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Alt 10.10.2024, 09:22
Frawie Frawie ist offline
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AW: Coaching 4erMannscgaft - was darf man als Spieler erwarten

Zitat:
Zitat von UKausD Beitrag anzeigen
Das "Grundübel" ist, dass in der unteren Hälfte der Ligen geschätzt 50% aller Spieler nicht coachen können und/oder wollen.
Coachen ist ja auch gar nicht so einfach und man kann mit schlechtem Coaching auch Schaden anrichten. Ich selber bekomme manchmal Tipps, die für das Spielsystem des coachenden Spielers zwar passen würden, aber nicht auf meines anzuwenden sind. Ein Versuch der Umsetzung macht das dann nur noch schlimmer (z.B. kurz zu spielen).

Auf jeden Fall sollte man aber dem Mannschaftskollegen zeigen, dass man sein Spiel verfolgt und ihn anfeuert.

Wie sollte gutes Coaching aussehen? Die große Suchmaschine lieferte mir u.a. diese beiden Ergebnisse:
https://tischtennis.sv-rw-werneuchen...im-tischtennis

Oder auch ein älterer Beitrag aus diesem Forum
Zitat:
Zitat von Joachim Voigt Beitrag anzeigen
Ganz eindeutig: Kommt darauf an!
Leider können nur die wenigsten gut coachen und auch die Grundregeln/Grundlagen des *guten* Coachings werden nur selten vermittelt. Außerdem beschränkt sich gutes Coaching nicht nur auf "Tipps geben beim Spiel", sondern es gehört genau genommen auch die Trainingsarbeit dazu.

Zunächst mal ist ein wichtiges Kriterium wenn ich coache:
1. Spitzenspieler oder unteres Leistungsniveau
2. Sensibelchen oder psychisch stark
3. Spieler mit großer oder geringer "Spielintelligenz" (taktisches Verständnis)
4. Spieler mit viel oder wenig Erfahrung
5. ist der Spieler überhaupt bereit Tipps anzunehmen?
6. Kenne ich den Spieler aus dem Training (seine technischen und taktischen Möglichkeiten)
7. Kenne ich den Gegner (und weiß wie er auf taktische Änderungen reagiert/reagieren kann)

Ich gehe jetzt mal von folgender (häufig vorkommenden) Situation aus:
Ein Mitspieler coacht einen Mannschaftskameraden, dessen Spiel er gut kennt.

Zunächst gibt es ein paar Grundregeln:
1. Technik ist tabu, es werden NUR TAKTISCHE Tipps gegeben
2. nur positives Coaching (wie micwin und Konstanze schon geschrieben haben)
3. nur 1 (max. 2) Tipps
4. der 1 (max. 2) Tipp wird mehrmals eindringlich wiederholt
5. der Spieler soll die neue Taktik selbst wiederholen
6. es coacht immer nur 1 !!!
7. gecoacht wird wenn der Spieler halbwegs zur Ruhe gekommen ist (es wird nicht gegen einen schimpfenden und fluchenden Spieler angeredet, es wird nicht hinter einem unruhig hin- und herlaufendem Spieler hinterhergeredet, ...)

Vor dem Spiel:
Möglichkeit 1: Ich kenne den Gegner und kann Tipps geben:
- frage den Spieler, ob er den Gegner kennt
- falls ja: welche Taktik will er spielen
- falls Taktik des Spielers richtig: bestärken und einbleuen
- falls Taktik des Spielers falsch: bei kritikfähigen Spielern ändern (mit sehr kurzer Begründung, aber nachdrücklich); bei nicht kritikfähigen Spielern: Alternative vorschlagen und dem Spieler einbleuen (als Alternative)
- falls Gegner dem Spieler unbekannt: Taktik vorgeben (Begründung nur, wenn Spieler zweifelt), einbleuen

Möglichkeit 2: Ich kenne den Gegner nicht, habe aber schon Ansatzpunkte gesehen (Schlägerhaltung, fehlerhäufung beim einspielen, usw.)
- frage den Spieler, ob er den Gegner kennt
- falls ja: welche Taktik will er spielen
- falls Taktik des Spielers richtig scheint: bestärken und einbleuen
- falls Taktik des Spielers falsch scheint: Spieler moitivieren, keine andere Taktik, 1. Satz abwarten
- falls Gegner dem Spieler unbekannt: Taktik vorgeben (Begründung nur, wenn Spieler stark zweifelt), einbleuen

Möglichkeit 3: Keine Ahnung:
- Spieler positiv motivieren, auf eigene Stärken hinweisen, 1. Satz abwarten

Während des Satzes:
- keine taktischen oder technischen Zwischenrufe
- aber: klatschen und anfeuern nach *taktischen* Gesichtspunkten, d.h. bei einem "geilen" Ball, der taktisch falsch war, wird nicht geklatscht, bei einem "einfachen" Punkt, der taktisch richtig war, wird geklatscht und angefeuert
- keine Kommentare zu Schiedsrichterentscheidungen, keine Diskussionen mit dem Gegner o.ä.

Zwischen den Sätzen:
Grundregeln: - keine negativen Kommentare
- keine offenen Fragen
- Spieler zur Ruhe kommen lassen vor dem coachen
- max. 1-2 Tipps
- ansonsten gelten im Wesentlichen, die Regeln von vor dem Spiel ("ich kenne den Gegner")

Nach dem Spiel:
- Mannöverkritik frühestens 10-30 Minuten nach dem Spiel
- ggf. Vorbereitung auf das nächste Spiel (positiv !!!)
- besonderes Lob für taktische Disziplin (auch wenn verloren)
- bei taktischen "Undiszipliniertheiten" auch bei Siegen kein Lob (aber Gratulation zum Sieg ! und keine Kritik)

Zu einem guten Coaching gehört auch ein Spieler der bereit ist sich coachen zu lassen, d.h. er hört zu, nimmt die Tipps an, versucht sie umzusetzen. All das kann man absprechen (im Training) und üben.

Und zu allem gilt:
Außnahmen bestätigen die Regel. Und es kommt immer darauf an...

Ein kleiner Tipp:
Der TT-Bauch ist (besonders in unteren Spielklassen) immer ein lohnendes Ziel (besonders bei Abwehrspielern).

Fazit:
Mit gutem Coaching kann man Spiele und Turniere entscheiden, mit schlechtem leider auch. Es gibt keine Spieler denen gutes Coaching nicht hilft. Es gibt (so gut wie) keine Spieler denen sehr schlechtes Coaching nicht schadet. Es gibt kein Schema F für gutes Coaching.

Und nun viel Erfolg
Joachim
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It don't mean a thing if it ain't got that swing.
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