Na denn,
Es ehrt mich ja, wenn ich hier als höherklassiger Glattnoppenspieler bezeichnet werde

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So ganz trifft das den Kern aber wohl nicht. Ein Pascal Tröger ist da schon ne ganze Ecke vor mir ebenso wie der gleichfalls im Forum registrierte Bernd Hasenkopf (aktuell OL oben). Weltklasse hat sicher recht, dass es nicht viele Leute gibt, die (auch mit einer glatten Noppe) am Tisch wirklich hoch spielen können (hier für mich ab OL aufwärts).
Der Vorteil der glatten Noppe ergibt sich im spinreichen Spiel. Schafft der Glattnoppenspieler es, den Ballwechsel so zu gestalten, dass der Gegner mit Spin auf die Noppe agieren muß, hat er gute Chancen, den Punkt zu verbuchen. Der Kontrahent wird irgendwann ablegen müssen und diesen Ball muß der Noppenspieler wenn irgend möglich mit der Vorhand attackieren (bei Tröger mit der KN, bei fast allen anderen guten Leuten die ich kenne mit ner spinreichen VH). Lediglich im Wechsel zwischen der (meist) langsamen RH mit viel Schnitt und der offensiven VH liegt auf die Dauer des Spiels gesehen die Gewinnchance des Noppenspielers bei diesem Spielsystem.
Die Möglichkeit des Drehens ergibt sich höherklassig ob des hohen Tempos kaum. Vorstellbar ist hier maximal ein RH-Topspin, wenn die gegnerische „Ablage“ weit in die RH kommt und so die Position für nen VH-Topspin zu schlecht wäre. Das zusätzliche Problem ist hierbei neben der Zeitproblematik nach meiner Erfahrung die Schwierigkeit irgendetwas gescheites mit einem Ball anzufangen, der wider Erwarten in einem solchen Fall in die VH kommt. Kaum ein Glattnoppenspieler den ich kenne kann auf der VH mit der Noppe gefährlich agieren. Das Drehen ist also ein ziemlich hohes Risiko. Der einzige, bei dem das Drehen wirklich zum Spielsystem gehört, ist Gerrit Meyer. Allerdings verfolgt Gerrit auch kein klassisches Glattnoppenspiel am Tisch sondern eher ne ungewöhnliche Mischung aus tischnaher Abwehr und sehr punktorientiert vorgetragenen Zwischenattacken. Das ist schon sehr aufwendig und trainingsintensiv.
Grundsätzlich gilt für mich, dass nach Verstehen der notwendigen Bewegungsabläufe ein Glattnoppenspiel am Tisch durchaus in recht kurzer Zeit erfolgreich bis auf mittlere Ebene erlernbar ist (hier ca. LL). Wichtig ist nach meiner Auffassung das Ganze als geschlossenes System zu begreifen. Die entscheidenden Schläge sind zunächst der Noppenblock als Abstecher (kurz-lang) und Druckschupf und Noppenheber als Reaktion auf passive Bälle in die RH. Dies lässt sich ganz gut trainieren. Im Training verschiedene Winkelstellungen des Blattes ausprobieren, den Schläger beim Block locker in der Hand halten.
Von vornherein ist es unabdingbar, auch die VH mit einzubeziehen:
Das Gros der anzugreifenden Bälle ändert sich, da das Spiel weniger offen ist als mit zwei NI-Belägen. Folglich kommt dem Topspin auf US entscheidende Bedeutung bei. Beinarbeit ist wichtig (Falkenberg), da es möglich sein sollte, die VH von vielen Stellen des Tisches einsetzen zu können. Das Einüben des Spielens bestimmter Winkelfolgen erleichtert den Erhalt von durch die VH verwertbaren Bällen.
Mit reinem Noppenhinhaltespiel über den gesamten Tisch ist tatsächlich schon recht tief Schluß mit den Erfolgen.
Insgesamt ist die Anzahl der notwendigerweise zu beherrschenden Schläge bei diesem System überschaubar und daher bei grundsätzlicher Affinität meiner Meinung nach ganz gut erlernbar.
Das Spiel mit einer griffigen Noppe am Tisch ist insofern aufwendiger, als der Gegner deutlich weniger vermeintlich leichte Fehler macht. Die Ballwechsel sind länger und der Noppenspieler punktet auf der Noppenseite primär über die größere Variabilität im Vergleich zur Glattnoppe. Man muß deutlich aktiver und aggressiver agieren, um Erfolg zu haben. Ich selbst habe absolute Hochachtung vor Leuten, die mit ner griffigen Noppe am Tisch höher als LL spielen können seit es den 40mm-Ball gibt. Vor Einführung des größeren Balles war es weit weniger schwierig, auch gute Leute mit druckvollem oder leerem RH-Konter mit einer griffigen Noppe vor Probleme zu stellen als danach. Für mich ergab sich das Problem, dass der Ball beim aktiven Konter und Block deutlich weniger fiel als vorher. Insgesamt ist das Spiel mit einer griffigen LN am Tisch schneller als mit einer glatten. Auch dieser Fakt ist sicher in die Überlegungen bzgl. des persönlich bevorzugten Spielsystems einzubeziehen.
Für ein Störspiel mit einem Anti am Tisch gilt nach meiner Erfahrung gleiches wie für die griffige LN mit der Erweiterung, dass (leider) die Gefährlichkeit des Anti durch den 40mm-Ball noch stärker gelitten hat. Bei den paar Leuten, die ich kenne, die einen Anti Top am Tisch beherrschen, steht leider mittlerweile auf dem ersten Ball oft genug „schlag mich“.
Die erhöhte Geschwindigkeit des gesamten Spiels sowohl beim Anti als auch bei der griffigen LN im Vergleich zur Glattnoppe erschwert zusätzlich das Drehen.
Abwehrspiel aus der Halb – oder Langdistanz mit nem Anti ist für mich so ziemlich das aufwendigste, was ich mir vorstellen kann. Wer mal gesehen hat, was ein Peter Igel für Wege zurücklegt, kann sich mal fragen, ob er diesen Grad an körperlicher Fitness und Beweglichkeit auch nur in Ansätzen mitbringt. Nur dann kann so etwas erfolgreich sein, ansonsten ist damit auf Bezirksebene Schluß. Mit dem Anti muß man einfach noch deutlich mehr Bälle fangen als mit einer griffigen LN, um punkten zu können. Ausnahmen bestätigen hier wie immer die Regel, sind aber hochklassig (OL und höher) nur noch sehr selten anzutreffen. Mir bekannt: Igel, Englmair, Eilers (die letztgenannten mit 2mal Anti!) sowie Coorssen. Da sind dann aber eben auch schon VL-Leute mitgenannt.
Gruß Tom