Einzelnen Beitrag anzeigen
  #7589  
Alt 22.08.2024, 00:15
Benutzerbild von Wolf11
Wolf11 Wolf11 ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 3000
 
Registriert seit: 19.08.2021
Ort: Mannheim
Beiträge: 3.867
Wolf11 befindet sich auf einem absteigenden Ast (Renommeepunkte nur noch im Bereich +10)
AW: Olympia 2024 (26.07. - 11.08.2024, Paris, FRA)

Zitat:
Zitat von Chris21272 Beitrag anzeigen
Vielen Dank Wolf11, für deine ausführlichen Eindrücke.

Obwohl man merkt, dass du eher Fachmann bei den Damen bist, kannst du das Abschneiden von Wang Chuqin noch ein bisschen einordnen? Das war ja durchaus auch eine DER großen Überraschungen*

Man hört ja, dass er schon im Mixed sehr unter Druck gestanden hat, weil das Abschneiden hier extrem wichtig war (endlich Gold holen). Ich hatte auch den Eindruck, dass Sun Yinsha beim Mixed lockerer und führend war.

War der Druck auf ihn zu stark? Hat der Verlust seines Schlägers nur das Fass zum Überlaufen gebracht? Was bedeutet der Spielverlust gegen einen Nicht-Chinesen für ihn und seinen Trainer?
Wang ChuQin ist von seinen spielerischen Fähigkeiten ein begnadeter Spieler und in diesem Kontext spielerisch sicher auch noch stärker als Fan ZhenDong, aber er ist kein Leader, genausowenig wie bspw. Lin GaoYuan, bei dem dies ebenfalls zutrifft.

Im Olympiasieger-Mixed ist Sun YingSha die eindeutige Leaderin, was man bei diesen olympischen Spielen auch sehr gut sehen konnte. Das ist aber nichts Neues und war schon das Erfolgsrezept der Beiden, auch bei ihren beiden WM-Triumphen und ihren diversen Grand Smash-Siegen. Shasha coacht ChuQin bei Spielen manchmal und gibt die Richtung vor. Noch krasser ist dies bei Wang ManYu und Lin GaoYuan der Fall.

In Paris war dies aber vielleicht noch deutlicher wahrzunehmen, weil das Duo zuletzt in den Trainingsspielen beide Spiele gegen Kuai Man/Lin ShiDong verloren hatte und sich da speziell bei ChuQin doch eine gewisse Unsicherheit breit gemacht hatte, nicht zuletzt auch, weil dieser Mixed-Titel dieses Mal doch enorm wichtig war und auch ein breites Thema in der chinesischen Öffentlichkeit war.

Sun YingSha ist da von ihrem Charakter anders. Sie ist deutlich resistenter Rückschlägen gegenüber und hat trotz oder gerade wegen ihres leichten Phlegma*s eine unglaubliche mentale Stärke. Je mehr sie unter Druck kommt, desto stärker wird sie. Das ist bei Wang ChuQin so nicht der Fall. Spielerisch ist er brillant, aber mental nicht so unangreifbar wie Sun YingSha.

Warum nach dem Triumph im Mixed dann gleich diese Niederlage gegen Moregardh kam, ist schwer zu beurteilen und ob da die Zerstörung seines Schlägers eine Rolle gespielt haben könnte, kann ich nicht wirklich sagen, denn das wäre Spekulation, könnte es mir aber zumindest vorstellen.

Wang ChuQin steht in China wegen seiner Niederlage gegen Moregardh aber NICHT in der Kritik und er hat das Ganze ja auch mit seiner Goldmedaille im Mixed und seinen Spielen im Team teilweise kompensiert, aber zweifellos steigt der Druck, den er sich nicht zuletzt auch selbst macht, für die kommenden ganz großen Turniere.

Seine Niederlage gegen Moregardh kam in China eigentlich relativ unerwartet, man schätzte Moregardh, nicht zuletzt auch wegen seinem China-Aufenthalt bei den Spielen der CSL, eigentlich nicht als Hauptgegner für das chinesische Team ein.

