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Alt 01.09.2024, 03:59
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: Haben Nachwuchsspieler mit Migrationshintergrund in Deutschland Nachteile (Förderung, Anerkennu

Zitat:
Zitat von Dominikk85 Beitrag anzeigen
Natürlich verhindert niemand das migranten eine tt halle betreten, aber viele kinder und eltern mit migrationshintergrund wissen ja gar nicht das es in der stadt überhaupt einen tt verein gibt. Gilt natürlich auch für viele "weiße" kinder, man könnte imo allgemein mehr dafür tun kinder anzuwerben deren eltern keinen tt Hintergrund haben.

Generell haben viele sportarten die nicht Fußball sind probleme nicht nur migranten sondern auch "biodeutsche" aus ärmeren Gesellschaftsschichten zu rekrutieren, so dass diese sportarten oft im "eigenen Saft" schmoren, sprich vor allem kinder von eltern die selbst aktiv waren rekrutiert werden.

Da spielt dann halt auch rassismus und klassismus (also Vorurteile gegen ärmere) mit rein weil man sich als im verein engagierter vielleicht in einem ärmeren Viertel oder viertel mit viel migrationshintergrund nicht so wohl fühlt und deshalb auch nicht aktiv auf solche familien zugeht. Das muss dann auch kein hass sein, es reicht schon aus wenn man sich in Gegenwart von wohlhabenden "biodeutschen" familien ein klein wenig wohler fühlt und dann wenn man zum Beispiel eine Schule besucht um da eine AG zu machen eher die im "weißen" und wohlhabenden Viertel nimmt. So entsteht halt ungewollte Diskriminierung.

Nur abwarten und sagen "die Tür ist doch offen" reicht dann halt nicht aus um diese leute zu erreichen da muss man aktiver vorgehen.

Das ist auch ein Wachstumspotential für den DTTB wo man mit aktiven kampagnen mitglieder aus unterrepräsentierten gesellschaftsgruppen erreichen kann.
Um diesen alten Beitrag mal aufzugreifen:

Da steckt viel Wahrheit drin, nur ist die Ursache eine andere als die Symptome:

Die erste Ursache heißt ganz einfach "Gleich zu Gleich gesellt sich gern", das gilt gesellschaftsübergreifend. Das gilt für den Sport genauso wie für den Kirchenkreis, Moscheeverein oder Schützenvereine, freiwillige Feuerwehr etc.. Wobei letztere dann eher Treffs zum gemeinsamen Saufen unter kulturellem Vorwand sind.

Zweite Ursache ist die soziale Komponente, ob deutsch oder nicht ist völlig irrelevant. Sport kostet Geld, mit Engagement betrieben inklusive Fahrtkosten oft 5stellig im Jahr.

Und da gibt es die klassischen "Unterschichtsportarten" wie Fussball, Boxen etc., Mittelschicht wie TT, Schwimmen usw., aber auch eine Sportart wie Wettkampfreiten, wo aufgrund der Pferdepreise gar nichts geht, wenn jemand nicht einen schwerreichen Papa oder zumindest Gönner hat. Beim Motorsport ist es ähnlich.

Ausnahme ist der Fussball, wo die Stukturen mittlerweile so sind, dass bei entsprechendem Talent die NLZ, in der Hoffnung das eine Talent zu finden, das Millionen einbringt, alles bezahlen.

Ansonsten bleibt man im Bereich "'Hobby" unter sich. Was aber weder "rassistisch" oder sonstwie diskriminierend ist, man kennt sich halt. Das gilt fürs Reiten genauso wie für den türkischen Fussballverein. Sind die Papas befreundet, dann kennt sich auch der Nachwuchs und man geht halt dort hin

Lustigerweise gilt das auch, um mal ein Beispiel zu nennen, für ehemalige Gastarbeiterkinder, die schon seit dem 80ern hier TT spielen. Da spielen die Kiddies auch, egal ob Italiener, Spanier, Türke oder sonstwen. Schau mal in den Regionalklassen nach den türkisch klingenden Namen im Nachwuchs und dann such mal nach dem Papa. Findest du oft im selben Verein...

Zur "Profikarriere":

Die ist, egal ob Migrant oder nicht, in viel betriebenen Massensportarten oft so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Bei Nachwuchs mit entsprechender Genetik, sprich Talent, wo die Eltern selbst Spitzensportler waren, kombiniert mit deren Wissen, da ist die Chance natürlich ungleich höher. Auch hier völlig unabhängig von der Herkunft, wobei ein ehemaliger "Profisportlermigrant', egal ob er Mikhail Ovtcharov, Boris Rosenberg oder Pal Dardei hieß, da natürlich ganz andere Möglichkeiten hat. Der Vater der Turnerin Helen Kevrin war auch Fußballprofi, der Vater von Dzenifer Maroszan ebenfalls.

Sprichst du also Probleme von Migranten an, so hat das mMn. wenig bis gar nichts mit der Herkunft zu tun, sondern eher mit dem Problem, dass tendenziell seit den 10er Jahren die Durchlässigkeit der Gesellschaft immer stärker abnimmt.

Das gilt im Übrigen zum Beispiel auch für angehende Ärzte, wo ein Kind eines persischen Zahnarztes, der ehemals vor dem Schah floh, massiv ungleiche Vorteile gegenüber einem Einserabsolventen aus dem "Ghetto" hat. Ersteres bekommt die Praxis "geschenkt", der andere muss sie erstmal abbezahlen.

Die Ursache der Probleme, die du tendenziell richtig analysierst, liegt mMn. eher daran, dass Zuwanderung nach Deutschland seit Anbeginn im Durchschnitt sozial unterhalb des Medians liegt.

Oder mal plump ausgedrückt: Wie soll sich, fernab der aktuellen politischen Situation, ein anerkannter, arbeitender Asylant, der sich vorbildlich integriert, mit zwei Kindern Tischtennis als Sport leisten können, sofern er wirklich mit Nichts hier ankommt?

Genauso hat übrigens ein Kind aus einem deutschen Doppelverdienerbeamtenhaushalt, wenn es davon träumt Springreiter oder Autorennfahrer zu werden, faktisch keine Chance. Die "Lehrerin" von Bredow-Werndel hat einen schwerreichen Papa...

Bei Autorennen ist es ähnlich. Über die Tochter des Inhabers eines großen TT-Versandhändlers gibt es etliche Reportagen, wo auch die Beträge genannt werden, was das damals schon gekostet hat...

Geändert von Noppenzar (01.09.2024 um 04:13 Uhr)
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