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Zitat von Quizard
Ich kann es ganz gut verstehen, dass FZD und CM seit Olympia nicht mehr gespielt haben. Ich denke, man fällt auch von der Motivation her in ein großes Loch, wenn man das mit Abstand wichtigste Turnier gewonnen hat, das es im TT gibt. Ich stelle es mir sehr schwer vor, sich direkt danach für die Cup Finals oder irgendein Smash zu motivieren.
Und finanziell haben sie es definitiv nicht mehr nötig. Als Olympiasieger hat man in China definitiv ausgesorgt.
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Dieser Beitrag beinhaltet sämtliche Probleme, die diese Sportart hat.
1) Die Anzahl der wirklichen Highlights ist viel zu gering.
2) Als chinesischer Olympiasieger hat man finanziell ausgesorgt. Aber eben nur deshalb, weil es so derart selten echte Highlights gibt.
Bis auf Olympia und WM gibt es nix wirklich. Es sei denn, die Chinesen finden noch irgendwas anderes wichtig.
Natürlich kann man jetzt sagen, dass es halt so ist. Man kann das aber auch mal mit anderen Sportarten vergleichen, bei denen die Besten ihrer Art eben nicht aus einem totalitären Staat kommen.
Vergleichen wir das mal mit Darts. Oder, natürlich noch viel extremer, mit Tennis.
Im Herren-Tennis gibt es mind. 4 herausragende Ereignisse jährlich. Von den (gerade stattfindenen) Weltmeisterschaften und den 9 anderen Mastersturnieren mal ganz abgesehen.
Das ist ein Markt!
Fans finden es toll. Die Spieler finden es toll. Die Spieler können Kohle verdienen und sie können an Renommee gewinnen. Dieses Renommee ist ab einem gewissen Punkt deutlich mehr wert als die Kohle. Federer, Nadal, Djokovic, Alcaraz, Sinner & Co. treten mit Sicherheit nicht mehr des Geldes wegen an. Davon haben die genug. Sie treten aber trotzdem an. Und die Antriebsfeder ist die Geilheit auf Erfolg.
Das alles gibt es in der absoluten Weltspitze des TT nicht. Und das ist verdammt schade.
Ich kann mich noch erinnern als Nadal mal 4 Tage nach einem French Open Sieg bei einem Turnier in Halle vs. Dustin Brown verloren hat. Auf einem völlig anderen Belag. Auf Rasen anstelle Sand.
Warum konnte das passieren?
Weil Wimbledon bevorstand. Und das findet nunmal auf Rasen statt.
Wenn Nadal nun nach den French Open sich monatelang die Eier geschaukelt hätte, weil er ja einen
ach so tollen Erfolg gelandet hat, dann wäre er nicht der, der er als Sportler war.
Ich erinnere an das Jahr 2010 als Nadal sowohl die French Open, Wimbledon als auch die US Open gewann. Wenn er sich nach den French Open aufgrund mentaler und körperlicher Erschöpfung monatelang zur Ruhe gesetzt hätte, dann hätte es das alles nicht gegeben.
Genau das macht aber Fan Zhendong gerade. Über Chen Meng muss man sich gar nicht unterhalten. Die ist offenkundig westlicher eingestellt als die meisten Amis, was das Finanzielle betrifft. Könnte mir vorstellen, dass das einigen Chinesen ein Dorn im Auge ist. Aber egal, das ist ein anderes Thema.
Mir fällt da ein Spruch von Rudi Völler über Marcell Jansen ein, nachdem der seine Karriere mit 29 Jahren beendet hatte:
"Dafür habe ich kein Verständnis. Wer so etwas macht, hat den Fußball nie geliebt."
Und weiter:
"Wenn einer so früh aufhört, ohne verletzt zu sein, dann ist das ein Schlag ins Gesicht für jeden Sportinvaliden oder Jugendlichen, der irgendwann mal Fußballprofi werden will."
Warum das alles, was ich hier geschrieben habe?
Weil ihr nicht erkennt, dass das größte Problem unserer Sportart ist, dass die Chinesen die Besten sind.
Die bestimmen, wann was wichtig ist. Die bestimmen, wann wer zu Hause bleibt.
Deshalb freue ich mich auch gerade so, dass es die Franzosen gibt. Und Moregardh. Und hätte Harimoto bei Olympia Fan Zhendong (den ich übrigens sehr sympathisch finde

) geschlagen, wäre das eine Wohltat für unsere Sportart gewesen.
Wäre Harimoto monatelang von der Bildfläche verschwunden?
Nein!
Er hätte der Sportart und der Sportwelt Respekt gezollt und hätte dort, wo es ihm rein körperlich und mental möglich gewesen wäre, gespielt. Weil er
1) diesen Sport liebt und
2) - 10) wegen 1) belanglos ist.
Dennoch wäre er Olympiasieger (wenn er denn einer geworden wäre). Und wenn er die nächsten 10 Turniere in der 1. Runde gescheitert wäre, wäre er trotzdem für den Rest seines Lebens Olympiasieger.
Oder Darten:
Luke Humphries hätte sich mal monatelang auf der Couch ausruhen sollen, weil er das größte Turnier gewonnen hatte. ALLE hätten ihm einen Vogel gezeigt. Er sich selbst vermutlich auch. Denn er liebt diesen Sport.
Über Luke Littler muss ich wohl überhaupt nix schreiben. Der hätte mal, weil er das WM-Finale verloren hat, nur noch rumheulen sollen. Ja, hätte er machen können.
Hat er aber nicht!
Stattdessen hat er der Darts-Welt seinen Stempel aufgedrückt. Teilweise im Wochen-Rhythmus!
Wären Nadal, Federer, Humphries, Littler & Co. = Chinesen, dann würde es all' das nicht geben, was es gibt. Ich als Konsument bin sehr dankbar dafür.
Marcell Jansen wird sicherlich auch größtes Verständnis für den chinesischen Wegg haben...
Wäre ICH Olympiasieger im Tischtennis, würde ich 3 Wochen denken, dass ich der geilste Typ auf diesem Planeten bin.

Aber ab der 4. Woche wäre ich schon wieder heiß wie Frittenfett, wenn es darum ginge, mich mit Anderen zu messen. Denn nix ist älter als der Erfolg von gestern.
Wäre Lin Shidong kein Chinese, hätte er vermutlich ein ähnliches Interview wie Annett Kaufmann gegeben. Er allerdings zurecht.
Und würde Fan Zhendong auch nur über ein wenig Stolz verfügen
ODER dürfte seine eigene Meinung vertreten, würde er so langsam mal Bock draufhaben, sich mit Lin Shidong zu messen.
Aus rein sportlichen Gründen.
Sorry, musste mich mal auskotzen. Denn dieses ach so ausgeprägte Verständnis für den chinesischen Weg geht mir langsam aber mal so richtig auf'n Sack!
Wäre ich chinesischer Olympiateilnehmer, würde ich darauf achten, kein Olympiasieger zu werden. Denn ansonsten müsste ich viele, viele Monate in einer Sportart pausieren, die ich doch eigentlich liebe, auszuüben.
Und Teile von Euch finden genau das komplett nachvollziehbar.
Ich für meinen Teil nicht. Ich will die Besten sehen. Als Konsument. Die Lebruns, Moregardh & Co. sehen das glücklicherweise genauso. Und wäre einer von ihnen Olympiasieger geworden, hätte der anschl. nicht einen einzigen Ballwechsel weniger gespielt.