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Alt 13.11.2024, 15:58
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Wolf11 Wolf11 ist offline
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AW: WTT Finals (20.11. - 24.11.2024, Fukuoka, JPN)

Zitat:
Zitat von Topspin2017 Beitrag anzeigen
Warum setzt weiterhin,Fan Zhendong und Cheng Meng aus? Vielleicht kann Wolf11 was dazu sagen?
Kann ich gerne tun......

Ja, leider haben sich Chen Meng und Fan ZhenDong in der vergangenen Woche entschieden, die CupFinals in Fukuoka nun doch nicht zu spielen, während bei Ma Long diese Entscheidung schon etwas länger feststand.

Grund ist folgender: Das Turnier in Fukuoka ist das Einzel-Abschlussturnier des Jahres, im Dezember finden dann keine Einzel-Turniere auf höchstem Niveau mehr statt und auch im Januar stehen nur 2 Turniere von geringerer Bedeutung auf dem Programm und richtig weiter geht es dann für die weltbesten Spieler/-innen erst wieder mit dem Singapore Smash Anfang Februar 2025.

Es sind also nach den Cupfinals praktisch 2 Monate Pause für die Allerbesten, quasi eine *Winterpause* zwischen den Saisons 24 und 25 (Auch in China ist ja in dieser Zeit Winter)

Und da sowohl Chen Meng als auch Fan ZhenDong seit Olympia ohne jede Wettkampfpraxis sind, hat man sich dafür entschieden, entgegen früherer Planung, wegen diesen 4 Tagen in Fukuoka nun doch nicht extra neu einzusteigen, um dann anschließend wieder für 2 Monate in eine Wettkampfpause zu gehen.

Ich sehe das sehr ambivalent.

Auf der einen Seite ist dieses Vorgehen absolut nachvollziehbar, denn ohne Wettkampfpraxis in ein Saison-Schlussturnier zu gehen, das gerade mal 4 Tage andauert, um dann anschliessend wieder in eine zweimonatige Winterpause zu gehen, war für mich von vornherein sehr fragwürdig und auch nicht der Weisheit bester Schluss. Daher kann ich die jetzigen Absagen, die ich auch irgendwie im Stillen erwartet habe, auch absolut gut nachvollziehen.

Trotzdem stehe ich dem Ganzen auch sehr kritisch gegenüber, was die Gesamtplanung des chinesischen Teams betrifft. Hier hätte es sicher auch einige andere Möglichkeiten gegeben. So hätte man beispielsweise Chen Meng und Fan ZhenDong bitten können, schon wieder bei den beiden europäischen Champions-Turnieren einzusteigen und sich hier wieder Wettkampfpraxis zu holen, um dann bei den Cupfinals wieder voll angreifen zu können.

Denn mit der jetzigen Lösung hat man im chinesischen Lager zwei Dinge heraufbeschworen, für die die Teamleitung auch zurecht kritisiert wird. Zum Einen gefährdet man im Damenteam durch das halbjährige Fehlen von Chen Meng nun nachhaltig den 4. Platz der WRL im neuen Jahr, auf den man in China eigentlich großen Wert legt, um bei den Setzungen der großen Turniere alle 4 Viertel besetzen zu können und ein Aufeinandertreffen der Top-4 vor dem Halbfinale zu vermeiden. Hier hat man nach meiner Meinung einen klaren Fehler begangen.

Und zum Zweiten ist es natürlich so, dass die Cupfinals das einzige große Turnier sind, wo die Absagen der Top-Chinesen nicht dazu führen, dass dann die dahinterliegeden Chinesen eine seltene Chance bei einem Großturnier erhalten, sondern die Plätze werden dann von europäischen Spieler/-innen wie Szöcs und Duda besetzt.

Auch die qualifizierten Spitzendoppel wie etwa Chen Meng/Wang ManYu können nun nicht antreten.

Dies hätte man bei der chinesischen Teamführung nach meiner Meinung im Vorfeld zwingend anders lösen müssen. Wohlgemerkt nicht jetzt für Fukuoka, wo ich diese Absagen wegen 4 Tagen vor einer erneuten Pause von 2 Monaten gut nachvollziehen kann, sondern bereits vorher vor den Turnieren in Europa. Im Endeffekt hat man sich dadurch nachhaltig geschwächt.

