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Alt 20.09.2024, 18:38
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: Zeit für Wandel im DTTB nach Olympia

Zitat:
Zitat von A. Lange Beitrag anzeigen
Wir werden es in Deutschland nie schaffen, dass Tischtennis
groß im Fernsehen gezeigt wird!
Da wird lieber ein 3. Liga-Spiel im Fußball im Fernsehen live übertragen, als Tischtennis bei einer Weltmeisterschaft.
Und wahrscheinlich schauen beim Fußball tatsächlich auch mehr Leute zu

Bei uns kommt erst Fußball und dann lange nichts!
Selbst wenn wir einen Weltmeister und Olympiasieger im Tischtennis stellen,
wird sich daran nichts ändern.
Tischtennis ist in Deutschland eine Randsportart, so wie Fußball in China.

Das Problem ist doch anders gelagert. Tischtennis war nie ein Zuschauersport, man hat von den Aktiven gelebt. "Sponsoren" waren in Wirklichkeit Mäzene, meistens spielten sie selbst. Selbst das Konstrukt "Grenzau" funktionierte damit, weil jemand die geniale Idee hatte, ein Hotel in der Pampa als Ort für Mannschattsfahrten mit Training zu installieren.

Der Vorteil war und ist, dass man medial faktisch immer unabhängig war. Dee Sport lebte von sich selbst.

Jetzt ist es aber so, dass die Anzahl der Aktiven stetig abnimmt. Dementsprechend kommt auch weniger Geld aus dem Sport selbst, dazu knausert die öffentliche Hand.

Zusätzlich brach über die Jahre zum Teil noch der alteingesessene Mittelstand an Geschäften in den Städten weg. Ein "Action" oder "Lidl" gibt keine Gelder, der ehemalige kleine Laden tat dies schon und wenn es nur 100 Mark für eine Anzeige im Vereinsheft waren.

Dazu kommt der Onlinehandel der Großhändler für TT-Ausrüstung, da fällt die Notwendigkeit weg, dass der damals zumeist einzige Shop in der Nähe ständige Präsenz zeigt und für den generierten Umsatz dann auch etwas zurückgibt.

In der Summe wird das ehemalige Modell, dass eine Sportart aus sich selbst heraus existiert, obsolet.

Somit hat der Verband de facto ein unlösbares Problem.

Übrigens ist selbst beim Fussball nicht alles Gold was glänzt. Dort hat man in unteren Ligen dieselben Probleme, es fällt nur nicht so auf, weil die Spitze komplett internationalisiert ist und die "Vereine" im Grunde interbational aufgestellte Kapitalgesellschaften sind. Unterhaltungsindustrie halt.

Über die Ursachen dieser "Amerikanisierung" der Freizeitgestaltung kann man diskutieren. Tischtennis hat halt das Pech kein Sport für Zuschauer zu sein und dazu noch peu a peu Aktive zu verlieren.

Wer mal in die Ligen schaut sollte mal einen Blick auf die Altersstruktur vieler Mannschaften schauen. Man kann den Schwund vielleicht verlangsamen, indem man als Verband eben nicht mit zuviel Firlefanz die bestehenden Aktiven noch länger bei der Stange hält, letztendlich wird Tischtennis als Vereinssport immer weniger werden.

Generell ist halt der Zeitgeist, dass Freizeitgestaltung mehr und mehr individualisiert wird, ohne Verpflichtungen. Man geht in der Jugend nicht mehr wöchentlich mit der Clique raus, dafür pickt man sich einzelne, extrem teure (Taylor Swift) Events raus, man kauft nicht mehr in der Stadt gemeinsam ein, da wird im Netz bestellt, man geht ins Fitnesstudio, anstatt sich im Sportverein zu verpflichten (zumindest terminlich) und auch die Lieblingsfilme und -Serien werden individuell gestreamt.

Für jedwede Art von Verein, der auf Gemeinschaft angewiesen ist und seinen Mitgliedern eine gewisse Disziplin abverlangt ist das eine Katastrophe.
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