In diesem Kontext dürfte der Druck auf Wang Hao auch etwas größer sein als auf Wang ChuQin. Und man sah Wang Hao auch diesen Druck an, als Fan Zhendong gegen Harimoto mit dem Rücken zur Wand stand. Kein Chinese im Halbfinale wäre sicher der Supergau für Wang Hao gewesen. In dieser Hinsicht waren das schon extrem aufregende Minuten, als das Spiel zwischen Fan und Harimoto auf der Kippe stand.


Nochmal ganz kurz zum Thema *Präsenz der Herren*:

KevKev hat es in seinem letzten Posting durchaus treffend gefragt: Was wäre eigentlich mit dieser ganzen *Vorbereitung auf künftige Turniere* gewesen, wenn die deutschen Herren das Halbfinale erreicht hätten ?

Kurz gesagt: Alle diese Argumente mit *mehr Vorbereitungszeit für TTBL* usw. sind für mich reine Ausflüchte und in diesem Kontext und Zusammenhang auch nicht sinnvoll,

Das hier waren OLYMPISCHE SPIELE. Und hier ging es letztendlich nicht nur um Medaillen (zumindest nicht für das deutsche Team), sondern es ging auch darum, wie man sich hier innerhalb der großen *Tischtennisfamilie*, aber auch für die Öffentlichkeit präsentiert und darstellt.

Und hier hat man sich extrem schlecht dargestellt. Gerade auch im Hinblick, dass man auch im Vorhinein wieder kommuniziert hat, wie wichtig diese olympischen Spiele sind und dass sich quasi alles und jeder diesen olympischen Spielen in der Planung unterordnet. Immer wieder wurde dies kommuniziert. Das Herren-Team hat im vergangenen Jahr wichtige Turniere ausgelassen mit der Begründung, dass praktisch nur Olympia zählt und man sich lieber zu Hause darauf vorbereitet.

Und was ist nun geblieben vom deutschen Herren-Team bei diesen olympischen Spielen ?

Nichts.

Es ist hier schon mehrfach geschrieben worden, dass man sich bei all der Erfolglosigkeit sich in der Reminiszenz dieser olympischen Spiele zumindest als EIN TEAM hätte präsentieren und in Erinnerung hätte bleiben können. Und alle, die das so ähnlich geschrieben haben, haben meiner Meinung nach Recht.

Ja, das war Olympia, und das deutsche Herrenteam hatte bis zum Freitag dieser Spiele fest geplant, wo Spiel um Platz 3 und Finale gespielt wurden. Dann schied man schon im Viertelfinale aus und die deutschen Herren waren schneller weg, als man schauen konnte.

Olympia ? Zu zeigen, dass man EIN TEAM ist ?

Das zählte nun nicht mehr. Da sah man, dass es den Herren hier nicht wirklich um Olympia und auch weniger um die ideellen Werte ging, die damit verbunden sind, sondern vor allem nur um das eigene Ich und den eigenen Erfolg. Andere mögen das gerne auch anders sehen, aber das ist meine Meinung.

Als dann am Samstag China, Japan, Südkorea und Deutschland um Gold und Bronze spielten, waren auch die Herren aus China, Japan und Südkorea allgegenwärtig. Ganz zu schweigen von den vielen Spielerinnen, die hier mit ihren Teamkameradinnen trainiert haben.

Und ich glaube auch nicht, dass es so ist, wie hier jemand geäußert hat, dass nahezu alle User hier genauso gehandelt hätten, wenn sie in der gleichen Situation gewesen wären. Das setze ich in Zweifel. Und man kann das auch nicht mit einem Vergleich *unter Arbeitskollegen* begründen, denn dieser Vergleich hinkt doch sehr. Hier geht es nicht um eine Firma und das Verhalten von Arbeitskollegen, sondern das ist hier Sport, hier ist der Teamgedanke extrem wichtig, und es war hier Olympia.

Geändert von Wolf11 (22.08.2024 um 00:17 Uhr)
Mit Zitat antworten