Sehr schade ist dies für die Cupfinals in Fukuoka, die somit ihren beiden größten Attraktionen, nämlich der beiden Einzel-Olympiasieger, beraubt werden und womit, so ehrlich muss man einfach sein, auch der sportliche Wert dieser Cupfinals deutlich minimiert wird.

Nun ist geplant, dass beide nun wieder bei Spielen in China einsteigen, um dann spätestens zum Singapore Smash, der im nächsten Jahr schon Anfang Februar beginnt, wieder anzugreifen.


Zum Schluss möchte ich noch etwas zu den 3 Protagonisten selbst sagen:

Was Ma Long betrifft, so sollte man sich langsam damit arrangieren, dass man ihn nicht mehr oft wettkampfmäßig an der Platte sehen wird. Er wird noch Spiele in China machen, aber inwieweit man ihn inernational noch spielen sehen wird, steht in den Sternen. Er selbst hat seinen Abschied ja bereits angekündigt, noch ohne dies allerdings genauer zu spezifizieren.


Chen Meng dagegen hat kommuniziert, dass sie noch weiter machen wird. Sie hat bekundet, dass sie noch Ziele hat und auch noch Lust hat, weiterzuspielen, dass sie allerdings bei Olympia sicher nicht mehr antreten wird.

Bei Chen Meng muss man das auch etwas differenziert sehen, wie das auch hier schon von HansWurst 123 erwähnt wurde:

Sie hat für ihr Leben lange und längst ausgesorgt, ist vielfache Millionärin, hat viele Engagement auch jenseits der TT-Platte, ist die derzeit gefragteste Werbe-Ikone in China im Bereich Sport, hat neue und hochdotierte Werbeverträge aus der Modebranche und der Kosmetikbranche, zuletzt beispielsweise auch mit einem höllisch gut dotierten Vertrag auch vom Weltmarktführer der Modelabels *Christian Dior* ausgestattet.....ein Bild der letzten Fotosession hab ich hier ja mal gepostet.....(in Posting Nr. 657)

https://forum.tt-news.de/showthread.php?t=2186&page=66

.....und da ist es sicher auch nicht ganz so einfach, den Fokus immer nur auf Tischtennis zu halten.

Außerdem ist sie als nun zweifache Olympiasiegerin im Einzel nun auch in einer sportlichen Kategorie, der ihr Legendenstatus verschafft. Vorher haben das nur Deng YaPing und Zhang YiNing geschafft. Aber sie will, wie gesagt, weitermachen, weil ihr das Tischtennis und vor allem auch die Wettkampfatmosphäre so viel geben.

Und das hoffe ich auch ganz stark, denn das chinesische Damen-Tischtennis braucht sie noch.


Schliesslich ist da noch Fan ZhenDong, der zwar noch 3 Jahre jünger als Chen Meng ist, der sich aber hier und da auch schon mit Rücktrittsgedanken befasst hat, obwohl ich persönlich glaube, dass man ihn noch eine Weile sehen wird. Aber er hat, wie gesagt, schon ganz konkret mit den Gedanken eines Rücktritts gespielt.

Hier muss ich sagen, dass dies unheimlich schade, aber auch nachvollziehbar wäre. Auch er hat praktisch alles erreicht, war zweimal Weltmeister und ist nun auch Olympiasieger. Aber der Preis dafür war nicht klein: Nachdem Wang ChuQin bei Olympia früh ausgeschieden war, lag alle Last bei den Herren auf ihm. Und als er dann im Viertelfinale gegen Tomo Harimoto mit 0:2-Sätzen und dann mit 2:3-Sätzen zurücklag und der 6 Satz auf des Messers Schneide stand, muss dieser Druck auf ihm fast unmenschlich gewesen sein, gerade auch wenn man weiss, was Tischtennis in China bedeutet.

Dazu sollte man wissen, dass Fan ZhenDong, entgegen der vielleicht landläufig vorherrschenden Meinung, zwar ein Sportler mit einer unglaublich starken Psyche ist, aber in seinem Naturell auch ein sehr sensibler Mensch ist. Und dieser Druck macht dann auch etwas mit einem. Nun hat er alles erreicht, steht auf seinem Zenit und kann eigentlich nur noch verlieren.

Trotzdem hoffe ich, und ich glaube dies auch fest, dass er noch eine Zeitlang weiter machen wird, denn der TT-Sport braucht ihn noch und er kann hier sicherlich noch viel geben.

Geändert von Wolf11 (13.11.2024 um 18:01 Uhr)
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