@ Balian
Ein sehr fundierter Beitrag.

Trotzdem gehe ich nicht mit allen Deinen Thesen konform. Vor allem der Schluss scheint mir nicht schlüssig zu sein.
Denn auch der Spieler aus der 3. Kreisliga orientiert sich wie alle Breitensportler und - das ist ja das Frappierende - wie auch die Printmedien an den "Trends", die das Fernsehen setzt und natürlich an telegenen "Heros". Beispiel Tennis (das im Gegensatz zum Skispringen oder Biathlon "massensportfähig" ist): Erst mit den weltweit im Fernsehen (damals noch ARD) übertragenen Erfolgen von Becker, Stich und Graf gab es einen Tennis-Boom, strömten die Leute (Breitensportler) in die neu enstandenen bzw. aus den Nähten platzenden Clubs und auf die tausenden neuen Plätze.
Selbst die Laufbewegung (Jogging als Massensportart) wurde erstmal über das Fernsehen (aus den USA noch Europa) transportiert, ehe die Printmedien und die Gesundheitspolitik über Bücher etc. den Boom verstärkten. Nur geballte Medienkraft mit Fernsehen und Print ist es also, die zusammen mit einem oder mehreren "Helden" sowie "spannenden Geschichten" rund um den Sport einen Boom auslösen kann - siehe übrigens auch Triathlon.
Will sagen: Nur Hochleistungssportler ("Heros") schaffen es (in aller Regel), ins Fernsehen zu kommen, das Fernsehen setzt die Trends, die andere (Medien, Verbände, Gesundheitspolitik, Vereine, Wirtschaft) aufgreifen und damit einen Boom auslösen können. Im übrigen sind die Breitensportaktivitäten, die der DTTB in letzter Zeit gestartet hat, wahrlich nicht gering zu schätzen (siehe
www.tischtennis.de und DTS). Ihre Verbreitung (Medienkraft!) sind das Problem, nicht die Inhalte, denn die sind gut.
Der zweite Aspekt betrifft die Finanzierung des gesamten Sports Tischtennis (nicht nur des Hochleistungssports). Wir finanzieren uns in erster Linie aus drei Quellen: den staatlichen Zuschüssen (die sehr stark von Erfolgen bei Olympischen Spielen abhängen), den Beiträgen unserer Vereinsmitglieder und dem Sponsoring (das übrigens schon bei einer Trikotspende für eine Jugendmannschaft beginnt).
Große Beträge (in Millionenhöhe) sind nur über die erste und die letzte Quelle zu erschließen - letztlich also über den Leistungssport. Ohne Sponsoring z.B. könnten wir mindestens die drei höchsten Ligen vergessen, unsere regionalen und überregionalen bis internationalen sportlichen Aushängeschilder also. Es blieben nur die Beiträge der (Breiten)Sportler, die den Spitzensport u n d den Breitensport finanzieren. Selbst wenn das ginge (was ich bezweifle): ich wollte das nicht, denn dann würde Tischtennis so teuer (und so "exklusiv"), dass es stark an Massenattraktivität verlieren würde.
Fazit: Wir brauchen den (möglichst) telegenen Spitzensport(ler) und wir brauchen die Masse (den Breitensport), um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das eine ohne das andere funktioniert nicht.
Dass Tischtennis im Fernsehen eine Randsportart bleibt, ist nicht "naturgegeben". Andere, noch viel kompliziertere Sportarten haben es geschafft, erst das Fernsehen und dann das fernsehende Volk (und gleichzeitig Partner aus der Wirtschaft/Sponsoren) zu begeistern. Einschaltquoten werden "gemacht" - allerdings nicht nur von den ("bösen", weil uns nicht wohlgesonnenen) Fernsehmachern. Sondern auch von uns selbst, die wir unseren Sport in der Öffentlichkeit darstellen (verkaufen). Und wenn wir schon hinaus posaunen, dass er nichts (fürs Fernsehen) taugt: Ja, wie wollen wir denn die Fersehsender davon überzeugen, dass sie mehr Tischtennis bringen??!!.
Es geht nur mit Optimismus, mit Überzeugungskraft, mit Argumenten, aber auch nur mit Menschen: unseren besten und "interessantesten" Sportler(innen) eben. Über die und deren Erfolge gibt es spannende Geschichten zu erzählen - auch und vor allem im Fernsehen. Wenn wir das schaffen, haben wir eine Chance, dass Tischtennis eine Massensportart bleibt. Wenn nicht, werden wir im Wettbewerb der Sportarten (und gesellschaftlichen Freizeit-Trends) Boden verlieren. Will das jemand auf diesem Sender?