicht die Basis zu verlieren, die den Sport trägt und die hat mit den Timo Bolls (und noch weniger mit den chinesischen Gastspielern) wenig am Hute, für die spielt Lust an der Bewegung und Geselligkeit eine dominierende Rolle.


Auch wenn große Teile dieses Beitrags auf den ersten Blick offtopic erscheinen mögen, die Konzentration auf das Medium Fernsehen als den zentralen Träger des Öffentlichkeitsbildes Tischtennis halte ich für grundsätzlich falsch.
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